Bürgermeister beruft sich auf Feiertagsgesetz

Stadt beendet Tradition: Keine Osterverlosung in Eisdiele

Dürfte Geschichte sein: 18 Jahre lang begeisterte lockte die Verlosung von Riesen-Schokoladen-Ostereiern je nach Wetter am Freitag vor Ostern zwischen 500 und 800 Leute an, die vor dem Eiscafé von Tomaso Lorenzon (links) die mittlerweile schon traditionelle Aktion verfolgten. Archivfoto: Dumnitz

Uslar. Durch ein Schreiben der Stadt Uslar wird die Tradition der Osterverlosung am Freitag vor dem Fest in der Uslarer Eisdiele jäh beendet.

Im Auftrag von Bürgermeister Torsten Bauer wurde dem Eisdielen-Besitzer Tomaso Lorenzon mitgeteilt, dass die Osterverlosung am Karfreitag, die es schon 18 Jahre gibt und immer mehrere 100 Besucher in die Stadt lockte, nicht mehr erlaubt werde.

Dass damit jetzt Schluss sein soll, bedauert Lorenzon, der nach eigenen Angaben jedesmal rund 1500 Euro für die Sonderaktion zur Belebung der Innenstadt investiert hat und an der Aktion insgesamt keinen Cent verdiene.

Der Termin war etabliert

Im Übrigen finden derartige Verlosungen am gleichen Tag bei etlichen seiner Berufskollegen in ganz Deutschland statt, sagt Lorenzon. Die Verlosung auf einen anderen Tag zu verlegen, sei nicht sinnvoll, weil das Osterfest in den Familien verplant sei und sich der Termin am Karfreitag etabliert hatte.

Lorenzon berichtet, dass er selbst Katholik und bestens mit dem Karfreitag vertraut ist. Die Osterverlosung sei aber niemals ein Tanzvergnügen gewesen. Seit 18 Jahren hat Lorenzon in den Wochen vor Ostern 5000 Lose verteilt. Karfreitag ab 17 Uhr wurden dann Riesen-Schokoladen-Eier und weitere Preise verlost. Das lockte je nach Wetter zwischen 500 und 800 Interessierte auf die Lange Straße. Lorenzon überlegt nun anstelle der Osterverlosung eine ähnliche Aktion in diesem Jahr. Gedacht ist daran, ein Kinderfahrrad zu verlosen.

Das sagt der Bürgermeister

Uslars Bürgermeister Torsten Bauer beruft sich auf die Auflage des niedersächsischen Feiertagsgesetzes, wonach Karfreitag ein stiller Feiertag sei, an dem solche Vergnügungsveranstaltungen wie die Osterverlosung untersagt seien.

Bauer fügte auf Anfrage hinzu, dass dieser Feiertag „aus unserer Kultur heraus auch beachtet werden sollte“ und verweist auf Ausweichtermine wie Gründonnerstag und Ostersamstag. Warum die Stadt erst jetzt das Verbot ausspreche, rechtfertigt der Bürgermeister damit, dass er auf die Problematik erst jüngst hingewiesen worden sei und solchen Hinweisen nachgehen müsse.

Grundsätzlich würdigt Bauer die Osterverlosung an sich als „Bereicherung unseres Wirtschaftslebens“. Daher wolle er auch noch das Gespräch mit Tomaso Lorenzon suchen, ob er sich nicht Alternativtermine vorstellen könne. Bauer: „Es wäre schade, wenn die Verlosung nicht stattfindet.“ Man solle die Angelegenheit nicht auf Karfreitag oder gar nicht zuspitzen, sagte der Bürgermeister.

Ausgangspunkt für die Absage dürften auch die Querelen um die Knobelveranstaltungen der Sonntagsknobler in Volpriehausen sein, die in den vergangenen Jahren an Karfreitag stattgefunden haben. Dagegen war vor allem der Volpriehäuser Berthold Hieber als Katholik angegangen. (jde/fsd)

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