Der Erste Weltkrieg und die Folgen in der Heimat

Sonderausstellung im Museum: Not und Elend trafen alle

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Federführend: Die Historikerin Petra Vintrova aus Kammerborn hat die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg und die Folgen im Uslarer Land ehrenamtlich zusammengestellt. Foto: Schneider

Uslar. Die Steckrübensuppe im Uslarer Museum duftete herrlich und mundete allen Gästen. Gut gewürzt, reichlich bestückt. Doch eigentlich gab es sie bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Stahlgewitter und Steckrübensuppe – die Sollinger im Ersten Welkrieg“ als weniger leckeres Symbol:

Die Suppe stand für den Hunger und das Elend vor 100 Jahren. Ausgelöst durch den Ersten Weltkrieg. Denn Steckrübensuppe gab es seinerzeit fast jeden Tag.

Doch das war nicht die schlimmste Folge. Der Erste Weltkrieg brachte den Tod. Aus den 33 Gemeinden des damaligen Kreises Uslar fielen 867 Männer – bei 20 000 Einwohnern eine erschreckende Zahl, sagte Gerd Kimpel als stellvertretender Bürgermeister bei der Eröffnung im Museumshof vor großer Kulisse.

Blick auf die Region

Kimpel würdigte den Einsatz aller Beteiligten zu der neuen Sonderausstellung, die dem Ruf des Hauses einmal mehr gerecht wird mit großer Detailgenauigkeit, guter Recherche vor Ort und gelungener Inszenierung. Die Sonderausstellungen sind die große Stärken des Museums, weil mit ihnen der Blick auf die Region und ihre Bewohner gelenkt wird, sagte auch Gerd Kimpel.

In den Mittelpunkt der Ausstellung rückt die Familie Elges aus Vernawahlshausen, an der die Folgen des Ersten Weltkriegs für die Menschen im Solling deutlich werden. Drei Söhne zogen ins Feld, einer fiel in Frankreich. 1000 Feldpostenkarten und -briefe zeugen von der damaligen Zeit. Und diese Ausstellung setzt noch einen drauf und bietet bis November zudem sechs Vortagsveranstaltungen und Filmvorführungen zum Thema.

Macherin: Petra Vintrova 

Federführend wurde die Ausstellung von der Historikerin Petra Vintrova (Kammerborn) in zehn Monaten ehrenamtlich vorbereitet und realisiert. Gerd Kimpel lobte zudem die Arbeit von Stadtarchivar Daniel Althaus.

Petra Vintrova selbst stellte die Bestandteile der Ausstellung vor. Sie handeln von der Heimatfront, dem Kriesgalltag im Solling und von den Schicksalen der hiesigen Kriesgsteilnehmer. Es beginnt mit der Kriegserklärung, die die Sollinger Nachrichten in Form eines Sonderblatts an Schwarze Brett nagelten, geht weiter mit dem Gefängnisauffenthalt für einen Landwirt, der Brotgetreide an das Vieh verfüttert hatte und erwischt wurde, und endet mit dem glücklichen Ausgang der Flucht von Heinrich Voß aus Fürstenhagen, der mit einem Kameraden als Ehepaar getarnt und ohne Papiere den Weg von Frankreich nach Hause schaffte.

Wie es vor 100 Jahren losging, schilderten zur Eröffnung der Ausstellung auch Jörg und Brunhild Falkenstein vom Theater Rollwagen in zwei Lesungen aus der Schulchronik Schönhagen über die Mobilmachung und aus dem Tagebuch von Mutter Elges, die den Tod ihres Sohnes Willy kaum verkraftete.

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