Bewerber standen Rede und Antwort

Lesertreff zur Bürgermeisterwahl: Fünf wollen ins Uslarer Rathaus

Als Bürgermeister-Kandidaten stellten sich Torsten Bauer (von links), Stephan Kaiser, Volker Fuchs, Sven Borchert und Sebastian Pfeiffer den Fragen der Moderatoren Frank Schneider (dahinter, stehend, von links) und Jörg Grabowsky sowie der Zuhörer im Raum
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HNA-Lesertreff: Torsten Bauer (von links), Stephan Kaiser, Volker Fuchs, Sven Borchert und Sebastian Pfeiffer den Fragen der Moderatoren Frank Schneider (dahinter, stehend, von links) und Jörg Grabowsky sowie der Zuhörer im Raum und der Einwohner.

11 809 Wähler im Uslarer Land können einen neuen Bürgermeister wählen. Fünf Kandidaten haben sich beim HNA-Lesertreff den Fragen von Moderatoren, Lokalpolitik und Einwohnern gestellt.

Schoningen – Auf ein hitziges Streitgespräch verzichteten die fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Uslar und beantworteten ruhig und sachlich die Fragen beim Kandidaten-Check. Etwas mehr als 30 Besucher verfolgten am Dienstag in der Halle des SC-Schoningen den HNA-Lesertreff in Zusammenarbeit mit den Ortsräten Schoningen, Verliehausen, Ahlbershausen und Fürstenhagen.

Dazu kamen die Zuschauer, die per Internet das Geschehen im Livestream verfolgten. Im Durchschnitt hätten 180 zugesehen, insgesamt habe man bis gegen 21.30 Uhr 1100 Aufrufe gezählt, sagte Jörg Grabowsky, der mit HNA-Redakteur Frank Schneider den Gesprächsabend mit Torsten Bauer, Volker Fuchs, Sven Borchert, Sebastian Pfeiffer und Stephan Kaiser moderierte.

Wie die Zuhörer in der Halle konnten die Online-Zuschauer Fragen stellen. Außerdem hatten die vier Ortsräte den Bewerbern vorab Fragen zukommen lassen. Je eine Minute hatte jeder für die Antwort Zeit.

Dabei wurde es nur ein Mal hitzig durch einen Zuruf aus dem Publikum, als SPD-Kandidat Sven Borchert beim Thema Kontakte zur Wirtschaft seine Gespräche mit Unternehmen hervorhob und durchblicken ließ, andere hätten dies nicht getan. Allerdings beteuerten auch die anderen Kandidaten Interesse an der heimischen Wirtschaft inklusive Amtsinhaber Torsten Bauer (CDU), der sagte, die Kontakte seien gut.

Bei mehreren Themen waren die Kandidaten nur über den Weg zum gleichen Ziel unterschiedlicher Meinung. Stichwort Würgassen. Welche Schritte die Kandidaten gegen ein Zwischenlager für Atommüll unternehmen würden, wollte Martin Ahlborn (Schönhagen) wissen.

Die komplette Runde gab an, über die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten darauf dringen zu wollen, dass die Kriterien zur Standortsuche überprüft werden. Kaiser und Pfeiffer (beide Einzelbewerber) riefen zudem die Bürger zu Protest auf. Pfeiffer: „Notfalls fahren wir nach Berlin.“

Vielfältiger waren die Vorschläge beim Thema Lebensmittelversorgung in den Dörfern, das Friedbert Leßner (Verliehausen) ansprach. Volker Fuchs (Einzelbewerber) schlug eine Doppelstrategie vor: Ein leichteres Bestellwesen auch für Ältere, die nicht online sind. Außerdem müssten die Menschen zu den Märkten gebracht werden – zum Beispiel mit dem DRK-Bürgerbus.

Kaiser verwies auf Förderprogramme für Dorfläden, zum Beispiel kombiniert mit einem Café oder digitale Läden ohne Personal, in denen man mit Karte einkauft.

Die Situation sei das Ergebnis der Geiz-ist-geil-Mentalität, sagte Pfeiffer. Auch er schlug einen 24-Stunden-Markt ohne Personal vor.

