Sicherheit

Forst verhängt Badeverbot für Delliehäuser Bergsee und erntet Kritik

Badeverbot für Bergsee: Forstamtsleiter Thomas Reulecke (linkes Bild, rechts) und Delliehausens Revierleiter Peter Martensen zeigen am 1. Juli 2021 auf einen Baum, der ins Wasser gefallen ist und für Badegäste eine Gefahr darstelle. Das Bild rechts zeigt eins der Schilder, die von der Forst am Bergsee aufgestellt wurden.
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Badeverbot für Bergsee: Forstamtsleiter Thomas Reulecke (linkes Bild, rechts) und Delliehausens Revierleiter Peter Martensen zeigen auf einen Baum, der ins Wasser gefallen ist und für Badegäste eine Gefahr darstelle. Das Bild rechts zeigt eins der Schilder, die von der Forst am Bergsee aufgestellt wurden.

Das Badeverbot für den Bergsee Delliehausen bringt der Landesforsten viel Kritik ein.

Delliehausen – Die Niedersächischen Landessforsten verhängen ein Badeverbot für den Bergsee in Delliehausen. Das stößt überall auf Kritik. Das Niedersächsische Forstamt Dassel als Eigentümerin des Bergsees hält aber an dem Verbot fest.

Neue Verbotsschilder sind bereits angebracht. Der Bergsee mit seinem umliegenden Baumbestand im Landkreis Northeim genießt den Schutzstatus eines „Flächenhaften Naturdenkmals“, schreiben die Landesforsten und Forstamtsleiter Thomas Reulecke und Delliehausens Revierförster Peter Martensen unterstrichen das vor Ort.

Das Schutzgebiet dürfe nicht verändert und sein Erhaltungszustand nicht verschlechtert werden, verweisen sie auf die Verordnung des Landkreises Northeim. Mehrere Bäume und Teile von Baumkronen seien in den See gebrochen und gefährdeten unter der Wasseroberfläche Badegäste, macht das Forstamt aufmerksam.

Duldet es als Eigentümerin den Badebetrieb, müsste das Forstamt aus Verkehrssicherungsgründen Gefahrenbäume im Uferbereich und unter Wasser regelmäßig entfernen. „Baumkronen zu pflegen oder ganze Bäume zu beseitigen widerspricht allerdings dem Naturschutzziel“, sagt Revierförster Peter Martensen. Weiterhin müsste jährlich der Gewässeruntergrund auf Gefahrenquellen abgesucht und andere gefährdende Bereiche begutachtet werden. Es sei nicht Aufgabe der Landesforsten, am Bergsee eine Badestelle zu unterhalten, unterstreicht Forstamtsleiter Thomas Reulecke.

Der Badebetrieb am Bergsee habe stark zugenommen, seitdem kommunale Freibäder eingeschränkt betrieben oder ganz geschlossen würden. Seine Suche nach einer Lösung, den Bergsee als Badesee freigeben zu können, sei gescheitert, so Reulecke. „Die Stadt Uslar ist nicht bereit, über einen Gestattungsvertrag die Verkehrssicherungspflicht zu übernehmen“, bedauert der Forstamtsleiter.

Thomas Reulecke warnt außerdem vor der Gefahr von Kolibakterien, die in früheren Jahren im Bergsee nachgewiesen wurden und betont: „Beim Bergsee Delliehausen handelt es sich nicht um ein natürliches Gewässer, sondern um ein künstlich entstandenes Stillgewässer.“

Die Wasserqualität des Zechenteiches sei schwankend, die Stadt Uslar habe die Untersuchung der Gewässerqualität schon vor längerer Zeit eingestellt, erinnert Reulecke. Laut Wassergesetz und der aktuellen Rechtsprechung können sich die Landesforsten als Flächeneigentümer auch nicht mit dem Hinweis „Baden auf eigene Gefahr“ von der Verkehrssicherung befreien. „Wird das Baden geduldet, ist der Eigentümer verkehrssicherungspflichtig, auch wenn er sonst keine Einrichtungen für den Badebetrieb zur Verfügung stellt. Ist das Baden an dem Gewässer gefährlich, liegt in der Duldung eine Fahrlässigkeit vor, die bei Unfällen zur Haftung führen kann“, beruft sich der Forstamtsleiter auf die Rechtsprechung.

