Präsentation in der Rathaushalle

Autoren legen Buch über Leben und Arbeit im Solling-Wald wieder auf

Uslar. Über Köhler, Aschebrenner, Glasmacher, Förster, Jäger und Wilddiebe, deren Leben und Arbeit im Sollinger Wald berichtet die Neuauflage einer längst vergriffenen Broschüre aus dem Jahr 2000.

„Waldleben“ lautet der Titel des überarbeiteten und erweiterten Werks, das am Sonntag im Uslarer Rathaus vorgestellt wurde.

Den Anstoß zur Herausgabe gab die aktuelle Sonderausstellung „Der wilde Wald“ im Uslarer Museum. Entstanden ist ein umfangreicher Band über Waldnutzung, Wilderei und Jagd sowie den Tourismus im Solling. Zusammengestellt haben Bilder und Texte Daniel Althaus, Gerhard Brodhage, Sascha Kirchhoff und Wolfgang Schäfer. Ein Großteil der vielen Fotos stammt aus der Sammlung des langjährigen Forstbeamten Horst Weinreis.

Großes Interesse

Er hoffe, das Buch werde viel Verbreitung finden, sagte Bürgermeister Torsten Bauer vor den Zuhören im fast komplett besetzten Rathaussaal und dankte allen Beteiligten. Früher hätten sich die Menschen gut im Wald ausgekannt, denn sie hätten intensiv dessen Ressourcen genutzt. Im Mittelalter verbrauchte die wachsende Bevölkerung viel Holz zum Heizen und Bauen, der Adel bemächtigte sich der knapper werdenden Ressource. Im Solling blieb den Bewohnern nur ein beschränktes Recht zur Waldnutzung.

Bis ins 19. Jahrhundert seien die Sollinger in den Wald gezogen, um Laub zu harken, sagte Bauer. Sie verwendeten das Laub als Einstreu im Stall, denn das Stroh brauchte man als Viehfutter. Brennholz wurde sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg in großen Mengen gesammelt – auch mehr als erlaubt. Bauer: „Man kann sogar sagen, dass das Klauen von Brennholz im Solling zeitweise eine Art Volkssport mit besonderem Nervenkitzel war.“ Weniger reglementiert sei das Sammeln von Beeren und Pilzen gewesen. „Besonders die Heidelbeeren waren ein Exportschlager vieler Sollingdörfer.“

Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Daniel Althaus blickte in seiner Einführung speziell auf die 222-jährige Geschichte der Forstdynastie der Steinhoffs in Winnefeld und die Entwicklung vom Waldpolizisten zum Waldmanager. Johann Julius Steinhoff, ab 1768 Förster in Winnefeld, kontrollierte vor allem, dass nicht zuviel Vieh in den Wald getrieben wurde und verfolgte Holz- sowie Wilddiebe.

Mit Christian Friedrich Steinhoff, ab 1814 Förster in Winnefeld, habe der Umbau des lichten Eichenwaldes begonnen, berichtete Althaus. Der Grundstein für den Buchen-Hochwaldbetrieb war gelegt. Die erste erfolgreiche Anzucht von Fichten ist aus dem Jahr 1797 durch eine Notiz von Julius Friedrich Steinhoff, ab 1851 in dritter Generation in Winnefeld tätig, bekannt. Nur ganz allmählich habe sich die planvolle Bewirtschaftung der Waldflächen, die angelegt, gepflegt und schließlich abgeerntet werden mussten, entwickelt, so Althaus. (shx)
Das im Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat erschienene Buch „Waldleben“ (155 Seiten) kostet 19,80 Euro und ist im Buchhandel zu haben. www.mitzkat.de

Rubriklistenbild: © Foto: Schmidt-Hagemeyer

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