Bringdienste wären eine Möglichkeit, so Bauer und verwies außerdem auf den Wienser Dorfautomaten, die Bedeutung rollender Supermärkte sowie Dorfladenprojekte. Die Stadt könne die angesprochenen Projekte nur unterstützen, meinte Borchert. Es gehe darum, die Menschen zu den Waren oder die Waren zu den Menschen zu bringen.

Technischer Aufwand: Markus Thiel (rechts) und Timo Eckert sorgten für die Liveübertragung ins Internet.

Unterschiede offenbarten sich beim Thema Verwaltung. Auf Kritik von Jens Siebert (Fürstenhagen), dass Anliegen aus den Ortsräten mit Verspätung erledigt werden, schlug Borchert vor, Fragen von Räten und Bürgern digital zu erfassen und abzuarbeiten. Fuchs setzt auf den analogen Weg und will jedem Ortsrat einen Mitarbeiter als Begleiter zuordnen.

Kaiser will prüfen, ob es genug Personal gibt oder die Dinge über zu viele Schreibtische gehen. Die Infos müssten schneller kommen, die Zustände seien inakzeptabel, sagte Pfeiffer, während Bauer meinte, nur bei der Protokollerstellung gebe es Verzögerung. Er stelle sich vor, dass Aufträge direkt an Verwaltung oder Bauhof gingen.

Lesertreff Bürgermeisterwahl: Einwohner sorgen sich um Entwicklung der Stadt

Windräder, Fotovoltaik- und Biogasanlagen beschäftigen die Menschen im Uslarer Land ebenso wie die Verkehrsanbindung. Beim Lesertreff bezogen die Bürgemeisterkandidaten Stellung.

Mit Abstands- und Hygienehonzept: Auch der HNA-Lesertreff mit den fünf Bürgermeister-Kandidaten stand unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie.

Uslar - Zuhörerin Jasmin Höch (Verliehausen) fragte nach der Wahlkampffinanzierung der Kandidaten. Bei Torsten Bauer (CDU) und Sven Borchert (SPD) zahlen die Parteien die Werbung, Volker Fuchs habe ein „Team von Unterstützern und Förderern“ um sich herum und Stephan Kaiser und Sebastian Pfeiffer sagten, sie finanzieren ihren Wahlkampf als unabhängige Kandidaten aus der eigenen Tasche.

Horst Johanning (Eschershausen) hinterfragte die Kontakte der Bürgermeister-Kandidaten zur Wirtschaft und Steffi Kurz (Uslar) fragte übers Internet nach einer möglichen Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsverein Region Uslar. Alle fünf Bewerber pflegen unterschiedliche Kontakte und versprachen weitere Bemühungen nach ihrer Wahl – auch für den Bereich Lange- und Kurze Straße in der Innenstadt.

Horst Johanning

Fuchs schlug vor, obere Etagen über Gewerberäumen verstärkt fürs Wohnen anzubieten, Kaiser wünscht sich neue Läden (vegetarisch), Pfeiffer findet eine geänderte Verkehrsführung auf der Langen Straße gut, Bauer setzt auf das Stadtsanierungskonzept sowie den Masterplan und Bochert will über den Tellerrand blicken und setzt auf neue Ideen.

Die Grundschulen in Uslar, Volpriehausen, Schoningen sowie Sohlingen/Schönhagen und Kindertagesstätten wollen alle Kandidaten nach Möglichkeit erhalten und weiter fördern, ausbauen und unterhalten.

Jasmin Höch

Auf die Frage von Jens Siebert (Fürstenhagen) zur Ärzteversorgung hieß es von Borchert, dass offenbar die Attraktivität für Ärzte in der ländlichen Region fehle. Fuchs und Kaiser setzen etwa auf Praktika von Ärzten, die so das Uslarer Land kennenlernen könnten und vielleicht blieben. Auch Pfeiffer will junge Ärzte begeistern und Bauer regte Stipendien als Werbung an.

Im Schlusswort riefen Frank Schneider und Jörg Grabowski zum Wählen auf. Bisher haben 1059 Wähler bereits per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. (Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer und Jürgen Dumnitz)

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