Selbstversuch

Schlafen in eineinhalb Meter Höhe - eine Nacht im Baumhaushotel

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Eineinhalb Meter über dem Boden: HNA-Redakteur Daniel Zander verbrachte eine Nacht in einem Zelt am Baumhaushotel Solling im Erlebniswald bei Schönhagen. Neben dem Baumzelt hatte er in einer Metallkiste noch Stühle, einen Tisch und etwas Proviant zur Verfügung. Foto: Stefan Brill/nh

Schönhagen. Eines der verrücktesten Hotels Deutschland liegt in der Region. Das Baumhaushotel im Solling verspricht besondere Erfahrungen. Unser Autor hat eine Nacht dort verbracht.

Am Vormittag arbeitet man entspannt im warmen Büro – und am Abend ist man plötzlich mitten im Wald. Allein. Und schläft in einem Zelt, was an nur drei Bäumen gespannt ist.

Aber der Reihe nach. Auf der Suche, das berüchtigte Sommerloch in der Zeitung zu füllen, fiel mir eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur ins Auge. Diese hatte über verrückte Hotels in Deutschland berichtet, und dabei auch über das Baumhaushotel im Solling geschrieben. „Neu sind einige Baumzelte, die in rund eineinhalb Metern Höhe zwischen mehrere Stämme gespannt sind“, hieß es dort. Sofort war klar: Das ist ein Thema für die Zeitung.

Nach einem Anruf bei Geschäftsführer Stefan Brill war mein Schlafplatz für den nächsten Tag auch schon gebucht. Taschenlampe gekauft, Kissen und Bettdecke eingepackt, und nach der Arbeit dann ab in den Wald.

Am Eingang zum Erlebniswald bei Schönhagen wartet schon Stefan Brill. „Willkommen im Wald“, sagt der Geschäftsführer und lacht. Wir verlassen den gut befestigten Weg und gehen tiefer in den Wald. Wir kommen an Baumhäusern vorbei, und mein Blick fällt auf einige Märchenfiguren, die im Wald platziert sind. Dann ist es zu sehen: das grüne Baumzelt, in das ich gleich steigen werde. Brill gibt noch einige Tipps: „Zu den Toiletten ist es ein gutes Stück, was du zu Fuß laufen musst. Und denk immer an die Taschenlampe.“ Und so bin ich, ein Kasseler Stadtkind, allein im Wald.

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Zuerst öffne ich die Metallkiste, die neben dem Zelt steht. Ich muss schließlich meine Neugier befriedigen. Neben etwas Essen und einer Flasche Wasser sind auch zwei Stühle, ein Tisch, und eine Campingleuchte enthalten. Ich baue mir ein kleines Lager unter dem Zelt, und muss zugeben: Das hat was. Pure Natur, raschelndes Laub und eine kontinuierliche kühle Brise. Meine städtischen Stereotypen lege ich langsam aber sicher ad acta.

Es geht ins Zelt

Die Dämmerung setzt ein, es wird dunkler. Zeit, ins Zelt zu gehen. Über eine kleine, grüne Treppe gelange ich zum Eingang. Der ist noch verschlossen, was das Zelt gut vor Fliegen und Krabbeltieren schützt. Ich werfe mein Bettzeug in das Zelt und drücke es mit beiden Händen etwas herunter, schwinge mich herein. Gemütlicher als gedacht.

Grundversorgung: Neben einem Tisch und zwei Stühlen liegt in der Metallkiste auch eine Flasche Wasser, Müsliriegel und sogar eine Akku-Kaffeemaschine. 

Bei Bewegungen schwankt das Zelt kaum, es federt nur leicht, was sehr angenehm ist. An den Seiten gibt es im Zelt Netztaschen – und die brauche ich auch, da durch meine Masse das Zelt auf der rechten Seite etwas eingedrückt ist. Meine Zeitschriften rutschen automatisch zu mir. Aber für Menschen mit einem gewissen Faulheitsgrad kann das durchaus praktisch sein, sparen sie sich doch so unnötige Bewegungen.

Inzwischen ist es Mitternacht. Es regnet kontinuierlich. Die Tropfen fallen erst auf die Blätter, dann auf das Zelt. Es fühlt sich nach Abenteuer an, es fühlt sich gut an. Nun bin ich kurz vorm Einschlafen, als ich in der Ferne plötzlich Geräusche höre. Menschen? Tiere? Ich kann es nicht zuordnen, aber die Geräusche kommen näher. Soll ich mit der Lampe leuchten und draußen nachschauen? Ich traue mich aber nicht, harre mit der Lampe lieber im Zelt aus. Nach einigen Minuten war die „Gefahr“ dann gebannt. Tief Durchatmen. Und endlich einschlafen.

Es war ein Abenteuer, was ich jederzeit wiederholen würde – auch wenn ich froh bin, dass der Mensch irgendwann sesshaft wurde.

Schöner Campen: Mit Tisch, Stuhl und einer Leuchte lässt es sich unter dem Zelt aushalten.

Hintergrund: Das Baumhaushotel Solling

Die Brüder Stefan und Jörg Brill haben zusammen mit Stefan Reimelt das Baumhaushotel Solling 2008 gegründet. Das Hotel liegt im Erlebniswald bei Schönhagen. Zunächst haben die drei Gründer nur Baumhäuser zum Übernachten angeboten. Seit 2016 kamen noch drei Baumzelte hinzu. „Wir haben immer mal wieder von den Baumzelten gehört“, sagt Stefan Brill. „Als sie dann auf den Markt kamen, haben wir zugeschlagen.“ Die Zelte bieten Platz für zwei Personen und sind eineinhalb Meter über dem Boden gespannt. In externen Wagen sind Duschen, Toiletten und ein Frühstücksraum vorhanden. Eine Nacht im Baumzelt ist ab 75 Euro zu buchen. 

Mehr Infos: www.baumzelt-solling.de

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