Im Kükenbruch siedeln sich auf 510 Meter Höhe wieder typische Pflanzen an

Solling-Moore wachsen

Projektvorstellung im Solling-Moor Kükenbruch: Waldökologe Kai Conrad (von links) mit Fred Marten von der Naturschutzabteilung des Landkreises Northeim, Revierförster Ulrich Schlette, Dr. Peter Meyer (NWFVA) und Forstamtsleiter Thomas Reulecke. Foto: Dumnitz

Silberborn. Seit 2008 hat man sich im Forstamt Dassel der Niedersächsischen Landesforsten die Renaturierung einiger Solling-Moore mit auf die Fahnen geschrieben. Seither wurde rund eine Million Euro in die Projekte gesteckt. Ein Jahr nach der Freilegung der 100 Meter breiten und 700 Meter langen früheren Moorfläche Kükenbruch auf 510 Meter Höhe nahe der Landesstraße zwischen Silberborn und Dassel zogen die Experten der Forst eine Zwischenbilanz.

Im Kükenbruch wurden 200 000 Euro fürs Abholzen der Fichtenbestände und das Verfüllen der einst angelegten Entwässerungsgräben mit Späne ausgegeben. Waldökologe Kai Conrad zeigte auf der Fläche, wie sich das Moor entwickelt. Das Areal war zuvor so eingeschätzt worden, dass ein Renaturierungsversuch lohnen könne. Eine wichtige Voraussetzung dafür war die noch vorhandene Moordicke (Torfschicht), die an der Stelle zwischen einem halben Meter und 1,20 Meter liegt. Pro Jahr bilde sich etwa ein Zentimeter Moortorf. Darunter ist dann ein tonig-schluffiger Boden zu finden, hieß es von Philipp Küchler (Göttingen) vom Koordinationszentrum Natur und Umwelt, der seit vier Jahren 30 Solling-Restmoore im Auftrag der Landesforsten untersucht, kartiert und bezüglich der Renaturierbarkeit eingeschätzt hat.

Peter Meyer von der Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (Göttingen) lobte die Wiedervernässung ebenso wie Fred Marten von der Naturschutzabteilung des Landkreises Northeim. Die Renaturierung ist nach Einschätzung der beteiligten Experten nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Natur-, Biotop-, Klima und Artenschutz, sondern dient auch dem Hochwasserschutz durch das Speichern von Trinkwasser in der tellerähnlichen Moorfläche, die die doppele Fläche als Wassereinzugsgebiet habe.

Größte Fläche: Mecklenbruch

Nach Einschätzung von Küchler sind bis zu 30 Prozent der früheren Solling-Moore für die Renaturierung geeignet. Beim Großteil der früheren Nassflächen (das waren einst 1000 Hektar) gebe es wenig Chancen für eine Rettung, weil einst gewollte Trockenlegung und baumwirtschaftliche Nutzung dominiere und die Torfauflage unter 30 Zentimeter sei.

Das größte Moorgebiet im Solling ist das mit Stegen versehene Mecklenbruch mit 63 Hektar Fläche, weitere schützenswerte Moore sind Friedrichshäuser Bruch, Lakenwiesen, Hülsenbruch, Teichwiesen am Neuen Teich, Heidelbeerbruch und das Ahle-Quellmoor.

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