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Luchsforscher fand Tier aus dem Solling in Thüringen wieder

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Von: Bernd Schünemann

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Ein Luchs aus dem Solling lebt jetzt in Thüringen.

Ilmenau/Solling – Einen „alten Bekannten“ hat Luchsexperte Dr. Markus Port am Rennsteig wiedergetroffen. Auch in Thüringen wird mit Wildkameras nach den seltenen Großkatzen gesucht. Zwischen Ilmenau und Neustadt am Rennsteig fotografierte eine Kamera einen Luchs. Als die Bilder ausgewertet wurden, stellte sich heraus, dass es einer der Luchse ist, die im Herbst 2019 mehrfach im Reinhardswald beobachtet worden waren und aus dem Solling stammen.

Der Göttinger Wissenschaftler hatte zuvor die Luchse in Nordhessen untersucht. Nachdem die Tiere gestorben oder verschwunden waren, wurde dieses Forschungsprojekt beendet. Port wechselte zu einem ähnlichen Projekt des BUND in Thüringen. Das Fotofallen-Monitoring hatte dort gerade begonnen, als der erste Luchs zwischen Ilmenau und Neustadt fotografiert wurde, berichtete Port der HNA.

Dass es eines der Tiere aus dem Reinhardswald ist, hatte sich beim Abgleich des Fotos mit Bildern aus dem Reinhardswald ergeben. Luchse können anhand ihrer Fellmuster individuell unterschieden werden. Port hatte die Bilder gemeinsam mit Kollegen des Nationalparks Harz abgeglichen.

„Dieser Luchs hat eine bewegte Geschichte hinter sich“, berichtet der Wissenschaftler. Das Tier war im Frühjahr 2019 im Solling geboren worden. „Danach tauchte es im Herbst 2019 überraschend mit seiner Mutter und den Geschwistertieren im Reinhardswald auf.“ Das Umweltministerium hatte kurz vor Weihnachten 2019 vom ersten Nachwuchs seit 2015 in Nordhessen gesprochen.

Die Mutter der Jungtiere wurde damals ebenfalls anhand von Fotos aus Wildkameras identifiziert. Sie war aber mit ihrem Nachwuchs vom Solling über die Weser in den Reinhardswald gezogen. In seinem Revier hatte ein Förster des Forstamtes Reinhardshagen zwei der vier Jungtiere fotografiert.

Die Luchsbeauftragte Petra Walter, Revierförsterin in Holzhausen, hatte damals Haare der Jungtiere gesammelt. Die wurden im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Naturschutz untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftler im Senckenberg-Institut für Naturschutzgenetik fest, dass unter den vier Jungtieren mindestens zwei Männchen sind.

Die Weser-Querung hatte damals für Erstaunen bei den Wissenschaftlern gesorgt. „Es ist bemerkenswert, dass nicht nur die Luchsin, sondern auch deren damals noch recht kleinen Jungtiere den breiten Fluss überwunden haben“, erklärt Ole Anders, Koordinator des Luchsprojektes im Nationalpark Harz. 2019 wechselte die Familie mehrfach über die Landesgrenze und die Weser. „Im Herbst 2020 verlor sich dann allerdings ihre Spur“, ergänzen Ole Anders und Markus Port. Nur einer der damals bereits selbstständigen Jungluchse streifte noch durch die Region.

Umso größer ist die Freude bei allen Beteiligten, eines der Tiere über ein Jahr später im Thüringer Wald wiederzufinden. „Dass wir so viel über den Luchs und seine Geschichte wissen, verdanken wir der guten Zusammenarbeit zwischen den Naturschutzverwaltungen der Bundesländer, dem Nationalpark Harz, der Universität Göttingen, den Forstdienststellen und den Naturschutzverbänden“, betonte Markus Port. Diese Zusammenarbeit mache die Erforschung der Luchse in Mitteldeutschland überhaupt möglich.

In Nordhessen hofft man weiterhin auf eine dauerhafte Ansiedlung der großen Katzen. (Bernd Schünemann)

Luchsnachwuchs im Reinhardswald: Die Jungtiere wurden dort mehrfach im Herbst 2019 beobachtet. Sie stammen aus dem Solling und waren gewissermaßen im Reinhardswald öfter zu Besuch. Eins der vier Jungen wurde jetzt am Rennsteig in Thüringen beobachtet.
Luchsnachwuchs im Reinhardswald: Die Jungtiere wurden dort mehrfach im Herbst 2019 beobachtet. Sie stammen aus dem Solling und waren gewissermaßen im Reinhardswald öfter zu Besuch. Eins der vier Jungen wurde jetzt am Rennsteig in Thüringen beobachtet. © Christoph Vadersen, Forstamt Reinhardshagen

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