Grabung von Prof. Hans-Georg Stephan

Mittelalterliche Glashütte: Neue Suche nach Scherben

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Fundstücke schon vom ersten Tag der zweiten Kampagne: Glasscherben und -tropfen gehören zu den deutlichen Hinweisen auf eine mittelalterliche Glashütte am Fuße des Hilmersberges zwischen Bodenfelde und Polier.

Bodenfelde. Professor Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gräbt wieder im Solling. Unterstützung bekommt er vom Solling-Hauptverein.

Für die zweite Kampagne auf einer Wiese im Reiherbachtal unterhalb des Hilmersberges hat ein Bauhof-Mitarbeiter des Fleckens Bodenfelde die oberste Bodenschicht abgenommen, damit Stephan mit seinen 16 Studenten mit der archäologischen Arbeit beginnen kann

Schon beim Abschürfen der Oberfläche kamen etliche Scherben zum Vorschein, die laut Stephan deutliche Hinweise darauf geben, dass es sich bei der Glashütte um die bisher älteste handelt. Das Weserbergland mit seinen waldreichen Höhenzügen beiderseits des Flusses bildete laut Prof. Stephan das größte Glaserzeugungs- und Verarbeitungsgebiet im nördlichen Mitteleuropa zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert.

Ergiebige Fundstelle freigelegt: Prof. Hans-Georg Stephan (rechts) zeigt auf die Abfallhalde mit vielen Scherben aus der mittelalterlichen Glashütte. Im Hintergrund einige seiner Studenten.

In Betrieb war die Glashütte, die nun näher erkundet werden soll, vermutlich um das Jahr 1450. Sie ist damit rund 200 Jahre älter, als die bereits erkundete Glashütte am Lakenteich. Ähnliche Funde aus dieser frühen Zeit sind Stephan nicht bekannt, auch im Solling gibt es keine Grabungen aus der Zeitepoche.

Diesmal soll erforscht werden, wie groß das Hütten-Areal einst gewesen ist. Als Grabungsleiterin will die Archäologie-Studentin Claudia Schaller ihre Masterarbeit über die Glashütte im Reiherbachtal schreiben. Die Technik und der Betrieb der Anlage zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit stehen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Stephan berichtete zum Auftakt der neuerlichen Grabungen, dass um 1460 vermutlich zwei Glasmeister an der Anlage beschäftigt waren. Das könne man nach ersten Erkenntnissen wegen der Größe des Hütte-Areals sagen. Im vergangenen Jahr hatten Studenten einen Bremer Silberpfennig mit dem Wappen der Stadt gefunden. Das sei Handelsgeld in den Jahren um 1420 gewesen. Offenbar kam es über den Schiffsweg über die Weser von Bremen in die Region.

Sortierte Fundstücke: Grabungsleiterin Claudia Schaller (Mitte) mit den Schnittleitern Frederic Claus und Heiner Holtappels. Neben Fensterglas wurden auch Flaschensegmente gefunden.

Zwei Monate lang sollen die Grabungen bei Bodenfelde dauern. Die Hälfte der 16 Archäologie-Studenten sind aus China, die erste Erfahrungen bei Grabungen sammeln. Es seien Studenten des Aufbau-studiengangs Baudenkmalpflege. Untergebracht sind alle Studenten in dem zuletzt als Lesehalle genutzten Gebäude in Schönhagen.

Prof. Stephan hofft, dass er auch für eine weiter Lehrgrabung im nächsten Jahr Geld zusammenbekommt – das werde aber immer schwieriger. „Nach drei Kampagnen ist die Angelegenheit eine Runde Sache“, so der Wissenschaftler. Deutschlandweit gebe es nichts vergleichbares. Deshalb wäre es toll, wenn die Hütte sichtbar bliebe, vielleicht sogar als touristisch attraktive Grabungsstelle im Reiherbachtal. (jdx)

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