Forstamt Neuhaus lässt einen Teil der umgestürzten Bäume als Totholz liegen

Sturmholz bleibt im Wald

Neuer Lebensraum: Sturm „Niklas“ hat im Solling eine mächtige alte Buche entwurzelt. Revierförster Lüder Bendig lässt diesen und andere Laubbäume aus ökologischen Gründen ungenutzt im Wald liegen. Foto: Bendig/Landesforsten/nh

Neuhaus. Einen Teil der Bäume, die Sturm „Niklas“ Anfang April umgeworfen hat, will das Niedersächsische Forstamt Neuhaus im Wald liegen lassen. Die entwurzelten oder gebrochenen Stämme der Laubbäume sollen als so genanntes Totholz vor Ort liegen bleiben.

Holz von Eichen, Buchen, Ahornen oder Eschen werde nicht vermarktet, sondern diene dem Natur- und Artenschutz, erklärt Forstamtsleiter Walter Hennecke die Entscheidung. Die Stämme der Nadelbäume will der Leiter des Forstamtes Neuhaus dagegen zügig als Nutzholz verkaufen, um so eine Borkenkäfervermehrung zu verhindern.

Totholz ist Lebensraum

Laubbäume verrotten im Wald erst nach mehreren Jahren. Als liegendes Totholz bieten sie Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Ziel der Niedersächsischen Landesforsten ist es, den Anteil von Totholz in den Wäldern zu erhöhen.

So sieht es die langfristige ökologische Waldentwicklung – das LÖWE-Programm – vor. Der Erhalt von liegendem Totholz ist einer von 13 Grundsätzen, nach denen Forstleute den Landeswald bewirtschaften.

Sturm „Niklas“ hatte im Solling stärkere Schäden hinterlassen als in anderen Waldgebieten. Noch immer dauern die Aufräumarbeiten an. Den orkanartigen Windböen sind überwiegend Fichten zum Opfer gefallen. Sie sind die künftigen Brutstätten für Borkenkäfer. „Wir arbeiten vorrangig Fichtenbäume auf, weil bei warmem Wetter die Borkenkäfer jetzt überall fliegen“, sagt Walter Hennecke.

Die vereinzelt umgeworfenen Laubbäume stellen dagegen aus Sicht der Forstleute kein Risiko dar. Hennecke: „Von dem Totholz der Laubbäume profitieren rund 4500 Arten.“ Auch Brennholzkunden dürfen diese Baumstämme nicht zu Kaminholz verarbeiten. Das Forstamt stellt Brennholz an den Waldwegen zur weiteren Aufarbeitung und Verkauf bereit.

Während der Brut- und Setzzeit will das Forstamt in alten Laubwäldern die Holzernte ruhen lassen, um Vögel während der Brut nicht zu stören und die Aufzucht von Wildkatzen oder Fledermäusen nicht zu beeinträchtigen. (nh/shx)

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