Anruf kam 15 Jahre nach Typisierung: Jens Althaus spendete Stammzellen

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Althaus hilft beim Überleben: Der Delliehäuser half jetzt einer an Leukämie erkrankten Frau mit einer Spende. Geholfen hat er auch Ponyfohlen „Miss Lotta“. Seine Mutter starb drei Tage nach seiner Geburt im Frühjahr. Die Familie nahm das Pony zu sich ins Haus und zog es mit der Flasche groß. Insgesamt gehören 32 Mini-Shettys zum Gestüt Rehbachtal, das die Familie Althaus betreibt.

Delliehausen. 15 Jahre ist es her, als eine Typisierungsaktion der Stefan-Morsch-Stiftung für ein an Leukämie erkranktes Mädchen in Moringen viele Menschen im Landkreis Northeim animierte, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.

Unter ihnen war auch Jens Althaus, 36 Jahre alt, aus Delliehausen. Jetzt wurden seine Stammzellen endlich gebraucht.

Vor vier Jahren bestand für Jens Althaus das erste Mal die Chance, als Stammzellspender in Frage zu kommen. Tatsächlich ging es um eben jene Patientin, der er jetzt tatsächlich seine Zellen spendete. Weil sich damals ein von den Gewebemerkmalen her passenderer Spender fand, war Althaus raus. Die Patientin bekam die Stammzellen von dem anderen Spender, erkrankte aber erneut. Also versuchte es die Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld in Rheinland-Pfalz bei Jens Althaus.

Die älteste Stammzellspenderdatei in Deutschland rief in Delliehausen an und Althaus war klar: „Ich mache das.“ Eine Blutprobe wurde für weitere Tests sofort nach Birkenfeld geschickt. Das Blut des Einzelhandelskaufmann und Mini-Shetty-Züchters war in Ordnung, weitere Tests folgten. „Die konnten sogar feststellen, dass ich zwei Wochen zuvor eine Erkältung hatte“, beschreibt er die gründliche Untersuchung.

Viel Zeit für die Aufklärung 

Vier Stunden lang klärten die Experten Althaus auf, welche Folgen die Stammzellspende für ihn selbst haben kann, an seiner Entscheidung änderte das nichts. Dann ging es auch schon los. Weil die Stammzellen über Althaus Blut gewonnen werden sollten, musste er sich vor der Spende vier Tage lang täglich dreimal einen körpereigenen Botenstoff spritzen, zwei Spritzen am Morgen, eine am Abend.

Der Botenstoff löst die Stammzellen aus dem Knochenmark heraus und lässt sie in das Blut übergehen. Für die Spende selbst reiste Althaus wieder 400 Kilometer nach Birkenfeld. Dort wurde er für drei Stunden an eine Art Dialysegerät gehängt, dass die Stammzellen aus seinem Blut herausfilterte und es zurück in seinen Körper führte. „Nach der Spende konnte ich wieder nach Hause fahren“, sagt Althaus, der insgesamt drei Mal nach Birkenfeld fuhr, um Stammzellen und Lymphozyten, Helferzellen, zu spenden. „Das war anstrengend für ihn“, sagt sein Zwillingsbruder Lars, während Jens abwiegelt. Ein bisschen wie Grippe habe es sich angefühlt, mehr nicht.

Spende bleibt zuerst anonym 

Für ihn ist wichtig, dass er der Frau, die 50 Jahre alt ist, geholfen hat. Mehr weiß Althaus über die Patientin noch nicht, denn die Spende ist anonym. Empfänger und Spender dürfen sich erst nach zwei Jahren kennenlernen. Immerhin kann Althaus nach vier Monaten nachfragen, wie es der Frau geht.

Dass er wieder spenden würde, steht für ihn außer Frage. Gedanken darüber machen, muss er sich nicht. Für die nächsten zwei Jahre sind seine Stammzellen, wenn überhaupt, für diese Patientin reserviert. (zyp)

So wird man Spender

Jeder gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 40 Jahren kann Stammzellen spenden. Die Typisierung ist kostenlos.

Weil jede Spendenregistrierung mindestens 50 Euro kostet, nimmt die Stefan-Morsch-Stiftung gerne Geldspenden entgegen. Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter www.stefan-morsch-stiftung.de sowie unter der gebührenfreien Telefon-Nummer 0800-7667724. (zyp)

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