Spatenstich für Sohlinger Dorfheizung

+
Spatenstich fürs Nahwärmenetz: Hartmut Ische, Jörg Gebauer (beide von der Genossenschaft), Barbara Illmer und Gunter Brandt (Firma GUT), Bürgermeister Torsten Bauer, Heike Mittelstädt (Genossenschaft), Ronald Hylla (Firma Jacob Schweißtechnik), Ortsbürgermeister Hartmut Filmer, Klaus Götze (Firma Menneke) und Jürgen Römer (Genossenschaft) mit Enkel Moritz. Foto: Schneider

Sohlingen. „Es gibt noch die Chance, günstig miteinzusteigen.“ Das war der erste Satz aus dem Mund der führenden Vertreter der genossenschaftlichen Nahwärmenetzbauer in Sohlingen beim ersten Spatenstich am Mittwochvormittag für das langersehnte Projekt.

Die Freude, dass es endlich losgeht mit der Dorfheizung, könnte noch größer werden, wenn sich noch mehr Sohlinger beteiligen. Bis zu 70 Hausanschlüsse sind möglich. 50 waren es zuletzt.

Beim symbolischen ersten Spatenstich mit Uslars Bürgermeister Torsten Bauer ging es aber schon in erster Linie um das Startsignal. Jahrelang kämpften die Sohlinger für dieses Projekt, mussten aber einige Hürden überwinden. Denn bei den Verhandlungen über die Finanzierung fehlte ihnen ganz einfach eine Biogas-Anlage in der Hinterhand wie zum Beispiel in Verliehausen.

In Sohlingen gibt es ja bereits zwei derlei Anlagen, die aber nicht von der Genosseschaft, sondern von den Landwirts-Unternehmen Krämer und Gebauer geführt werden. Die Anlagen produzieren nicht nur Strom, sondern auch Abwärme. Den Strom verkaufen Krämer und Gebauer an die Anbieter, die Abwärme versorgt künftig die bereitwilligen Sohlinger Abnehmer.

Beide Biogasanlagen erzeugen seit 2010 bzw. 2011 etwa vier Millionen Kilowattstunden Strom, ausreichend für mehr als 850 Haushalte. Künftig werden zusätzlich jedes Jahr 3,5 Mio. Kilowattstunden Wärme in das Sohlinger Netz eingespeist.

Die Genossenschaft rechnet vor, dass durch die umweltfreundliche Biogaswärme pro Jahr 170 000 Liter Heizöl eingespart werden und damit 450 000 Kilo Kohlendioxid.

Die Genossenschaft wirbt bei ihrem Projekt auch für die Sache mit dem Gemeinschaftsgedanken Dorfheizung. Mit der Nahwärme mache man sich unabhängig von der Kostenspirale des Heizöls. In Sohlingen würden die Heizkosten transparenter und eine Kostenprognose für die Zukunft weitaus sicherer.

Vorteil des Nahwärmenetzes, dessen Bau bis Frühjahr 2015 geplant ist, seien die deutlich geringeren Investitionskosten gegenüber einer herkömmlichen Ölheizung sowie entfallende Wartungskosten. Die Investition beim Nahwärmenetz beträgt für den Hauseigentümer zwischen 1500 und 3500 Euro. Die Investition in Leitungen und Hausanschluss trägt die Genossenschaft.

Die Einsparungen bei den Verbrauchskosten liegen gegenüber einer Ölheizung bei etwa 20 bis 30 Prozent. Grund: Es müsse nur der Verbrauch und kein Wärmeverlust bezahlt werden.

Zur Investition für die Hausumstellung kommt noch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft, die mit 5000 Euro an Genossenschaftsanteilen zu Buche schlägt. Das sei aber eine langfristige Kapitalanlage, die auch eine Dividende abwerfen könne. Mitglied kann man jederzeit werden, auch der, der sich nicht mit einem Hausanschluss beteiligen wolle, könne der Genossenschaft beitreten. (fsd)

Aufträge an regionale Firmen

Die Bioenergiedorf Sohlingen eG ist stolz, so verkündete sie am Mittwoch beim ersten Spatenstich für das Nahwärmenetz, dass die Aufträge an regionale Firmen erteilt wurden.

Die Firma Menneke aus Uslar übernimmt den Tiefbau, die Firma Jakob Schweißtechnik aus Iber die Wärmeleitungen. Sie werden die Arbeiten als Arbeitsgemeinschaft übernehmen, hieß es.

Für Planung und Bauleitung ist das Ingenieurbüro GUT aus Einbeck und Kassel verantwortlich, das auch schon die Machbarkeitsstudie für das Projekt erstellt hat. Der Bau des Nahwärmenetz kostet 1,4 Millionen Euro. Das Leitungsnetz ist 3,5 Kilometer lang.

Während der Bauarbeiten erneuern die Stadtwerke Uslar teilweise die alten Wasserleitungen und einige Hausanschlüsse. (fsd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.