700-Jahr-Feier: Kühe gibt es in Schlarpe schon gar nicht mehr

Volles Haus: Zur Präsentation der Tonbildschau „Schaffendes Schlarpe“ aus dem Jahr 1966 kamen über 90 Besucher in das Dorfgemeinschaftshaus. Foto: nh

Schlarpe. Mit der Tonbildschau „Schaffendes Schlarpe“ starteten die Feierlichkeiten 700 Jahre Schlarpe. Und das Interesse war groß: Heimatvereins-Vorsitzender Heinz Kühn freute sich über 90 Besucher.

Er erinnert daran, dass die Tonbildschau im Jahr 1966 entstanden ist. Dietmar Wielert hat sie inzwischen zu einer Video-Show umgestellt. Der damalige Lehrer Hans-Hermann Rehnfahrt hatte mit den Schlarper Schulkindern Handwerker, Landwirte und Kaufleute besucht und sie über ihre Arbeit befragt.

Das wurde damals mit dem Mikrofon aufgenommen. Hinzu kamen stehende Bilder von den Personen in den Werkstätten, Ställen und Geschäften, berichtet Kühn über das damalige Verfahren.

Zu Besuch beim Tischler

So besuchten die damaligen Schüler und Lehrer Rehnfahrt den Tischler bei der Arbeit mit der Hobelmaschine und bei der Reparatur von Stühlen, den Malermeister beim Streichen von Türen, Tapezieren und beim Mischen der Farben.

Die Landwirte befragten sie während des Melkens über die Milchmenge der Kühe pro Tag, über deren Namen und ob der Landwirt die Kühe auch alle mit Namen kennt.

Bei den Kaufleuten befragten sie die Kunden, ob sie mit dem Angebot der Geschäfte zu frieden sind. Die Antwort lautete ja. Außerdem bewunderten sie die Ausgabe der Frischmilch noch aus einer Milchkanne mittels einer Pumpe. Heinz Kühn: „Damals konnte man noch lose Milch beim Kaufmann kaufen.“

Zum Abschluss besuchten Rehnfahrt und seine „Reporter“ Bürgermeister Wolfgang Hartmann und befragten ihn über seine Verwaltungsarbeit. Sie wollten wissen, welche Unterlagen erforderlich sind zur Beantragung eines Personalausweises. Außerdem fragten die Kinder nach der Bekanntgabe wichtiger Informationen an die Bürger. Das übernahm seinerzeit noch der Ausläuter mit der großen Gemeindeglocke. Eine Bekanntgabe über die Zeitung oder einen Aushang im Kasten war noch nicht üblich.

Zum Abschluss nannte Heinz Kühn als Ortsheimatpfleger noch einige Zahlen zum Handwerk und zur Landwirtschaft von damals. Die Veränderungen im Dorf zu heute sind an den nackten Zahlen zu erkennen, berichtet Kühn: 1966 gab es in Schlarpe noch zwei Malermeister, zwei Tischler/Stellmacher, einen Schmied, zwei Schuhmachermeister, einen Textilkaufmann, ein Fleisch- und Wurstwarengeschäft, drei Lebensmittelgeschäfte, zwei Bäckereien, einen Bierverleger, einen Sanitärmeister, drei bis vier Hausschlachter, zwei Gasthäuser und eine Schule.

Heute gibt es noch einen Schornsteinfegermeister, einen Schlachtbetrieb mit Wildhandel und Hofladen, einen Forstwirtschaftsbetrieb und das Dorfgemeinschaftshaus. (fsd)

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