Bahnstrecke Northeim-Ottbergen

Brückenüberbau bei Uslar als Last auf 80 Rädern

Millimeterarbeit: Vorsichtig wurde der tonnenschwere Brückenüberbau in die Fundamente eingesetzt. Die Hydraulikstempel (Mitte) senkten das Bauwerk ab.

Vor allem für Außenstehende sah alles schon ziemlich spektakulär aus auf der Baustelle am Güldenberg bei Bollensen. Da war die Bahnstrecke Northeim-Ottbergen von Freitag bis Sonntagnacht gesperrt.

Denn im Vorfeld der Bauarbeiten musste für die neue Bundesstraße 241 ein Bahnübergang erneuert werden. Routiniert und emsig waren Dutzende Arbeiter verschiedener Firmen damit beschäftigt, ein seit März auf einem separaten Gerüst vorgefertigten Stahlbetonbrückenüberbau auf die neuen Sockel an der Bahnlinie zu bringen.

Zu Beginn der Sperrung wurden die Schienen auf etwa 50 Meter herausgetrennt, danach die Schwellen und ein provisorischer Metallübergang mithilfe eines Schwerlastkranes entfernt.

Fast parallel wurde auf dem abgesperrten Baufeld über Stunden ein SPMT (Self-Propelled Modular Transporter) mit einem weiteren mobilen Schwerlastkran zusammengebaut.

Ein SPMT ist ein selbstfahrendes Modulfahrzeug mit 80 Rädern, die sich in fast alle Richtungen drehen lassen.

Das SPMT hebt auch die 345 Tonnen schwere Brückenlast spielerisch mithilfe der rechnergesteuerten Hydraulik vom Sockel. Per Joystick auf der Fernbedienung vor dem Bauch steuert Uwe Rieger das mit eigenen PS-starken Motoren und viel Technik ausgestattete Modulfahrzeug über die zentimeterdicken Stahlplatten auf einem extra aufgefüllten Schottersockel.

Darunter ist schon die neue Bundesstraße gebaut und asphaltiert.

Vor, zurück, vor, zurück und schon „schwebt“ Rieger – von seinem Arbeitskollegen Patrick Schönke per Funk auf der gegenüberliegenden Seite manövriert – den komplett mit Geländer vormontierten Überbau in Richtung der neuen Betonfundamente.

Hinten ein Stück mehr rechts, vorn links etwas dichter – mit wenigen Handgriffen bringt Uwe Rieger das Bauwerk in die gewünschte Position.

Von Hektik keine Spur. Alles passt genau, wie geplant ist ein Zentimeter Luft in den Fugen.

Als das „Okay“ vom Bauleiter kommt, beginnt sofort der Rückbau des Spezialfahrzeugs in Modulen. „Das dauert mindestens noch sieben bis acht Stunden“, hieß es bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Baufeld.

Acht Auflieger-Sattelzüge stehen für den Abtransport bereit. Rieger und Schönke arbeiten für ein Spezialunternehmen, sind meist auf Baustellen in Deutschland und Europa unterwegs und waren auch schon in Amerika mit einem SPMT im Einsatz. Die Brücke gehört nach Angaben der Experten eher zu den kleineren Lasten, die sie mit dem SPMT bewegt haben.

Der Vorteil für den Einsatz eines solchen Spezialfahrzeuges für den Brückenbau liegt nach Auskunft von Jan Hendrik Schäl, Bauleiter der Echterhoff Bau-Gruppe, die für den Bund beim Neubau der Bundesstraße 241 mit im Einsatz ist, auf der Hand. Das spart vor allem Zeit und damit Geld.

Zwar koste das Bauwerk mehrere Millionen Euro, aber es habe nur wenige Zugausfälle gegeben.

Hätte man die Bahnbrücke über der neuen Bundesstraße 241 an Ort und Stelle gebaut, wäre die Bahnlinie Uslar-Northeim für mehrere Monate komplett gesperrt gewesen. Und auch ein Schienen-Ersatzverkehr hätte organisiert werden müssen.

Und so waren nach drei Tagen (und Nächten) alle Arbeiten erledigt.

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