Standortschließung

Uslarer Traditionsfirma Eisenvogel schließt im Industriegebiet - Fortsetzung bei Lott

Die Firma Eisenvogel: Das Geschäft im Industriegebiet schließt Ende Mai, die neue Firma Eisenvogel 2.0 Uslar will am 1. Juni im Ladengeschäft der Firma Lott weitermachen, hier mit Fritz-Otto Bunzendahl (Mitte), der aufhört, und seinen Nachfolgern Sebastian Schacht (links) und Ralf Possinger.
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Die Firma Eisenvogel: Das Geschäft im Industriegebiet schließt Ende Mai, die neue Firma Eisenvogel 2.0 Uslar will am 1. Juni im Ladengeschäft der Firma Lott weitermachen, hier mit Fritz-Otto Bunzendahl (Mitte), der aufhört, und seinen Nachfolgern Sebastian Schacht (links) und Ralf Possinger.

Das bekannte Uslarer Familienunternehmen Eisenvogel schließt das Geschäft im Industriegebiet. Es gibt aber eine Nachfolgelösung.

Uslar – Schlechte und gute Nachricht aus der Uslarer Wirtschaft: Am 31. Mai ist Schluss mit Eisenvogel im Industriegebiet. Gebäude und Gelände sind verkauft und werden anderweitig genutzt. Die gute Nachricht: Die Firma wird als „Eisenvogel 2.0“ fortgeführt, und zwar im Ladengeschäft der Firma Lott an der Sollinger Oberhütte am anderen Ende der Kernstadt.

An allen anderen Gerüchten, allen voran, dass es Eisenvogel gar nicht mehr gibt, ist nichts dran. Das versichern Fritz-Otto Bunzendahl (68), der sich Ende Mai altersbedingt aus dem Geschäft zurückzieht, und Ralf Possinger und Sebastian Schacht, die als langjährige Mitarbeiter das Ruder übernehmen – allerdings an anderer Stelle neu starten und mit einem veränderten Sortiment.

Im Industriegebiet endet auf jeden Fall ein bekanntes Uslarer Traditions- und Familienunternehmen. Fritz Vogel, der Urgroßvater des heutigen Inhabers Fritz-Otto Bunzendahl, gründete die Firma vor 127 Jahren als Eisenwarenhändler und ist zudem der Namensgeber von Eisen-Vogel, wie er damals genannt wurde. Bis ins Jahr 2010 gab es das große Stadtgeschäft an der Kurzen Straße.

Zudem hatte die Firma einen Standort an der Georg-Ilse-Straße und handelte dort mit allem, was mit Stahl zu tun hatte. Der Standort wurde 1979 ins Industriegebiet verlegt, als die Firma dort den damaligen Baustoffhandel Gerlach an der Kurt-Schumacher-Straße kaufte und umbaute. 1996 kam ein Hallenanbau hinzu, 2011 ein Büroanbau.

Zu besten Zeiten hatte Eisenvogel an beiden Standorten über 20 Beschäftigte, im Industriegebiet waren es zuletzt zehn Mitarbeiter. Das Sortiment war riesig und reichte über Eisenwaren und Stahl hinaus mit den Bereichen Türen, Tore, Fenster, Baustahl, Tiefbau, Sanitärbedarf, Schlüsseldienst, Handwerkszeuge, Schrauben- und Befestigungstechnik, Gartenzubehör, Arbeitsschutz und Ladungssicherung, Elektrowerkzeuge sowie technische Gase. Der Standort ist nun bald Geschichte.

Eine Nachfolgeregelung im Industriegebiet war nicht vorhanden, berichtet Fritz-Otto Bunzendahl und wollte über die Hintergründe nicht mehr sagen. Der Kaufmann führt das Unternehmen in der vierten Generation. Er arbeitet seit 1975 in dem Familienbetrieb, seine Frau Christine war von 1988 bis 2010 im Stadtgeschäft tätig. Er habe sich unter den aktuellen Umständen Anfang des Jahres schließlich für den Schritt des Verkaufs entschieden.

Keine Frage, für die bisherige Kundschaft aus Handwerk, Gewerbe und Privatkunden entstehe schon eine große Lücke, so Bunzendahl, wenn der Handel mit Stahl, Toren und Türen mit der Standortschließung endet.

Unabhängig davon findet bei Eisenvogel bis Ende Mai noch der Ab- und Ausverkauf der lagernden Ware statt, gemäß der Corona-Verordnung nach Terminvereinbarung (Telefon 0 55 71/92 15 21, E-Mail info@eisenvogel.de). Bisher ist die Firma zufrieden mit dem Ausverkauf.

Und persönlich? Fritz-Otto Bunzendahl rechnet damit, dass es wohl noch ein Vierteljahr dauert, bis alles erledigt und die Firma abgemeldet ist. Er will sich dann mehr um sein Hobby Oldtimer kümmern, Kollegen besuchen und mit seiner Frau den Ruhestand genießen. Von den Mitarbeitern wechselt ein Teil in die neue Firma, andere haben andere Anstellungen gefunden. Bunzendahl: „Personalmäßig ist alles untergebracht.“

Insgesamt zeigt sich Bunzendahl froh über seinen Ausstieg. Denn in den vergangenen fünf Jahren war es wirtschaftlich nicht so einfach. „Der Wettbewerb ist sehr hart geworden“, sagt der Kaufmann und nennt als Beispiele die Konkurrenz durchs Internet im Allgemeinen und speziell durch Ebay. Dann kam noch Corona hinzu. Das alles machte den Entschluss aufzuhören einfacher.

Autohaus Siebrecht übernimmt Gelände im Industriegebiet

Gekauft hat das Eisenvogel-Areal im Industriegebiet die Automobilgruppe Siebrecht, die laut Juniorchef Maik Siebrecht mit ihrer Verwaltung, der Leasinggesellschaft ALS und dem Fuhrparkmanagement ins Industriegebiet umziehen will und die Halle auf dem Gelände für den Nutzfahrzeugumbau vorsieht. Einzug ist den Angaben zufolge für August geplant.

Neustart mit der Firma Lott Autoteile

Als Neustart bezeichnen Sebastian Schacht (31/Kammerborn) und Ralf Possinger (52/Bad Karlshafen) die Fortführung der Firma als „Eisenvogel 2.0, Schacht und Possinger GbR“. Sie wollen am 1. Juni offiziell loslegen,

Die Einzelhandelskaufleute, beide bei Eisenvogel ausgebildet, verfügen über viel Erfahrung in der Branche: Possinger ist seit 33 Jahren bei Eisenvogel beschäftigt, Schacht seit 13 Jahren, beide zuletzt in führenden Positionen. Sie werden gleichberechtigte Geschäftsführer der neuen Firma. Sie sehen die Entscheidung, sich mit der Firma Lott zusammen zu tun, als richtigen Schritt an, weil sie sich im Sortiment gegenseitig ergänzen und Synergieeffekte versprechen. Beide Firmen unter einem Dach bleiben aber eigenständig.

Schwerpunkt wird für die neue Firma der Handel mit Hand- und Elektrowerkzeug, Schrauben, Arbeitsbekleidung und technischen Gasen sowie Schlüsseldienst sein. Zudem ist ein Maschinenverleih geplant. Generell blicken Possinger und Schacht der Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Unternehmen und Handwerkern positiv entgegen.

Die Online-Aktivitäten aus dem Online-Shop Eisenvogel, den es seit vier Jahren gibt, sollen fortgesetzt und erweitert werden. Insgesamt werde die Planung, dass es mit der neuen Firma weitergeht, positiv aufgenommen. Frank Schneider

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