Solling-Heimatverein und Ortsrat protestieren

Gegen das Badeverbot protestiert der Solling-Heimatverein Delliehausen und bekommt Rückendeckung vom Ortsrat, wie Ortsbürgermeisterin Sabine Kleinert betont.

Vorsitzender Wolfgang Boeder sorgt sich zudem wegen der Auswirkungen des Badeverbots auf Campingplatz, Beherbergungsbetriebe wie das Gästehaus Wild-Wald-Wiesenblick und allgemein den hiesigen Tourismus. Zudem habe sich die Natur mit dem Badebetrieb und dem vom Solling--Heimatverein angelegten Sandstrand sehr gut entwickelt. Das beweise die deutliche Zunahme der Schilffläche und von Wasserpflanzen wie Teichrosen, so Boeder.

Die Erholungsnutzung wäre ohne Einsatz des Vereins bedingt möglich. Er und teilweise auch die Stadt kümmerten sich um Müll, Wege und Ruhebänke. Die Forst beschränke ihren Einsatz auf die Entnahme von Bäumen. (Verpflichtung zur Verkehrssicherungspflicht). Boeder: „Das Baden ist laut Naturdenkmalverordnung nicht verboten und hat der Natur in über 100 Jahren nicht geschadet.“ Der Solling-Heimatverein vertritt die Auffassung, dass Erholungsnutzung mit Baden nach der Schutzbestimmung für Naturdenkmale im Landkreis in vollem Umfang gewährleistet sei.

Der Verein bezieht sich detailliert auf das Wasserhaushaltsgesetz. Es gehe um Gemeingebrauch. Daher könne der Eigentümer nicht einfach ein Badeverbot aussprechen. Zudem sei es deutlich überzogen, beim Bergsee nach über 100 Jahren von einem künstlichen Gewässer zu sprechen. Das habe selbst der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Prof. Dr. Theuwsen, bei einem Besuch so gesehen. Wenn der Bergsee ein künstlicher See sei, dann gebe es in der ganzen Region keinen natürlichen See, und überall wäre das Baden verboten.

Sollingverein und Ortsrat sehen auch keinen Hinweis auf Gefahr beim Schwimmen. Die Gefährdung durch überwiegend zum Teil schon faule Bäume im Randbereich sei nicht stichhaltig, da sie fast ausschließlich im Flachwasser lägen und die Schwimmer sich dort wegen der Wasserpflanzen nicht aufhielten.

Besonders abwegig sei es, dem Bergsee eine schlechte Wasserqualität anzudichten. Bei Beprobungen in über 50 Jahren sei eine gute Wasserqualität bescheinigt. Boeder: „Durch die starke Zunahme der Schilfbestände müsste die Wasserqualität immer besser werden.“

Bürgermeister sucht Weg, den Badesee zu erhalten

„Die Stadt Uslar kann nicht nachvollziehen, wie sich die Landesforsten aus der Verantwortung ziehen.“ Das sagt Uslars Bürgermeister Torsten Bauer zum Badeverbot für den Bergsee. Sein Hauptargument lautet, dass es sich seiner Meinung nach nicht mehr um ein künstliches Gewässer, sondern inzwischen um ein natürliches Gewässer handele. Die Stadt habe in der Sache das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingeschaltet, um einen Weg zu finden, den Bergsee als Bademöglichkeit beizubehalten. Der Uslarer Bürgermeister berichtet zudem, dass auch der Landkreis Northeim mit im Boot sitze und dafür sei, das Baden zu erlauben.

Beim Landkreis Northeim hieß es auf Anfrage, dass er von dem Vorhaben der Landesforsten, für den Bergsee in Delliehausen ein Badeverbot zu verhängen, Kenntnis habe. Es gehe aber ausdrücklich nicht um naturschutzfachliche Belange, die zu dem Verbot geführt haben. Die Landesforsten seien vielmehr nicht länger bereit, die Verkehrssicherungspflicht für das Areal zu übernehmen – daher das Badeverbot. Frank Schneider

So sehen die Verbotsschilder aus, die die Landesforsten am Bergsee in Delliehausen aufgestellt haben. Das Badeverbot wird allgemein stark kritisiert.

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