Festgottesdienst

St.-Johannis-Gemeinde Uslar verabschiedet Pastor Stimpel in den Ruhestand

Pastor Burkhard Stimpel und Ehefrau Marianne beim Abschiedsgottesdienst in der St.-Johannis-Kirche in Uslar, hinten ist der Altar zu sehen.
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Abschied: Pastor Burkhard Stimpel, hier mit Frau Marianne, geht in den Ruhestand.

Mit einem großen Festgottesdienst hat die evangelische St.-Johannis-Gemeinde Uslar ihren Pastor Burkhard Stimpel nach 28 Jahren Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet.

Uslar - In seiner letzten Predigt vor der Entlassung aus dem Amt stellte er fest: „Es hat sich voll gelohnt.“ Nur 100 Gäste waren aufgrund der Corona-Beschränkungen für den Gottesdienst erlaubt. Sie erlebten einen Pastor, der mit gewohnt federndem Gang und großen Schritten den Weg auf die Kanzel hinter sich brachte und bei seiner letzten Predigt zuversichtlich in die Zukunft blickte. Stimpel hatte Seifenblasen als Metapher für das bewusste Erleben mit auf die Kanzel gebracht. Die durften Corona-bedingt zwar nicht fliegen, machten aber doch deutlich, worum es geht. Von kurzer Lebenszeit können sie mit nur einem Lichtstrahl beschienen viel Freude bereiten und in allen Farben schimmern, bevor sie schnell zerplatzen. Man muss sie nur bewusst erleben.

Für den Pastor gehört das bewusste Erleben zu seinen Lebensmaximen. In den oft gehörten Spruch „Wo sind nur die Tage geblieben“ könne er nicht einstimmen, verkündete Stimpel. Vielmehr sei jeder Moment einmalig, und in seiner 40-jährigen Dienstzeit habe er jeden Tag bewusst erlebt.

Stimpel bedankte sich bei der Gemeinde, seinen Kollegen und Superintendentin Stephanie von Lingen für den Zuspruch, das Vertrauen und viele Gebete. Auch für die Stadtverwaltung fand er lobende Worte. Die gute Zusammenarbeit, die man hier pflege, sei nicht selbstverständlich.

„Im Vergleich mit der Ewigkeit sind unsere Jahre kurz“, schloss Stimpel seine Predigt und verwies noch einmal auf die Seifenblasen. Erst das Licht lasse sie in bunten Farben erstrahlen. Jesus sei das Licht für den Menschen, und genau um das gehe es jetzt im Advent, wenn die Christen in aller Welt die Ankunft Gottes feierten.

Superintendentin Stephanie von Lingen war nach Uslar gekommen, um den offiziellen Teil der Entpflichtung zu übernehmen, wie die Verabschiedung in den Ruhestand in der Kirche heißt. Sie hob in ihrer Verabschiedung die unbedingte Freundlichkeit Stimpels hervor, seine Verlässlichkeit und sein Talent für besondere Gottesdienste, sei es mit Sportvereinen oder den Abschiedsrundgang durch „seine“ Dörfer mit Filzhut auf dem Kopf und Kuhglocke um den Hals.

Pastor Stimpel sei ein gutes Beispiel für Kirche in Bewegung. „Danke für den ganz besonderen Move und Groove, mit dem Sie die Gemeinde in Bewegung gehalten haben“, so von Lingen. Für den Kirchenvorstand ergriff dessen stellvertretender Vorsitzender Dieter Kruse das Wort. Stellvertretend für viele andere beschrieb Kruse sehr emotional, wie Stimpel ihn bewegt habe, im Kirchenvorstand mitzuarbeiten und damit sein Leben positiv verändert habe. Für die Pastoren trat Astrid Jasper ans Rednerpult. Bei aller Verschiedenheit, so die Pastorin, habe man nie das gemeinsame Ziel aus den Augen verloren und so viel erreicht. Bürgermeister Torsten Bauer, zugleich Stimpels Kollege im Stiftungsvorstand, dankte dem scheidenden Pastor im Namen von Rat und Verwaltung für viele Gedankenanstöße und die ebenfalls gute Zusammenarbeit.

Jeder spüre, dass Stimpel hinter dem stehe, was er tue und sage. Das habe ihm viel Hochachtung eingebracht. Die Gemeinde dankte ihrem Pastor mit Applaus, bevor es am Ausgang für jedes Gemeindemitglied ein Lebkuchenherz als Abschiedsgeschenk gab. zyp

Pastor aus Leidenschaft

Burkhard Stimpel wurde in Göttingen geboren und engagierte sich bereits in seiner Jugend für Amnesty International. Von 1974 bis 1980 studierte er Theologie in Heidelberg und Tübingen, absolvierte sein Vikariat in Hameln und trat seine erste Stelle 1983 in Exten (Rinteln) an.

1992 wechselte er auf die Pastorenstelle in Uslar, wo er für die Nordstadt und die Dörfer Sohlingen, Vahle und Dinkelhausen zuständig war. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörte außerdem die Notfallseelsorge, der evangelische Kindergarten und der Gemeindebrief „Der Weg“. In der 2003 gegründeten „St.-Johannis-Stiftung im Kirchspiel Uslar“ wirkte er als Vorsitzender des Stiftungsvorstands.

Bekannt wurde der Pastor auch durch seine Pilgerreise und Vorträge, die er dazu hielt, sowie durch zahlreiche, mit Bewegung verbundene Angebote der Gemeinde. So übte er Liturgische Tänze mit Jugendlichen und Senioren, belebte die Tradition des „Pilgern light im Labyrinth“, organisierte den Johanniskorso auf Rollschuhen mit DLRG und TSG, einen Brot-für-die-Welt-Staffellauf-Marathon durch den Kirchenkreis und das Foto-Projekt „Geh aus, mein Herz“ mit Sportvereinen und Fotografen.

Kulturell interessierte Uslarer kennen Stimpel auch als engagierten und begabten Musiker.

Ehefrau Marianne leitete fast während seiner gesamten Amtszeit in Uslar den Flötenkreis. Zur Familie gehören außerdem die Söhne Tilmann und Jan-Christoph. Aus der alten Dienstwohnung in der Pastorenstraße sind Stimpels bereits ausgezogen und wohnen jetzt in Eschershausen. zyp

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