Vortrag von ARD-Korrespondent

Aufruf beim politischen Themenabend in Uslar: „Demokratie stärken“

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Hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Stärkung unserer Demokratie: Der ARD-Korrespondent Arnd Henze (rechts), hier mit Moderator Heinz Behrends.

Uslar. Mit einem Plädoyer für die Stärkung unserer Demokratie ist ARD-Korrespondent Arnd Henze beim politischen Forum der evangelischen-lutherischen St.-Johannis-Kirchengemeinde Uslar aufgetreten.

Henze verband seinen Vortrag in Uslar mit dem Appell an alle, für sie einzutreten: „Demokratie sind wir alle.“

Vor rund 60 Zuhörern sprach und diskutierte der in Einbeck geborene Fernsehmann im Gemeindehaus an der Kreuzstraße über das Thema „Demokratie und Populismus: fragen - reden - streiten - antworten“. Die anschließende Diskussionsrunde moderierte der im Ruhestand befindliche ehemalige Superintendent Heinz Behrends.

Henze sagte, die Demokratie als Staatsform sei seit der letzten Finanzkrise brüchig geworden. Als einen Grund nannte er, dass Menschen den Eindruck hätten, das damit verbundene Wohlstandsversprechen und der damit einhergehende Interessensausgleich seien an ihre Grenzen gestoßen. Dieses Bild sei entstanden, weil die Banken mit Milliarden unterstützt worden seien. „Der Staat hat aber nicht in gleicher Weise bei sozialen Brennpunkten agiert.“

Autoritäre Modelle

Alternative, autoritäre Modelle wie in Russland und China hätten an Attraktivität gewonnen. Dazu komme, dass „wir in Deutschland keine kämpferischen Demokraten sind.“

Angesichts der „Erosion der Akzeptanz derjenigen, die die die Demokratie tragen“, forderte Henze: „Wir müssen beweisen, dass die Lösungskompetenz der Demokratie stärker ist als des autoritären Modells.“ Darunter versteht er aber nicht Volksabstimmungen, denen er eigenen Worten zufolge inzwischen skeptisch gegenübersteht, sondern eine Teilhabe und Handlungsfähigkeit, die in einem festgelegten Zeitrahmen zu Lösungen kommt: schneller und entscheidungsfreudiger. „Auch wenn wir einige Nachteile in Kauf nehmen müssen.“ Ein weiterer Punkt ist für den studierten Theologen und Politologen die Schaffung von Räumen, in denen Menschen ihre Sorgen äußern können, ohne dass jemand den moralischen Anspruch erhebe, das gehe nicht. „Demokratie ist Streit mit dem Ziel einer Lösung“, wiederholte er.

Henze für Erhalt der EU

Henze sprach sich vehement für den Erhalt und die Stärkung der Europäischen Union aus. „Wir haben davon in jeder Beziehung profitiert.“ Wenn sich die Europäische Union auflöse, seien Wohlstand und Frieden gefährdet.

Als Beispiel für einen viel zu langen Prozess in der demokratischen Selbstverwaltung wurde aus der Zuhörerschaft das Problem in Uslar mit der sogenannten „Ampel am Postberg“ benannt.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Gruppe Ephatha aus Dassel.

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