Mondphasenfällung im Solling

30 Douglasien fürs Traumhaus in Gierswalde

Solling-Douglasie für den Hausbau: Am Steinberg oberhalb von Vahle wurden am Mittwoch gut 90 Jahre alte Douglasien in der abnehmenden Mondphase gefällt. Den ersten von 30 Bäumen legten Hartmut Warnecke (von links), Rolf Engelke und Meyk Reinhardt um.
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Solling-Douglasie für den Hausbau: Am Steinberg oberhalb von Vahle wurden am Mittwoch gut 90 Jahre alte Douglasien in der abnehmenden Mondphase gefällt. Den ersten von 30 Bäumen legten Hartmut Warnecke (von links), Rolf Engelke und Meyk Reinhardt um.

Die stattlichen Bäume für das künftige Zuhause von Alexander Kühn und Jessica Wiegand wurden am Mittwoch bei abnehmendem Mond im Solling gefällt. So sollen die Douglasien standhafter sein.

Viel Eigenleistung plant der 27-jährige Alexander Kühn (Volpriehausen) beim Bau seines Blockbohlenhauses im Rehbachtal in Gierswalde. Am Mittwochvormittag war er beim Fällen der ersten von rund 30 Douglasien am Steinberg oberhalb von Vahle dabei. Da wurden exakt nach dem Kalender in der abnehmenden Mondscheinphase die rund 90 Jahre alten Bäume im Revier von Förster Peter Martensen abgesägt.

Das so geerntete Holz enthält mehr gebundenes Wasser im Stamm, sagt Kühn, der gelernter Mechatroniker ist und als Techniker bei einer Northeimer Firma arbeitet. Mit seinem Vater habe er 2017 ein Blockhausseminar besucht und auch Fachbücher über das Bauen mit Holz gelesen. Seine Freundin Jessica Wiegand (21/Schlarpe) hat gerade ihr Bauingenieursstudium (Bachelor) abgeschlossen und das gemeinsame Haus seit gut einem Jahr geplant. Auch aus ökologischer Sicht sei es gut, dass das Bauholz im Solling geerntet wurde, nur wenige Kilometer vom Bauplatz entfernt. Bei dem rund 170 Quadratmeter und anderthalbgeschossigen Wohnhaus des Paares soll viel Holz verarbeitet werden. Unterstützt werden beide vom Blockhausbauer Markus Merkle aus dem Schwarzwald.

Im Mai sollen die Stämme an der Baustelle angeliefert werden. Dann will Kühn sie mit einem eigens gekauften mobilen Sägewerk selbst zusägen und daraus ein Blockbohlenhaus bauen. Im Winter gesägtes Mondphasenholz habe einen minimal größeren Schwund und erlange eine höhere Dichte. Das Holz werde sich nur wenig verformen und sei zudem unempfindlicher gegen Fäulnis und standhafter, ist sich Kühn sicher. Vor allem in Süddeutschland schwöre man seit Jahrzehnten auf die guten Eigenschaften des Mondphasenholzes und besonders auf die harzhaltige Douglasie, die ein nachwachsender Rohstoff aus der Region sei. Als weitere Vorteile nennt Kühn einen besseren Brandschutz und geringere Anfälligkeit durch Insektenbefall. Er und seine Freundin berufen sich auf weltweite historische Erfahrungen und neuzeitliche Studien über die guten Eigenschaften von Mondphasenholz. Im Haus des Paares sollen zudem eine Holzfaserdämmung und Lehmplatten verbaut werden.

„Mindestens drei Förstergeneration haben in diesen Beständen gearbeitet, die gerade im besten Alter sind, wo das Holz optimale Verwendung findet“, freut sich Revierförster Martensen. Ein komplettes Haus aus Sollingbäumen entstehen zu sehen, sei ein Höhepunkt in seiner Dienstzeit. An der Stelle, wo die Douglasien gefällt werden, wachsen bereits neue Bäume nach und schließen die Lücken, ist sich Martensen sicher.

Douglasien haben sich laut Dr. Johannes Wobst, Betriebsdezernent des Forstamtes Dassel, als standhaft gegenüber Wind- und Wetterextremen erwiesen. Die Art sei auch weniger anfällig gegen Borkenkäfer. Das mache die Douglasien zu einer interessanten Baumart für den heimischen Wald.

Was früher weit verbreitet war, kommt nach Einschätzung von Wobst wieder in Mode: das Bauen mit Holz und somit die Verwendung von Rohstoffen aus der Region.

So wie Kühn und Wiegand achten Bauherren demnach wieder mehr auf Kriterien wie Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit. Das Holzhaus mit Douglasien aus dem Solling sei dafür ein gutes Beispiel.

Das Absägen der stattlichen Bäume war am Mittwoch ein kleines Spektakel für einige Medienvertreter. Die Forstwirte Rolf Engelke, Meyk Reinhardt und Forstwirtschaftsmeister Hartmut Warnecke sorgten für die richtigen Schnitte, damit die rund 35 Meter hohen Stämme richtig fielen. Nach dem Abästen werden die Douglasien gekürzt und noch zwei Monate im Wald gelagert, bevor die rund 120 Festmeter Stammholz dann nach Gierswalde transportiert und frisch weiterverarbeitet werden. Ende dieses Jahres soll Richtfest sein, hieß es im Wald vom ehrgeizigen Bauherrn Alexander Kühn.

Gute Wuchsbedingungen im Solling: Douglasien verwurzeln sich intensiver und tiefer als heimischen Fichten. Im Bild setzt Forstwirt Rolf Engelke den Herzschnitt von der bereits eingekerbten Baumseite an.
Schnell wachsende Nadelbäume mit grober Rinde: Erstmals wurden Douglasien vor 150 Jahren in Deutschland angepflanzt, im Solling wachsen sie noch nicht so lange.
Alexander Kühn plant ein Bohlenblockhaus in Gierswalde.
Jessica Wiegand, Freundin von Alexander Kühn, der in Gierswalde ein Blockhaus aus Holz aus dem Solling baut.

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