Kinderdorfmutter Gabriele Grupe wurde in den Ruhestand verabschiedet

,Oscar’ für ihr Lebenswerk

Besondere Auszeichnung: Ehemalige Kinderdorf-Kinder und Kollegen überreichten der scheidenden Kinderdorfmutter Gabriele Grupe einen Ehren-Oscar. Foto: Privat/nh

Uslar. Mehr als 30 Jahre war Gabriele Grupe für das Albert-Schweitzer-Familienwerk tätig. 30 Kindern hat sie in dieser Zeit als Kinderdorfmutter ein Zuhause gegeben. Dabei kam ein Leben im Kinderdorf für sie erst gar nicht in Frage.

Denn in ihrem eigentlichen Beruf war Gabriele Grupe Leiterin des integrativen Kindergartens und leitete für das Familienwerk zunächst lediglich einige Freizeitgruppen an den Nachmittagen.

Durch Notfälle wurde die Erzieherin zur Kinderdorfmutter auf Zeit und zog insgesamt drei Mal ins Uslarer Albert-Schweitzer-Kinderdorf, um neben ihrem Kindergarten-Job vorübergehend Kinderdorfkinder zu betreuen. Mal dauerte dieser Aufenthalt vier Wochen, mal tauschte sie ihre eigenen vier Wände gegen die lebendige Kinderdorfatmosphäre gleich für ein ganzes Jahr ein.

Verantwortung ist enorm

Dauerhaft als Kinderdorfmutter tätig zu sein, konnte sich Gabriele Grupe zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vorstellen: „Ich hielt das fast schon für verrückt. Die Verantwortung ist enorm und man muss sich wirklich einschränken, sich aber gleichzeitig den Kindern gegenüber vollständig öffnen.“

Über die Option „Kinderdorfmutter“ musste sich Gabriele Grupe auch gar keinen Kopf machen. „Ich war ja alleinstehend und damals wurden ausschließlich Paare als Kinderdorfeltern engagiert“, berichtet sie.

Stattdessen absolvierte Grupe eine zweite Ausbildung zur Heilpädagogin und arbeitete weiter im Albert-Schweitzer-Familienwerk, bloß an anderer Stelle. Erst als ein Kinderdorfelternpaar nicht mehr weiter arbeiten konnte, folgte Gabriele Grupe ihrem Herzen und nahm die beiden Kinderdorfkinder des Ehepaares bei sich auf. Spontan und ohne Vorbereitungszeit begann so ihre Zeit als Kinderdorfmutter.

Schnell wurden aus zwei Schützlingen vier. Kurz darauf erlebte Gabriele Grupe einen ihrer besonderen Momente im Albert-Schweitzer-Kinderdorf: Bei einem Freibadbesuch kam sie durch Zufall mit ihrer Sitznachbarin ins Gespräch. Diese hatte ihre zwei Enkelkinder aus Jordanien nach dem plötzlichen Tod der Eltern zu sich genommen und suchte händeringend nach einer festen Bleibe für die Kinder. Denn sie selbst konnte eine dauerhafte Betreuung nicht leisten.

Gabriele Grupe gab die nötigen Hinweise zur Möglichkeit einer Aufnahme und nur kurze Zeit später war ihre „erste Generation“ Kinderdorffamilie komplett. Sie und ihre Schützlinge zogen nach Uslar, wo Gabriele Grupe bis vor zwei Monaten mit Kinderdorfkindern zusammen lebte. Bis heute hält „Gabi“ – wie sie liebevoll genannt wird – einen intensiven Kontakt zu ihren ersten sechs Kinderdorfkindern.

Start ins Leben

Nach und nach wurden diese erwachsen und weitere Kinder kamen hinzu. Um die 30 Kinder fanden so dank Gabriele Grupe einen gefestigten Start in ihr Erwachsenenleben. Im vergangenen Monat wurde die Kinderdorfmutter vom Familienwerk in den Ruhestand verabschiedet. (shx) 

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