Thema Dorfladen in Schoningen lockte kaum Leute an

Seit August geschlossen: Die Kaufecke war das einzige Lebensmittelgeschäft in Schoningen. Archivfoto:  Schmidt-Hagemeyer

Schoningen. Um kurz vor 21 Uhr waren der Ortsrat Schoningen und seine 15 Zuhörer an dem Punkt angelangt, wo sich Diskussionen fortan im Kreis drehen. Auf die Frage „Wie geht es weiter ohne Dorfladen?", die auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung in der SC-Gaststätte stand, gab es keine eindeutige Antwort. Vielmehr ein allgemeines Schulterzucken.

Auslöser für die Beratung im Ortsrat war, dass die Kaufecke in Schoningen im August ihre Pforten schloss. Damit hat Schoningen keinen Einkaufsladen mehr. Der Ortsrat hatte sich nun eingeschaltet, um die Lage zu erkunden. Doch schon die geringe Resonanz von 15 Zuhörern war eine deutliche Botschaft. Ortsbürgermeisterin Ute Leßner-Schminke gestand zum Ende der Diskussion leicht frustriert: „Ich dachte, der Laden ist ein Thema.“

Kein eigenes Gehalt

Na klar wäre es schön, wenn sich in Schoningen ein Lebensmittelgeschäft hielte. So denken alle. Doch wirtschaftlich gesehen wird das äußerst schwierig, wie die Ortsbürgermeisterin erläuterte: Die Inhaberin der Kaufecke habe zuletzt so gut wie kein eigenes Gehalt erwirtschaftet und sogar staatliche Unterstützung erhalten. Sie arbeite jetzt bei Aldi und verdiene mit der Halbtagsstelle mehr als in der Kaufecke, verkündete die Ortsbürgermeisterin. Hauptgrund für die schlechten Geschäfte der Kaufecke: Es gab immer weniger Kundschaft. Die besten Kunden waren betagt und sind nach und nach gestorben, hieß es.

Dennoch gab es am Mittwochabend in der Ortsratsrunde mit Bürger-Diskussion mehrere Stimmen, die sich für einen Einkaufsladen im Ort stark machten. Er stelle nicht nur die Nahversorgung vor allem für ältere Einwohner sicher, er sei auch ein Ort der Kommunikation, habe eine soziale Funktion. Ortsratsmitglied Jörg Grabowsky schlug mehrere Alternativen vor, bevor ein Stück Dorfkultur und Infrastruktur verloren geht: • Man organisiert Sammelbestellungen für den Einkauf in Uslar. • Der Ort wird durch Verkaufswagen versorgt, so genannten rollende Supermärkte. • Man entscheidet sich für einen Dorfladen und suche dafür einen Träger. Die Rede war von Kirchen, der Aktion Menschen (früher Aktion Sorgenkind) und genossenschaftlichen Organisationen.

Grabowsky, der nicht nur im Ortsrat sitzt, sondern auch Vorsitzender des SC Schoningen ist, berichtete, dass der SC über eine solche Trägerschaft nachgedacht habe, es aber für den Verein nicht in Frage komme. Er warb dafür, sich mit der Situation nicht zufrieden zu geben, sondern Bewegung ins Spiel zu bringen. Letztendlich konzentriere sich alles auf die Frage, ob Schoningen für solch ein Projekt bereit sei, sagte Ortsratsmitglied Wilfried Fischer.

Ehrenamt schon strapaziert

Doch die Zurückhaltung an diesem Abend war spürbar: Ein Laden auf dem Dorf rechnet sich nicht mehr. Zudem sei in Schoningen das ehrenamtliche Potenzial enorm beansprucht, gab Heiner Müller-Wennehorst zu bedenken. Tenor war zum Schluss, dass die Schoninger noch eine Chance erhalten sollen: Gedacht ist an einen Infoabend allein zum Thema Einkaufsladen. An der Resonanz könne man dann erkennen, ob das Thema interessiert oder nicht.

Von Frank Schneider

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