Komplette Nachbarschaft stimmt empört mit ein

Brandruine in Schönhagen macht Ehepaar krank

Wohnzimmerwand mit Plane: So sieht es bei Hartmut und Ute Sieck in Schönhagen in der guten Stube aus. Dahinter liegt das Mauerwerk frei. Und hinter der Wand befindet sich die Brandruine, die die ganzen Probleme bereitet.

Schönhagen. Die Brandruine in Schönhagen an der Lunaustraße, Ecke Winterwiesenstraße, sorgt noch immer für Gesprächsstoff, prägt nach wie vor das Dorfbild und macht krank.

Denn die unmittelbaren Nachbarn Hartmut und Ute Sieck leiden unter den Folgen und fordern daher schnellstmöglich den Abriss. Die komplette Nachbarschaft stimmt empört mit ein: Der Schandfleck muss endlich verschwinden.

Was vor knapp einem Jahr noch an ein Wunder grenzte, als die Feuerwehr bei dem Großbrand am 23. August das unmittelbar angrenzende Nachbarhaus von Siecks rettete, hat sich zu einem Trauma mit Folgen für das Ehepaar entwickelt. Weil die Ruine noch immer steht und an den Giebel grenzt, hat die Feuchtigkeit dafür gesorgt, dass Siecks Teile ihres Hauses nicht mehr nutzen können. Grund sind Schimmel und Geruchsbelästigung.

Fachleute haben schon lange bestätigt, dass Renovierungen oder ähnliche Aktionen nichts brächten, solange die Ruine noch stehe. „Das geht auf die Psyche“, sagt Ute Sieck. Denn ihr sitzt beim kleinsten Geräusch in der Nacht die Angst im Nacken, es könnte wieder brennen. Ihr Mann klagt morgens über Hustenreiz und Schleimbildung. Abgesehen davon ist von Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden schon lange keine Rede mehr. Und die untere Wohnung, die frei ist, ist so nicht zu vermieten.

„Es geht an die Substanz“, fügt seine Frau hinzu, vor allem weil die Perspektive fehle. Die fehlt in der Tat. Die Gründe für den unerträglichen Zustand sind verzwickt. Zum einen haben Siecks und der Besitzer des abgebrannten Hofes die gleiche Versicherung. Zum anderen beruft sich eben diese R+V-Versicherung auf den vorliegenden Tatbestand der Brandstiftung. Bekanntlich ist ein 32-Jähriger inhaftiert worden, dem drei Brandstiftungen vorgeworfen werden.

Dabei sei die Versicherung auf die Unterstützung der Polizei angewiesen, schreibt R+V-Pressesprecherin Brigitte Römstedt. „Um den Schaden abschließend beurteilen zu können, benötigen wir die abgeschlossene amtliche Ermittlungsakte, die uns leider noch nicht vollständig vorliegt.“ Insofern sei noch keine Entscheidung gefallen. Man hoffe aber auf eine schnellstmögliche Lösung.

Das Problem: Der Besitzer des abgebrannten Hofes könne nicht in Vorkasse gehen, um den mit 50.000 Euro geschätzten Abriss zu bezahlen und warte daher auf Hilfe der Versicherung, berichten Siecks. Inzwischen wollen sie ihr Recht einklagen, auch um juristisch auf sicherer Seite zu stehen. Der Besitzer wollte sich auf Anfrage der HNA nicht zu der gesamten Angelegenheit äußern.

Der Versuch, bei der Versicherung einzulenken, sei fehlgeschlagen. Sie seien unter anderem vom zuständigen Mann regelrecht abgewimmelt worden. Das Ehepaar kann sich den Spruch nicht verkneifen: „Von wegen: Wir machen den Weg frei“, erinnern sie an einen Werbeslogan der Volksbanken und Raiffeisenbanken, zu denen die R+V-Versicherung gehört.

Das sagen die Nachbarn

Unsere Enkelkinder meiden heute noch die Nähe der Brandruine und fragen immer: Opa Jürgen, warum steht das Ding noch?“ Das berichtet Jürgen Utermöhle als einer von den Nachbarn der Brandruine an der Lunau- und der Winterwiesenstraße in Schönhagen.

Jeder hat eine Brandversicherung, sagt Utermöhle: „Ich frage mich, warum die nicht eingreift.“ Und seine Frau klagt über die Geruchsbelästigung und darüber, dass die Ruine vor allem im Winter gespenstisch aussieht.

„Der Anblick und der Gestank dieser Ruine sind unerträglich“, berichtet Helmut Petersen. Wenn er zum Beispiel aus seinem Küchenfenster schaut, kann er die Brandruine nie übersehen. Zudem warnt Petersen vor den Gefahren der Ruine, die bestehen, wenn man sie betrete. Das sei aufgrund der ungenügenden Absicherung kein Problem.

Martina Bickmeier und Inga Grinda sind als Nachbarinnen ebenfalls bedient: Die Ruine sei unübersehbar, jeden Tag, und das sei nicht einfach auszublenden. Neben der Geruchsbelästigung, über die alle Nachbarn gleichsam klagen, stellen sie fest, dass auch fast ein Jahr nach dem Feuer noch immer Rußpartikel durch die Gegend fliegen. Alle schütteln vor Unverständnis nur mit dem Kopf.

Das Gehöft war am Samstag, 23. August 2014, abgebrannt und gehörte zu einer Reihe von Bränden in Schönhagen, die für erhebliche Unruhe sorgten. Die Angst vor Feuer ging um in Schönhagen.

Schließlich inhaftierte die Uslarer Polizei dieses Jahr einen 32-jährigen Mann aus einem Uslarer Ortsteil, dem drei Brandstiftungen vorgeworfen werden. Er sitzt seitdem im Maßregelvollzug. Er ist nicht geständig. Die Polizei hält einige Beweise dagegen, die sie bei einer Hausdurchsuchung gefunden habe.

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