Wert: 300 Millionen Euro

Firma Bikeleasing wächst rasant und verkauft Anteile

Ihre Gründung ist erfolgreich: Die Bikeleasing-Geschäftsführer Paul Sinizin (links) aus Vellmar und Bastian Krause aus Uslar.
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Ihre Gründung ist erfolgreich: Die Bikeleasing-Geschäftsführer Paul Sinizin (links) aus Vellmar und Bastian Krause aus Uslar.

Ihr Geschäftsmodell trifft den Zeitgeist: Das Unternehmen Bikeleasing bietet Unternehmen einen Leasingservice von Diensträdern für deren Mitarbeiter.

Uslar/Vellmar – Vor sechs Jahren gegründet, ging es für die Firma Bikeleasing mit Sitzen in Vellmar und Uslar steil nach oben. „Wir haben unser Volumen praktisch jedes Jahr verdoppelt“, berichtete Geschäftsführer Bastian Krause zu Beginn dieses Jahres der HNA. Nun wird ein finanzstarker Investor 60 Prozent des Unternehmens übernehmen – und bezahlt rund 167 Millionen Euro.

Die Geschäftsführer Krause und Paul Sinizin bleiben an Bord und halten auch weiterhin 40 Prozent der von ihnen aufgebauten Firma. Für die 160 Mitarbeiter verändere sich nichts, außer dass noch mehr neue Kollegen hinzustoßen sollen. „Unser Unternehmen ist hervorragend positioniert und sehr schnell gewachsen. Uns war aber bald klar, dass wir einen starken Partner benötigen, wenn wir alle Chancen und Möglichkeiten, die Bikeleasing hat, auch wirklich nutzen wollen“, erklärt Sinizin die Hintergründe des Deals mit dem finanzstarken Partner. Die Frankfurter Brockhaus Capital Management AG (BCM) ist ein Mischkonzern, der auf Beteiligungsgeschäfte („Private Equity“) spezialisiert ist. „BCM hat uns nach Prüfung verschiedener Optionen am meisten überzeugt.“

25 000 Unternehmen sind bei Bikeleasing als Kunden registriert, 1,2 Millionen Arbeitnehmer werden von Bikeleasing mit Fahrrädern und E-Bikes versorgt. Die Fahrradbranche ist ein heißer Markt: Viele Unternehmen, etwa der Koblenzer Fahrradbauer Canyon, wurden von Kapitalgebern übernommen. „Da stecken Wetten auf gute zukünftige Geschäfte drin“, sagt ein Kenner des Private-Equity-Geschäftes. Anhand des Kaufpreises von Bikeleasing ergibt sich ein Unternehmenswert von etwa 300 Millionen Euro. „Das ist ambitioniert. Ob ein Investment aufgeht, kann man aber vorher nie wissen“, so der Experte.

Der Deal zwischen Bikeleasing und BCM bringe drei positive Aspekte mit sich, so der Fachmann: Es sei ein gutes Zeichen, wenn die Gründer wie in diesem Fall Sinizin und Krause, an Bord blieben. Der Investor BCM genieße zudem einen guten Ruf, habe sich bereits erfolgreich an einigen Unternehmen beteiligt. Und zu guter Letzt: Das Bikeleasing-Geschäftsmodell lasse sich sehr gut skalieren und verspreche dem Investor somit große Gewinne.

Es funktioniert so: Arbeitgeber, die bei Bikeleasing registriert sind, leasen ein Dienstfahrrad über die Bikeleasing-Plattform und überlassen es dem Arbeitnehmer zur Nutzung. Der Mitarbeiter bezahlt die Leasingraten, die direkt von seinem Brutto abgezogen werden. Der Arbeitnehmer muss deshalb weniger Steuern zahlen, er profitiert von der sogenannten Entgeltumwandlung. Den dadurch entstandenen geldwerten Vorteil muss er mit 0,25 Prozent versteuern. Geldwerte Vorteile durch Dienst-Pkw müssen dagegen mit einem Prozent versteuert werden. Geleast werden kann jedes Fahrrad, das im Handel erhältlich ist. Besonders E-Bikes stehen hoch im Kurs. Nach dem Ende der Vertragslaufzeit kann der Arbeitnehmer das Dienstrad zum Restwert kaufen oder einen neuen Vertrag abschließen.

Seit Jahresbeginn ist Bikeleasing auch in Österreich aktiv. Mittelfristig sei eine weitere Expansion denkbar. Dabei sei insbesondere die internationale Expertise von BCM hilfreich. In einer Pressemitteilung schreibt BCM bereits auch von weiteren Sozialleistungen, die hinzukommen könnten, und von den Unternehmenskunden für Mitarbeiter auf einer gemeinsamen Plattform bereitgestellt werden könnten. Gregory Dauber

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