Im Lockdown ist viel zu tun

Uslarer Badeland geschlossen, aber nicht im Winterschlaf

Die Technik für die Wasseraufbereitung der Riesenrutsche befindet sich auf dem Außengelände des Badelandes, während es für alle anderen Becken für Nicole Thiergart und Rolf Lademann in den Keller geht.
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Die Technik für die Wasseraufbereitung der Riesenrutsche befindet sich auf dem Außengelände des Badelandes, während es für alle anderen Becken für Nicole Thiergart und Rolf Lademann in den Keller geht.

Im Uslarer Badeland ist auch während der Schließung viel zu tun.

Uslar - Still ruht das Wasser in den Becken des Badelandes und kaum ein Laut ist zu hören. Wo sonst viele Menschen die Riesenwasserrutsche, das Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken bevölkern, bleibt es leer. Corona-bedingt ist das Badeland geschlossen. Viel Arbeit gibt es für die Betreiber von der Bürgergenossenschaft dennoch. Ein bis zwei Stunden dauert allein die Inspektionstour, die jeden Morgen ansteht, berichten Betriebsleiterin Nicole Thiergart und Rolf Lademann, die sich die Arbeit mit Sara Krebs und Gert Borchert teilen. Das Team wechselt sich ab, sodass nicht jeder jeden Tag kommen muss.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr letzten Jahres hatte man noch das Wasser abgelassen, um notwendige Reparaturen durchzuführen, berichtet Thiergart. Als die 40 Jahre alte Anlage dann im Juni wieder hochgefahren werden sollte, sei das sehr schwierig gewesen. Beim zweiten Lockdown blieb das Wasser deshalb drin. Das sei auch besser für die Becken, ergänzt Rolf Lademann, abgesehen von den Kosten für Wasser und Abwasser, die sonst fällig geworden wären. Jetzt wird es ähnlich wie im laufenden Betrieb mit Badegästen kontinuierlich aufbereitet und bei einer Temperatur zwischen 17 und 20 Grad gehalten.

Vor ihrem Rundgang kontrollieren Nicole Thiergart und ihre Kollegen das Betriebstagebuch und die Listen, in denen der Wasserstand notiert wird. An den Zahlen könne er schnell erkennen, ob etwas nicht stimmt und zum Beispiel Wasser verloren gehe, sagt Rolf Lademann. Dann geht es in den Keller. Dort wird die Wasseraufbereitung überprüft, nach der Regel- und Messtechnik gesehen, täglich der Steuerkompressor entwässert und einmal wöchentlich alle Wasserleitungen durchgespült, damit sich keine Legionellen bilden können. Weil es für jedes Becken eine eigene Anlage gibt, dauert das seine Zeit und erfordert zudem den Gang nach draußen, wo sich die Technik für das Becken der Riesenrutsche befindet, die zwei mal in der Woche angestellt wird. Auch die Lüftungsanlagen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Sonst sehe es im Bad bald aus wie in einer Tropfsteinhöhle, so Nicole Thiergart.

Nicht nur das. Obwohl jetzt keine Schwimmer ihre Bahnen ziehen und es Winter ist, reicht die Sonneneinstrahlung aus, um das Algenwachstum in Gang zu bringen. Damit es in den Fugen am Beckenrand und auf dem Beckenboden nicht zu grün wird, muss regelmäßig der Beckensauger ran und auch noch nachgeschrubbt werden.

Für Nicole Thiergart, Rolf Lademann und ihre Kollegen ist das kein Problem. Das Badeland, da sind sie sich einig, sei schließlich ein Herzensprojekt.

Alte Technik steigert die Kosten

Seit 2012 wird das Uslarer Badeland Bad durch die Genossenschaft mit Unterstützung eines Fördervereins betrieben. Während der Schließung im Frühjahr vorigen Jahres wurde das Bad komplett stillgelegt und das Wasser abgelassen.

So konnten erforderliche Sanierungsarbeiten an den Beckenfliesen ausgeführt werden. Seit dem 2. November wird das Bad im zweiten Lockdown im Notbetrieb gehalten.

Die Kosten sind dennoch hoch. Im Vollbetrieb muss die Genossenschaft im Winter monatlich rund 8000 Euro für den Strombezug aufbringen, berichtet Badeland-Genossenschaftsvorstand Volker Fuchs.

Im Notbetriebe bleiben noch immer Kosten von fast 6500 Euro, da gerade die stromintensiven Pumpen laufen müssen. Größere Einsparungen gibt es beim Gasverbrauch, da die Wasser- und Raumtemperaturen auf ein Minimum abgesenkt sind.

Fallen beim Vollbetrieb im Winter sonst 7500 Euro monatlich an Kosten an, sind es im Notbetrieb nur noch 2500 Euro. Da die Einsparungen die Einnahmeausfälle nicht decken, ist das Badeland wie viele andere Betriebe auf die Überbrückungshilfe des Bundes angewiesen. Die Mitarbeitenden befinden sich in Kurzarbeit.

Die Stadt Uslar zahlt den monatlichen Defizitausgleich. Stolz sei man darauf, dass das Badeland weiterhin von den Badeland-Paten und der Wirtschaft aus der Region unterstützt werde. Diese Unterstützung gebe dem Vorstand und dem Team der ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden die Zuversicht, dass es demnächst erfolgreich mit dem größten Bürgerprojekt im Uslarer Land weitergehe, so Fuchs. Gudrun Porath

Beckeneinfassung kontrollieren: In den Fugen am Beckenrand und auf dem Boden machen sich schnell grüne Algen breit, wenn durch die großen Fenster die Sonne scheint. Dann muss geschrubbt werden.
Technik-Check im Keller: Auch während des Lockdowns und bei geschlossenem Bad wird die Mess- und Regeltechnik für den Betrieb des Uslarer Badelandes fast täglich geprüft.
Geschlossen, aber nicht stillgelegt: Im Uslarer Badeland an der Schwarzen Erde sind auch trotz Schließung Arbeiten nötig.

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