Pfarrhaus-Verkauf: In Volpriehausen regt sich Widerstand

Sorgt für Diskussionsstoff: Das Pfarrhaus in Volpriehausen. Der Kirchenvorstand will es verkaufen und das Gemeindehaus behalten. Es gibt aber auch kritische Stimmen gegen den Verkauf. Foto: Dumnitz

Volpriehausen. Der geplante Verkauf des Pfarrhauses der evangelischen St.-Georg-Kirchengemeinde Volpriehausen ist beherrschendes Thema am Bollert.

Die Kirchengemeinde hatte das Pfarrhaus inseriert. Inzwischen gibt es Kritik, dass der Kirchenvorstand allein entschieden und die Gemeinde nicht informiert habe. Und: Pastorin Waßmuth-Kahle bestätigt auf Nachfrage, dass ihr Mann für das Haus geboten habe.

Das sagt die Kirche

Die Kirche rechtfertigt den Schritt, sich mit der Neubesetzung der Pfarrstelle ab Februar (Pastorin Waßmuth-Kahle geht in den Ruhestand) von der Immobilie zu trennen - mit dem seit 2012 im Kirchenkreis bestehenden Konzept „Gesichter statt Steine“. Demnach sei das Pfarrhaus als entbehrlich eingestuft und müsse bei einem Pfarrstellenwechsel überprüft werden.

Nach Meinung des Kirchenvorstands ist das Pfarrhaus entbehrlich. Es stünden erhebliche Sanierungskosten bevor. Dafür soll das Gemeindehaus gehalten werden, das sich zuletzt auch zu einem dörflichen Veranstaltungsort entwickelt habe. Dem Kirchenvostand sei neben dem Erhalt des Gemeindehauses vor allem der Erhalt der Pfarrstelle am wichtigsten.

Das sagen die Kritikerinnen

Nicht einverstanden mit dem Pfarrhaus-Verkauf sind Stefanie Möhlenhoff und Elke Spangenberg-Kettler. Die beiden Volpriehäuserinnen sind verwundert, dass die Kirchengemeinde nicht gefragt und auch nicht informiert worden sei und sprechen von einer Vorteilsnahme durch Pastorin Gisela Waßmuth-Kahle. Die Pastorin wünsche, in dem Haus zu bleiben.

Elke Spangenberg-Kettler, die viele Jahre im Kirchenvorstand saß und lange Zeit Ortsbürgermeisterin in Volpriehausen war, und Stefanie Möhlenhoff haben ihre Fragen an den Kirchenkreis geschickt. Sie wundern sich, dass das Pfarrhaus gerade in einer Zeit verkauft werden soll, in der ein neuer Pastor erwartet wird. Ferner sind sie darüber erstaunt, dass „in dem Zeitungsinserat kein Mindestgebot für die Immobilie gefordert wird und auch kein ortsüblicher Verkehrswert der Immobilie genannt wird.“

Es sei bei ihnen der Eindruck entstanden, dass „die Immobilie relativ heimlich, sehr kurzfristig und zu nicht nachvollziehbaren Konditionen gezielt an die jetzige Pastorin verkauft werden soll“. Der Kirchenkreis soll jetzt prüfen,

• ob der Verkauf im Sinne der Gemeinde und des Kirchenkreisamtes sein kann,

• ob allein der Beschluss des Kirchenvorstandes für den Verkauf ausreichend ist,

• welche Vorkehrungen der Kirchenkreis zu treffen gedenke, um eine mögliche Vorteilsnahme im Amt der jetzigen Pastorin zu verhindern sowie

• warum das Haus ausgerechnet jetzt verkauft werden soll.

Das sagt die Pastorin

Pastorin Waßmuth-Kahle rechtfertigt das Vorgehen der Kirche in Sachen Pfarrhaus. Sie sagte auf Anfrage, dass sie schon seit 2012 Interesse bekundet habe, das Haus zu erwerben. Daraus habe sie nie ein Geheimnis gemacht. Auf das Inserat hin habe ihr Mann ein Angebot abgegeben, sagte sie frei heraus. Es seien für sie und ihren Mann ganz pragmatische Gründe: Sie würden gern in der Region bleiben, da biete sich das Haus an. Das seien vor allem legitime Überlegungen.

Die Volpriehäuser Pastorin wehrt sich besonders gegen den Vorwurf der Vorteilsnahme. „Ist das eine Vorteilsnahme, ein Haus zu kaufen?“, fragt sie die beiden Kritikerinnen.

Nicht sie, sondern die Gemeinde habe dadurch einen Vorteil. Schlimmer sei doch, wenn die Gemeinde auf dem Haus sitzen bliebe, wenn sie gehen würde. Sie bewertet die Kritik als boshafte Unterstellung und als rufschädigend. Sie bedauert die Art der Kritik. Die würde sie auch akzeptieren, wenn es zum Beispiel um ihre Arbeit ginge. Aber das treffe ja nicht zu.

Pastorin Waßmuth-Kahle gibt lediglich zu, dass es wohl besser gewesen wäre, die Gemeinde vorher zu informieren. Sie hätte aber auch vorher schon Rede und Antwort gestanden, wenn sie darauf angesprochen worden wäre, versichert die Pastorin. Doch niemand habe sich bei ihr gemeldet. (fsd) Archivfotos: nh

Infoabend am 10. November

Die evangelische St.-Georg-Kirchengemeine Volpriehausen hat nach der Diskussion um den Pfarrhaus-Verkauf unter anderem am Ende der Volpriehäuser Ortsratssitzung wie angekündigt reagiert und lädt für Dienstag, 10. November, ab 19.30 Uhr zu einem Informationsabend ins Gemeindehaus ein.

Wie Kirchenvorstandsvorsitzende Anja Kohrs am Freitag mitteilte, wird die zuständige Mitarbeiterin vom Kirchenkreisamt dabei sein, um das Procedere zu erklären und Fragen zu beantworten.

Anja Kohrs rechtfertigt den Pfarrhaus-Verkauf als richtige Entscheidung zugunsten des Gemeindehauses. Zum Verkaufs-Inserat erklärt die Kirchenvorstandschefin, dass es sich um eine für die Kirche übliche Anzeige handele. Zum Beispiel sei die Höchstgebotsklausel herausgenommen, um vorzubeugen, dass die Kirche verkaufen müsse, wenn nur ein Angebot bestehe, das dann auch noch unter dem Verkehrswert liege.

Im Übrigen sei das Ganze ein vollkommen offenes Verfahren, sagt Anja Kohrs und fragt sich, wo es eine Vorteilsnahme für die Pastorin geben solle. Das bisherige Echo bei ihr über die Verkaufsabsicht sei eindeutig. Niemand habe etwas gegen den Pfarrhaus-Verkauf gesagt. Vielmehr erkundigten sich alle nach dem Gemeindehaus-Erhalt.

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