Neue Industriegebiets-Doku: Vom Kalischacht bis zum Seniorenheim

Schacht Wittekind: Diese alte Postkarte (etwa von 1925) mit einem Blick von der Schlarper-Verbindungsstraße über den Schacht Wittekind bis hin zum Thie- und Butterberg am Bollert im Hintergrund fand Siegfried Baumer. Repro: Privat/nh

Volpriehausen. Mit zahlreichen neu aufgetauchten Dokumenten, Fotos und Filmen will der Volpriehäuser Siegfried Baumer die 120-jährige Geschichte des früheren Areals des Schachtes Wittekind über die Munitionsfabrik und die Glashütte Buder bis zur heutigen Nutzung als Seniorenheim in einer Ausstellung dokumentieren.

Die Dokumentation findet am Freitag, 16. Oktober, ab 19 Uhr im Gemeindahaus der evangelischen Kirche an der Raiffeisenstraße in Volpriehausen statt. Unterstützt wird die Dokumentation von Achim Ruez aus Uslar.

In einem vor etwa 80 Jahren gedrehten Schwarz-Weiß-Film wird die schwere Arbeit untertage im Kalischacht dokumentiert. In einem weiteren Film wird die Knochenarbeit beim Hafeneinfahren am Schmelzofen und die Bleiglasproduktion in der Glashütte Buder gezeigt.

„Viele Menschen aus dem Solling fanden hier einst Beschäftigung und Wohnraum, konnten so besser leben und ihre Familien ernähren“, beschreibt Baumer die gesellschaftliche Entwicklung durch die Industriebetriebe am Volperberg. In der Blütezeit des Kalischachtes waren dort bis zu 800 Menschen beschäftigt. „Davon profitierte nicht nur Volpriehausen, sondern die ganze Region entwickelte sich weiter“, sagt Baumer im Vorfeld der Präsentation.

Eine weitere Veränderung für das Dorf und die Infrastruktur brachte ab 1938 der Bau der Munitionsfabrik (Muna) am F-Gebiet am Bollert, da viele Arbeiter untergebracht und verpflegt werden mussten. Baumer berichtet in seiner Dokumentation unter anderem auch über die Produktion von Granaten in der Muna und stellt Schilderungen von Zeitzeugen vor, die dort arbeiten mussten.

Ab 1950 sorgte dann die neu gegründete Glashütte Buder für einen weiteren Aufschwung in der Region. „Mit ihrem Bleikristall erlangte das Familienunternehmen damals Weltruf“, so Baumer. In den 1970er-Jahren war man finanziell so gut aufgestellt, dass das ganze Gelände der Glashütte einschließlich der Gebäude von der Burbach AG und dem Staat erworben wurde.

Die Firma Buder fiel 1986 dem europaweiten Glashüttensterben zum Opfer. Nach jahrelangem Stillstand wurden die meisten Fabrikgebäude abgerissen und das mit Produktionsresten versehene Gelände saniert. Heute betreibt die Firma Emmermann GmbH auf dem Gelände ein Seniorenheim. Mit dem Blick auf die Gegenwart endet der geschichtliche Rückblick auf die 120-jährige Geschichte der einstigen Industrieanlage am Volperberg.

Der Eintritt zur Dokumentation „Vom Kalischacht zum Seniorenheim“ von Baumer und Ruez ist frei.

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