Ehemaliges Krankenhaus Uslar soll ab dem Wochenende belegt werden

Interessierte Zuhörer: Die 120 aufgestellten Stühle reichten nicht aus bei der Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlingsunterkunft im alten Krankenhaus, zu der die Stadt Uslar eingeladen hatte. Rund 150 Zuhörer waren gekommen. Foto: Dumnitz

Uslar. Bereits ab diesem Wochenende sollen die ersten von bis zu 450 Flüchtlingen in das ehemalige Uslarer Krankenhaus einziehen.

Das sagte Bernd-Michael Lemmel, Projektgruppenleiter für den Standortaufbau des Niedersächsisches Ministeriums für Inneres, Sport und Integration, am Montag in der Info-Veranstaltung der Stadtverwaltung im alten Rathaus. Rund 150 Einwohner verfolgten die zweistündige Veranstaltung.

Was erwartet die Bewohner des Uslarer Landes ab dem Wochenende? 

Standen Rede und Antwort: Bürgermeister Torsten Bauer (stehend) stellte die Expertenrunde vor, darunter der Leiter des Lagers Friedland, Heinrich Hörnschemeyer (links), und Sven Rust vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB Hannover/dritter von rechts). Foto: Dumnitz

Man sei auf die Akzeptanz der Bevölkerung angewiesen, sagte Uslars Bürgermeister Torsten Bauer. Dafür warb Lemmel mehrfach. Das Ex-Krankenhaus am Graftplatz werde Notaufnahmelager und sei dem Grenzdurchgangslagers Friedland angedockt. Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Libanon und Afghanistan kämen in Bayern an, würden in Zügen von Passau bis nach Laatzen/Hannover gefahren und kämen nach einer Busfahrt in Uslar an. Hier erfolge die Registrierung, Untersuchung und Einweisung in die Zimmer. Derzeit seien etwa 36.000 Flüchtlinge in Niedersachsen, so Lemmel. Durchschnittlich bleiben die Flüchtlinge zwei bis drei Monate in Uslar, bevor sie auf dezentrale Unterkünfte verteilt würden. Dann kommen neue Leute. Der Mietvertrag zwischen dem Land und dem Zwangsverwalter des Ex-Krankenhauses sei zunächst auf ein Jahr abgeschlossen worden – mit Option auf Verlängerung. Er sei zuversichtlich, dass viele Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren, wenn dort Frieden sei, und beim Wiederaufbau helfen.

Ist die Sicherheit für Flüchtlinge und der einheimischen Bevölkerung gewährleistet? 

Als Leiter des Grenzdurchgangslagers Friedland (1300 Einwohner, 2000 Flüchtlinge) sagte Heinrich Hörnschemeyer, dass es dort nur selten zu Streitigkeiten komme, bei denen manchmal auch die Polizei gerufen werde. Im Ex-Krankenhaus sollen bis zu 25 Leute im Auftrag des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) für Sicherheit sorgen. Im Stadtgebiet sei dafür nach wie vor die Polizei zuständig, sagte Martina Stülzebach als Leiterin des Uslarer Polizeikommissariats.

Wie sieht der Alltag in der künftigen Notunterkunft aus? 

Die Menschen im Ex-Krankenhaus erhalten nach der Registrierung, die wichtig sei für das Asylverfahren, einen Schlafplatz, eine tägliche Vollverpflegung, ärztliche Versorgung, ein Taschengeld zwischen 80 und 140 Euro pro Monat sowie Gutscheine für Bekleidung. Diese Gutscheine würden wohl bei Uslarer Geschäften eingelöst, soweit die Inhaber diese akzeptieren und mit dem Innenministerium abrechnen wollen. Der Samariter-Bund betreibt laut Sven Rust (ASB Hannover) landesweit zwölf Flüchtlingslager, Uslar sei das Dreizehnte. Man setze auf ehrenamtliche Unterstützung beim Versuch der Integration durch Sport in Vereinen, Deutschkurse etwa mit Hilfe pensionierter Lehrer oder Kinderbetreuung. „Die uns fremden Menschen wollen den Alltag meist genau so leben wie wir auch, wollen zur Ruhe kommen und etwas sinnvolles machen“, sagte Rust.

Wie kann sich die Uslarer Bevölkerung für ein friedliches Miteinander stark machen und wo braucht es Hilfe? 

Mehrere Redner zeigten Verständnis für die Situation und warben für Akzeptanz der Fremden im Uslarer Land. AfD-nahe Fragesteller sprachen von einer Anreizpolitik, die die Menschen erst ins Land hole. Die Mehrheit der Anwesenden stimmte jedoch der Ansicht von Eberhard Otto zu, der von einem bisher guten Klima im Zusammenhang mit den bereits angekommenen Flüchtlingen sprach. ASB-Sprecher Rust sagte, dass man eine Hotline einrichten werde, um Hilfe zu koordinieren. Es werde eine Kleiderkammer eingerichtet, wo Leute Spenden abgeben können. Gefragt sei Winterkleidung, jedoch nicht in XL-Größen.

Bis dahin sei die Stadt Uslar Ansprechpartner, sagte Bürgermeister Bauer: über das Bürgerbüro (Telefon 05571-307200) und die Internetseite www.stadt-uslar.de.

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