Fred-Ekkart Schüler liefert seit 25 Jahren Daten für den Deutschen Wetterdienst

Preis für Naturbeobachter

Dank für fast 2000 Daten: Fred-Ekkart Schüler (2. von links) bekam von Saskia Pietzsch (rechts) vom Deutschen Wetterdienst eine Auszeichnung für seine 25-jährige Treue. Beim Termin im Rathaus in Gieselwerder waren auch seine Frau Monika Schüler (links) und Bürgermeister Cornelius Turrey (2. von rechts) dabei. Foto: Temme/nh

GIESELWERDER. Wer sich als ehrenamtlicher Helfer beim Deutschen Wetterdienst (DWD) einbringt, hat viel mit Niederschlägen zu tun – könnte man meinen und das ist wohl auch oft so. Allerdings gibt es auch Freiwillige, die die jährlich wiederkehrende Entwicklung von Pflanzen dokumentieren. Einer von ihnen ist Fred-Ekkart Schüler, der seit 25 Jahren die Natur bei Gieselwerder beobachtet und seine phänologischen Beobachtungen dem DWD zur Verfügung stellt.

„Meine Beobachtungen beginnen mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und enden im Spätherbst mit dem Nadelfall der Lärche“, sagt der 64-Jährige, der durch seinen Beruf als Förster optimale Voraussetzungen für das Ehrenamt mitbringt. Fast 50 Pflanzen, die vom Schneeglöckchen über Stachelbeersträucher und Getreide bis hin zur Eiche reichen, behält der naturverbundene Mann von der Weser das Jahr über im Blick – eben nicht nur wildwachsende Pflanzen, sondern auch Kulturpflanzen. „Auf meinem Schreibtisch liegt immer das Buch vom Wetterdienst – sobald ich etwas entdeckt habe, wird es notiert.“ Und am Ende eines Jahres wird das zur Auswertung verschickt.

Rund 170 Dokumentationen

170 verschiedene Entwicklungsstadien muss Schüler pro Jahr dokumentieren – Blüten- und Fruchtbildung sowie Blattverfärbung und -fall gehören etwa dazu. Sein Einsatzgebiet ist rund um Gieselwerder, wobei er einen Radius von fünf Kilometern nicht überschreiten darf.

Dank ihrer 1200 phänologischen Beobachter kann der DWD recht zuverlässige Angaben zum Klima machen: „Der Frühling beginnt seit Ende der 1980er-Jahre früher und auch die Winter sind wesentlich wärmer“, berichtet Saskia Pietzsch, Vertreterin des Wetterdienstes.

Auch Schüler kann dies bestätigen, die Pflanzen seien in ihrer Entwicklung inzwischen rund zehn Tage früher dran als noch vor 20 Jahren. Besorgniserregende Auswirkungen auf die Natur konnte der Fachmann jedoch bisher nicht feststellen. „Ganz im Gegenteil bin ich immer wieder überrascht, wie gut sich die Natur an Veränderungen anpassen kann.“

Zu seinem Ehrenamt kam Schüler durch einen Kollegen, der ihm den Posten übergab. „Das war damals noch in Spangenberg. Als ich nach Gieselwerder kam, habe ich einfach weitergemacht.“ Nutznießer der vielseitigen Beobachtungen ist nicht nur die Klimaforschung, sondern auch die Landwirtschaft.

„So erstellen wir mithilfe der Daten etwa Modelle, die den Verlauf von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen vorhersagen“, sagte die Vertreterin Pietzsch. Zudem werden spezielle Vorhersagen für Imker und Allergiker erstellt.

Weil der Förster seit 1991 für den Wetterdienst tätig ist und in dieser Zeit 1739 Beobachtungen eingereicht hat, bekam er jetzt eine Wetterdienstplakette und eine Urkunde. (nh) HINTERGRUND

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