Das Rote Kreuz im Solling: Ab 1914 wurden im Lazarett Kriegsverwundete behandelt

Ein Stück Barmherzigkeit

Hilfe für Verwundete: Im Jahr 1914 wurde in Uslar vom Roten Kreuz ein Lazarett eröffnet und die ersten 75 Verwundeten behandelt. Das Bild zeigt Krankenpflegerinnen mit Patienten. Fotos: Museum Uslar/nh

uslar. Auf Initiative des Landrats Dr. Dilthey gründete sich in Uslar am 16. August 1914 ein Zweigverein des Roten Kreuzes. Schon im ersten Jahr zählte der Verein 1147 ordentliche Mitglieder. Als erste Maßnahme bot der Verein „Samariterkurse für Damen“ an.

Etwa 70 freiwillige Helferinnen lernten in Uslar unter ärztlicher Anleitung in einem 12-stündigen Kurs die Grundlagen der Kranken- und Verwundetenpflege. In Volpriehausen, Bodenfelde, Lauenförde und Uslar gründeten sich zusätzlich freiwillige Sanitätskolonnen. Aus Bodenfelde ist bekannt, dass diese zunächst aus 17 aktiven Mitgliedern bestand. Sie musste allerdings schon 1915 wieder aufgelöst werden, weil inzwischen fast alle Freiwilligen zum Heeresdienst eingezogen waren.

Der nächste wichtige Schritt war die Einrichtung von Vereinslazaretten in den oben genannten Orten. In Uslar diente die Landwirtschaftliche Winterschule in der Bahnhofsstraße als Lazarett. Unter der Leitung von Dr. med. Kuhlemann behandelte man dort schon im Jahr 1914 die ersten 75 Verwundeten, von denen 62 als geheilt entlassen werden konnten.

Die ersten Verwundeten

Zunächst betrieb der Verein das Lazarett auf eigene Kosten, ab 1915 zahlte der Staat einen Tagessatz von 2,75 Mark für jeden Patienten. Trotzdem war das Lazarett auf zahlreiche Spenden von Nahrungsmitteln aus der Bevölkerung angewiesen (siehe Kasten).

Im Verlauf des Krieges wurden die Nahrungsmittel immer knapper, so dass auch die Spenden von Naturalien zurückgingen. Trotzdem teilte das Rote Kreuz 1916 „etwa 1000 Mahlzeiten an Wöchnerinnen, elende Kinder und kranke Frauen“ aus.

Ein weiteres Betätigungsfeld des Vereins lag in der Einrichtung von Kinderhorten. Die Frauen mussten die Arbeit der Männer in der Landwirtschaft und Industrie mit übernehmen. Das Rote Kreuz unterstützte sie, indem es für die Betreuung der Kinder sorgte. Ab 1915 kamen auch „erholungsbedürftige Marinekinder“ in den Solling.

Erholung für Kinder

Unter der Leitung von Frau Kommerzienrat Löwenherz aus Lauenförde, erhielten die Kinder eine Sol-Badekur in Karlshafen. Außerdem bezuschusste der Verein den Abschluss von Kriegsversicherungen, die den Hinterbliebenen der Gefallenen einen Geldbetrag auszahlte und sammelte schon im Krieg Geld, um die Invaliden im Frieden unterstützen zu können.

Das Einsammeln und die Verschickung der sogenannten Liebesgaben lag ebenfalls in den Händen der Vereinsmitglieder. Um die Pakete für die Soldaten füllen zu können, kaufte das Rote Kreuz Wolle auf, die dann von Frauen gegen ein kleines Entgeld verstrickt wurde. Man zahlte ihnen 90 Pfennig für ein Paar Strümpfe und gab armen Frauen so die Gelegenheit, sich ein wenig Geld dazu zu verdienen.

Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr. Kontakt: touristik@uslar.de

Von Daniel Althaus

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