St.-Johannis-Kirche Uslar wird für 760000 Euro bis Ende Oktober saniert

Kunstschatz: 26 kleine Fenster im großen zentralen Fenster im Chor der St.-Johannis-Kirche sind fast 600 Jahre alt und müssen jetzt dringend renoviert werden. Fotos: Schneider

Uslar. In der Kernstadt Uslar wird gerade eine zweite Großbaustelle aufgemacht. Neben der Bundesstraßensanierung vom Kreisel bis Ortsausgang nach Sohlingen wird das größte Gotteshaus im Uslarer Land eingerüstet: Die St.-Johannis-Kirche wird bis Ende Oktober saniert.

Die Arbeiten stehen schon seit vielen Jahren auf der Prioritätenliste der Landeskirche, sagte der zuständige Architekt Frank Wagner vom Amt für Bau- und Kunstpflege Göttingen der Landeskirche Hannover. Die Gesamtkosten für die Kirchensanierung bezifferte er auf 760 000 Euro.

Was muss an der St.-Johannis-Kirche gemacht werden?

Die Arbeiten konzentrieren sich auf den Chor der Kirche, das ist der Teil, in dem sich der Altar befindet. Architekt Wagner berichtet, dass es drei Hauptmaßnahmen gibt. Weithin sichtbar ist das große Gerüst rund um den Chor: Die Fassade wird komplett saniert, das heißt es, werden Steine ausgetauscht und die Fugen erneuert. Außerdem sind die Kirchenfenster im Chor zu sanieren. Dabei werden alle fünf Fenster ausgebaut und restauriert. Die Fenstersanierung unterteilt sich nochmals in normale Fenster und ganz besondere Fenster.

Was ist die Besonderheit bei den Fenstern?

26 kleine Fenster aus dem zentralen Hauptfenster gelten als großer Kunstschatz. Sie sind fast 600 Jahre alt, berichtet Architekt Frank Wagner und nennt die Baujahre 1430 und 1470. Zuletzt hat die Kunstexpertin Elena Kozina nach Wagners Angaben auf den Renovierungsbedarf hingewiesen. Letztendlich war die Bedeutung der Fenster ausschlaggebend dafür, dass die Chor-Sanierung jetzt in die Tat umgesetzt wird, sagte der Architekt.

Was passiert mit dem Kunstschatz?

Die 26 kleinen Fenster, hauptsächlich sind auf ihnen Heilige abgebildet, werden wie alle anderen auch restauriert. Um sie kümmert sich allerdings eine Expertin: Die Diplom-Restauratorin Kathrin Rahfoth aus Erfurt. Sie wird die Fenster ab Montag persönlich ausbauen. Nach ihrer Behandlung werden die Kunstwerke künftig ein Stück nach innen versetzt, damit außen eine Schutzverglasung angebracht werden kann.

Warum muss die Chor-Fassade saniert werden?

An ihr nagt der Zahn der Zeit, sagt Architekt Frank Wagner. So sind kaputte Natursteine auszutauschen und Verkrustungen zu entfernen. Außerdem sind die Fugen zu erneuern, vor allem die aus Zement. Sie müssen entfernt werden und durch solchen Mörtel ersetzt werden, wie er ursprünglich an der St.-Johannis-Kirche verwendet wurde. Zudem sind die Kreuzblumen auf den Pfeilern des Chors zu sanieren und zum Teil zu ersetzen. Das sind die Naturstein-Ornamente obenauf.

Was passiert noch in der Kirche?

Die Sanierung findet bei laufendem Betrieb statt. Das heißt: Der Sanierungsbereich im Inneren wird so hergerichtet, dass weiterhin Gottesdienste stattfinden können. Die Abschirmung ist dabei schon eine Herausforderung: Die Fenster allein sind 14 Meter hoch. In der Kirche und außen sind seit September elf Messstellen eingerichtet worden. Es geht um klimatische Messungen und darum, wie die Fenster und der Altar künftig besser geschützt werden, damit sie lange halten.

Wie bewertet der Architekt die Baumaßnahme?

Frank Wagner spricht von einem tollen Projekt. Von der Bedeutung und Größenordnung her erlebe er das in zehn Jahren höchstens drei Mal. In Uslar sei neben der Bedeutung des Erhalts der Mittelalter--Fenster schon der Aufbau der Baustelle eine logistische Herausforderung.

Die Kosten und die Geldgeber

658 000 Euro der 760 000 Euro Gesamtkosten für die Chor-Sanierung der St.-Johannis-Kirche in Uslar übernimmt die Landeskirche. Damit werden Gerüstbau, Außenarbeiten an der Fassade und die Instandsetzung der vier normalen Chorfenster bezahlt.

Für die mittelalterlichen Fenster, den Uslarer Kunstschatz, sind etwa 100000 Euro veranschlagt. Dafür gibt es folgende Geldgeber: 30 000 Euro gibt das Kunstreferat der Landeskirche, 38 000 Euro das Landesamt für Denkmalpflege, 22 000 Euro die Uslarer St.-Johannis-Gemeinde, 12 000 Euro der Kirchenkreis Leine-Solling. Diese Finanzierung war laut Architekt Wagner mit einigen Anstrengungen verbunden. (fsd)

Von Frank Schneider

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