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Ausstellung: Revolution kam nach Uslar

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Aufbruch in die Demokratie: Archivar Stefan Schäfer aus Hann. Münden (von links), Uslars Stadtarchivar Daniel Althaus, Bürgermeister Torsten Bauer und der frühere Museumsleiter Wolfgang Schäfer freuen sich über eine gelungene Ausstellungseröffnung, zu der mehr als 80 Gäste kamen. Foto: Gudrun Porath

Wenn Filme und Geschichtsbücher die Novemberrevolution von 1918 aufgreifen, geht es fast immer nur um das Geschehen in den großen Städten. Doch auch im Uslarer Land tat sich Revolutionäres.

Wie der Aufbruch in die Demokratie vonstatten ging, wer dabei eine Rolle spielte und was die Auswirkungen waren, das zeigt eine neue Ausstellung im Uslarer Museum. Zur Eröffnung mit Einführung ins Thema und musikalischer Begleitung von Marina und Kurt Peschanel hatte die Stadt in die Rathaushalle gebeten, bevor die 80 Gäste zur Ausstellung ins Museum wechselten. Bürgermeister Torsten Bauer wies auf die Aktualität des Themas hin. Demokratie sei kein Schlafwagen, sondern müsse jeden Tag neu erkämpft und verteidigt werden. Das habe die Geschichte der Novemberrevolution und der Weimarer Republik gelehrt.

Kleinbauer kam ins Gefängnis

Dass es überhaupt zum Umbruch kam, lag auch an der schwierigen Ernährungslage der Bevölkerung am Kriegsende, führte Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Daniel Althaus aus. Er schilderte, wie ein Kleinbauer in Verliehausen 14 Tage ins Gefängnis musste, weil er Vieh mit dem Brotgetreide Roggen gefüttert hatte, was streng verboten war. Andere, wie Auguste Elges aus Vernawahlshausen, hielten in Tagebüchern fest, wie sich die Verwandtschaft aus der Stadt einnistete, weil es auf dem Land genug zu essen gab. Leid lösten die vielen Toten aus. So seien aus den damals 33 zum Kreis Uslar gehörenden Gemeinden mit 20 000 Einwohnern allein 800 Männer im Krieg gefallen.

Als am 10. November 1918 Matrosen nach Northeim kamen und mit dem Zug weiter nach Uslar und Bodenfelde fuhren, um die Revolution zu verkünden und Soldatenräte zu wählen, war die Überraschung bei vielen Einwohnern groß, führte Dr. Wolfgang Schäfer aus. Die Zeitungen hatten nur Siege verkündet und die Männer auf Fronturlaub vieles nicht erzählt. Andere Informationsmöglichkeiten gab es für die Bevölkerung kaum. Dennoch kamen im Gasthaus Küchemann schnell 500 von 2 000 Uslarer Einwohnern zusammen, um auch hier die Revolution einzuläuten.

Frauen wurden politisch aktiv

Schäfer schilderte die positiven Veränderungen. Ab November 1918 durften Frauen wählen und sich wählen lassen. Mit Frieda Böttcher gab es schnell eine stellvertretende Vorsitzende der örtlichen SPD und das politische Interesse bei Frauen und Mädchen stieg massiv. Die Arbeitszeitverkürzung auf acht Stunden täglich ermöglichte Freizeitaktivitäten wie Fußball, so dass immer mehr Vereine gegründet wurden.

Die Gegenrevolution ließ nicht lange auf sich warten und wurde durch die hohe Inflation begünstigt. Im Sommer 1923 gingen in Uslar mehr als 1000 Menschen auf die Straße. Es kam zu Plünderungen. Linke wie rechte Demagogen verbreiteten ihre Parolen. Der Antisemitismus wuchs und ab 1923 gab es auch hier die NSDAP. Mit der Ausstellung, so Schäfers Appell, wolle man einen Beitrag leisten, junge Menschen für die demokratische Kultur und den gewaltfreien Austausch zu gewinnen.  zyp

Museum Uslar: Die Ausstellung „Aufbruch in die Demokratie. Revolution zwischen Weser und Leine 1918 bis 1923“ ist bis zum 19. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr, freitags 10 bis 12 Uhr.

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