Ursula Bergien meldet seit 25 Jahren Beobachtungen an den Deutschen Wetterdienst

Plakette für die Wetter-Fee

Plakette und Urkunde für treue Wetter-Beobachterin: Ursula Bergien (rechts) wurde von Matthias Ellmer vom Deutschen Wetterdienst für 25 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit geehrt. Das Bild entstand im Garten in Amelith, in dem eine Messstation mit Sender (hinten links) installiert ist. Foto: Dumnitz

Amelith. Wenn der Deutsche Wetterdienst die Schneehöhe vom Standort Amelith im Solling vermeldet, dann stammt die angegebene Messhöhe von Ursula Bergien. Die 70-Jährige gibt seit 25 Jahren ihre Wetterbeobachtungen aus ihrem Heimat-Dorf an die regionale Messnetzgruppe in Hamburg weiter.

Jetzt wurde sie vom Wetterdienst mit einer Urkunde, einer Plakette und einem Buch für ihre Treue geehrt. Sachbearbeiter Matthias Ellmer kam extra zum Gratulieren aus Hamburg.

Er überreichte ihr die vom Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), unterzeichneten Urkunde und lobte den ehrenamtlichen Einsatz über ein Vierteljahrhundert. Wetterbeobachter seien besondere Menschen, sagte Ellmer. Das gelte auch für Ursula Bergien, die schon von 1976 bis 1995 vom Forsthaus Winnefeld aus ihre Wetterdaten weitergab und dies seit 2009 von ihrem Wohnort im Amelith aus erledigt.

Für Ursula Bergien bedeutet die Tätigkeit, für die es pro Jahr rund 800 Euro Aufwandsentschädigung vom Wetterdienst gibt, dass sie jeden morgen um 6.50 Uhr aufstehen und ihre Beobachtungen weitergeben muss. Zu Beginn der Tätigkeit galt es noch, die Beobachtungen in eine Art Tagebuch zu notieren. Damals ging es um die Windrichtung, die Dauer von Gewittern und die Ergiebigkeit von Niederschlägen. Seit knapp sechs Jahren ist eine Messstation in ihrem Garten installiert, die automatisch Daten an die Messnetzgruppe liefert. Mit dem Zollstock in der Hand muss Ursula Bergien dann raus, wenn es geschneit hat. „Die Schneehöhe kann ja nicht anders ermittelt werden“, sagt der Wissenschaftler Matthias Ellmer, der der Amelitherin eine außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft bescheinigt.

Urlaub hat Ursula Bergien fast nie gemacht. Einmal habe sie Susanne Schröder aus Nienover vertreten, als sie aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. Die täglichen Messergebnisse sind für den Wetterdienst von großer Bedeutung, sagte Ellmer. Durch die Einzelergebnisse ergeben sich Messreihen, die wiederum zu relativ verlässlichen Wettervorhersagen führen.

„An unseren regionalen Beobachtungen des Wetters haben aber etwa auch Versicherungen oder Gerichte Interesse“, sagt der Sachbearbeiter aus der Hansestadt. Wann genau eigentlich mit wissenschaftlichen Wetterbeobachtungen begonnen wurde, sei nicht bekannt. „Ergebnisse derartiger Beobachtungen waren einst ja auch die Bauernregeln“, so der Wetter-Experte. Wenngleich die oft nur für einen kleinen Landstrich zutrafen und vielleicht zehn Kilometer weiter schon nicht mehr galten. Seit 1929 wurden die Messungen des Wetterdienste in Zeitungen und im Rundfunk veröffentlicht, hieß es weiter.

24 000 Aktionen

Laut Ellmer hat Ursula Bergien im Laufe der 25 Jahre 24 000 Aktionen an den Wetterdienst geliefert. Bundesweit gebe es rund 1800 derartiger Messstationen. Je nach geografischer Lage sind die einzelnen Stationen etwa 20 Kilometer voneinander entfernt. Um die Wartung der Stationen kümmert sich der Wetterdienst. Und um die richtige Höhe ihrer Hecke muss sich Ursula Bergien kümmern, damit ihre Messungen möglichst genau bleiben. Die Frage, ob es denn noch Schnee gibt, beantwortet Bergien mit „Ja, in den nächsten Wochen“, während der Wissenschaftler eher zurückhaltend ist. „Ich verlasse mich auf Zahlen und Messergebnisse.“

Von Jürgen Dumnitz

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