Treffpunkt löst sich auf, weil Mitstreiter des monatlichen Treffens nicht mehr können oder verstorben sind

Bodenfelde: Plattdeutsch in der letzten Runde

Stoßen noch einmal an: Die plattdeutsche Runde im Bodenfelder Museum mit(von links) Karl Kumpart, Horst Brekerbohm, Albert Stüber und Ewald Siebrecht. Meist gehörte auch noch Albert Don dazu, der aber bei der Abschiedsrunde fehlte.Foto: Dumnitz

Bodenfelde. Langweilig geworden ist es den Männern der plattdeutschen Runde im Bodenfelder Heimatmuseum bei keinem der bisherigen Treffen. Witze wurden ebenso erzählt wie Anekdoten von früher, von den Älteren Erlebnisse aus dem Krieg und der Zeit danach in der Wesergemeinde.

Und auch Tratsch stand oben an. Etliche Mitstreiter sind in den vergangenen Jahren gestorben. Jetzt will sich der kleine Kreis auflösen, der sich bisher einmal im Monat im Heimatmuseum an der Blumenstraße zur Pflege der plattdeutschen Sprache getroffen hat. „Wei sind teao wenich Luie“, sagt Horst Brekerbohm (78), der mit Karl Kumpart (76), Albert Stüber (70), Ewald Siebrecht (85) und Albert Don (80) zum harten Kern gehört. Vor 15 Jahren hat Brekerbohm die Runde ins Leben gerufen, weil er dachte, dass durch die lockere Runde die Sprache überleben kann. Er hat Plattdeutsch schließlich auch von seinen Eltern und Großeltern gelernt. Doch das Interesse von jüngeren Leuten war eher gering. Selbst Albert Stüber, der Jüngste in der Runde, hat schon als Kind die regional sehr unterschiedliche Sprache gesprochen.

Plattdeutsch war einst eine lebendige Sprache, aufgeschrieben wurde da meist nichts. Deshalb fällt es auch selbst den alten Hasen schwer, plattdeutsche Texte zu lesen. Erst recht, wenn sie aus einem anderen Dorf oder einer anderen Region stammen. „Jedes Dorf hatte so seine speziellen Ausdrücke für bestimmte Sachen“, sagt Karl Kumpart. In Wahmbeck „prahle“ man anders als in Bodenfelde oder in den anderen Dörfern des Sollings. Genieren musste sich aber nie einer in der Runde, wenn seine plattdeutsche Mundart anders ausfiel. Wie eine Fremdsprache „Wir hatten immer was zu lachen“, sagt Ewald Siebrecht, der auch heute noch gern plattdeutsch spricht, etwa wenn er beim Einkauf einen Bekannten trifft, der Platt versteht und spricht. Dabei hat er schon beobachtet, wie jüngere Leute sich fragend ansehen, weil sie die Sprache nicht kennen und zuordnen können. „Das ist für die wie eine Fremdsprache“, ergänzt Horst Brekerbohm. Früher habe man die Sprache in der Familie oder spätestens auf der Arbeit gelernt. „Die Leute aus den Dörfern sprachen alle so“, fasst Albert Stüber zusammen. Hochdeutsch haben die Bodenfelder meist erst in der Schule gelernt. „Mit jedem, der stirbt, stirbt auch ein Stück der plattdeutschen Sprache“, sagt Horst Brekerbohm. Aber so sei nun mal der Lauf der Zeit. Aufhalten könne man das wohl nicht. Wenn sich ein paar Interessenten melden, würde die plattdeutsche Runde sogar wieder zusammenkommen. Kontaktmann ist Horst Brekerbohm, Telefon 05572-7101.

Von Jürgen Dumnitz

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