Ortsrat Schoningen lehnt Bau weiterer Windkraftanlagen in der Gemarkung ab

Vier Windräder auf dem Sömmerling: An diesen Anblick haben sich seit der Errichtung der Anlagen im Jahr 2000 viele Menschen im Uslarer Land gewöhnt. Die Anlagen wurden in der jüngsten Schoninger Ortsratssitzung sogar als „ästhetisch“ bezeichnet. Der Ortsrat ist jetzt aber gegen weitere Windkraftanlagen in der Gemarkung des Dorfes. Archivfoto: Dumnitz

Schoningen. Das Thema Windkraftanlagen spaltet die Gesellschaft. Das wurde am Dienstag einmal mehr in der öffentlichen Sitzung des Ortsrates Schoningen deutlich. Rund 35 Einwohner sowie Vertreter der Ortsräte Verliehausen, Offensen und Allershausen verfolgten die Sitzung in der Gaststätte des örtlichen Sportclubs.

Eigentlich ging es um eine Kleinwindanlage von etwa 35 Metern Höhe, die an einer Ecke des Sömmerling-Windanlagenareals errichtet werden soll. Da war letztlich kein Einvernehmen zu erzielen, wie in der Beschlussvorlage der Stadt vorgesehen. Der Schoninger Ortsrat lehnt das ab.

Über drei Stunden lang stand das Thema Windkraft im Mittelpunkt. Und schnell entwickelte sich aus dem konkreten Projekt eine allgemeine Diskussion zur Windkraft in Deutschland. Angefeuert wurde diese durch den Vortrag des Landarztes und Windrad-Gegners Dr. Thomas Carl Stiller, der für einen Schutz der schönen Solling-Landfschaft warb.

Briefkasten in Liechtenstein

Ortsratmitglied Jörg Grabowsky hat - wie einige seiner Kollegen - noch weiteren Beratungsbedarf. Er beruft sich auf einen Ratsbeschluss aus dem Februar 1998, nach dem am Sömmerling nicht mehr als vier Anlagen stehen dürfen. Und weil das noch gelte, müsse man gar nicht über eine weitere Anlage beraten und abstimmen. Ihn irritiere, dass Beschlüsse heute anders interpretiert würden. Der Initiator der Kleinwindanlage habe einen Briefkasten in Bodenfelde und Liechtenstein, berichtete Grabowsky.

Er befürchtet ebenso wie Thomas Becker (Allershausen) und andere Zuhörer, dass auswärtige Investoren die Region mit Windrädern ohne Rücksicht auf Verluste vollstellen und nur an der Rendite interessiert seien.

Gegenwind gab es auch von Karl Fricke, einem der Gesellschafter von drei Sömmerling-Windrädern. „Die Kleinanlage könnte unsere Räder beeinträchtigen“, sagte Fricke. Eine solche Anlage könne seiner Einschätzung nach zudem nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Verhindert werden könnten weitere Windräder nur, wenn man Wegebaulasten versage, so der Tenor. Ortsbürgermeisterin Ute Leßner-Schminke warb ebenso wie ihr Verliehäuser Kollege Friedbert Leßner um mehr Zusammenhalt der Orte gegen weitere Windkraftpläne. Leßner befürchtet im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren „Demokratieverlust“.

Entscheider ist der Landkreis

Georg-Wilhelm Elias (Fürstenhagen) ist sich sicher, dass der Landkreis dem Anlagenbau ungeachtet der Ablehnung aus den Ortsräten oder des Rates der Stadt zustimmt. Der Landkreis sei Entscheider auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen.

Von Jürgen Dumnitz

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