Die Karrieren des früheren KZ-Aufsehers Hermann Hackmann aus Uslar

Die Mörder waren unter uns

SS-Mann: Hermann Hackmann in Buchenwald im Jahr 1939, als SS-Obersturmführer und Adjutant des Lagerkommandanten Karl Koch mit SS-Unterführern auf dem Lagergelände. Das Bild stammt aus dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar. Foto: nh

Uslar. Während des „Dritten Reiches“ bot die SS jungen Männern vielfältige Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs. Der am 11. November 1913 geborene Maurer Hermann „Jonny“ Hackmann aus Osnabrück begann seine Karriere als KZ-Aufseher 1934 in Esterwegen. Nach dem Krieg landete er nach Uslar.

Hackmann war auch im Konzentrationslager Sachsenhausen tätig, seit 1937 als Rapportführer im KZ Buchenwald. Unter Häftlingen galt Hackmann als intelligenter Zyniker, der vor Grausamkeiten nicht zurückschreckte. „Schauerlich hallten die Schreie durch das Lager, wenn Hackmann und (SS-Aufseher) Sommer mit Hundepeitschen herumgingen und die Bedauernswerten am ganzen Körper (…) schlugen“, berichtete ein anonymer Zeitzeuge in dem Buch „Buchenwald-Report“.

Samuel Antmann, ein Häftling aus dem KZ Majdanek berichtete von einem Vorfall mit Hackmann auf dem Appell-Platz, als der wegen eines hohen Besuchs ausrastete: „In unserer Reihe hat er den Ernst Löwy schließlich zu Boden gerissen und ist dann mit beiden Füßen auf die Brust gesprungen. Wir haben gehört, wie die Rippen krachten. Der Löwy ist liegen geblieben, bis der Appell zu ende war. Dann haben wir ihn aufheben dürfen, aber er war tot.“

Mann ohne Skrupel

„Wenn die Kameraden nicht zugrunde gingen, haben sie fast immer einen schweren Schaden für Lebenszeit davongetragen.“ Hackmann hatte auch keinerlei Skrupel sich an den Häftlingen zu bereichern, die er des Öfteren um Geld für seine aufwendige private Lebenshaltung erpresste.

Im Jahre 1941 half Hackmann als Stellvertreter des Lagerleiters beim Aufbau des KZ Majdanek mit. Auch hier arbeitete er in seine eigene Tasche. Die Häftlinge fürchteten ihn. Als beispielsweise im Juni 1941 mehrere Dutzend russische Gefangene fliehen konnten, wurden die in der Baracke verbliebenen 40 Männer von Hackmann und seinen Kumpanen erschossen. Wegen Unterschlagungen und Mord in Buchenwald verurteilte ein SS-Gericht Hackmann im Juni 1944 zweimal zum Tode. Das Urteil wurde jedoch bis Kriegsende nicht vollstreckt.

Wegen seiner Morde an Häftlingen in Buchenwald verhängte ein amerikanisches Kriegsgericht 1947 ebenfalls die Todesstrafe für Hackmann. Seine Strafe wurde jedoch in lebenslängliche Haft umgewandelt. Bereits im Frühjahr 1955 wurde Hackmann begnadigt und entlassen. Seit dem 25. März 1955 wohnte er an der Kurzen Straße in Uslar, später an der Lavesstraße und auf dem Rothenberg. Er fand bald in einer bekannten Fabrik eine Anstellung. Der redegewandte, selbstsicher auftretende Möbel-Vertreter brachte es hier zum erfolgreichen Reiseprokuristen. 1956 heiratete Hackmann in zweiter Ehe eine Lehrerin. Aus seiner nationalsozialistischen Weltanschauung wurde eine „bürgerlich-nationale“.

Mord an 141 Menschen

Berührungsängste mit dem ehemaligen KZ-Schergen hatten nur wenige Menschen. In den Wirtschaftswunderjahren erinnerte sich auch in Uslar niemand gern an die Schrecken der NS-Zeit. Aufsehen erregte allenfalls eine Sendung Karl-Eduard von Schnitzlers, der in seinem „Schwarzen Kanal“ im DDR-Fernsehen über Hackmann berichtete.

In den Jahren 1975 bis 1981 musste sich Hackmann vor dem Landesgericht Düsseldorf für seine Verbrechen in Majdanek verantworten. Wegen Beihilfe zum Mord an 141 Menschen und der Exekution von 200 bis 400 Menschen wurde er zu der milden Strafe von zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Hermann Hackmann starb am 20. August 1994 in Uslar. Quellen: Hinweise zum Lebensweg des Hermann Hackmann finden sich unter anderem in folgenden Büchern:

David H. Hackett (Hg.): Der Buchenwald-Report. Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, München 1997;

Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/M 2003;

Eugen Kogon: Der SS-Staat, München 1979;

Günther Schwarberg: Der Juwelier von Majdanek, Hamburg 1981

Von Dr. Wolfgang Schäfer

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