Provenienzforschung

Experten begutachten  afrikanische Exponate im Uslarer Museum

+
Das Uslarer Museum.

Uslar. Mitbringsel aus Afrika standen im Mittelpunkt, als Wissenschaftler  unter anderem aus Namibia, das Uslarer Museum besuchten.

Als Sozial- und Kulturanthropologen oder Völkerkundler beschäftigen sich Ethnologen mit der Vielfalt menschlicher Lebensweisen aus einer sowohl gegenwartsbezogenen als auch historisch verankerten Perspektive. Bei einem informellen Treffen der Wissenschaftler am Rande einer Tagung in Hildesheim im Uslarer Museum ging es jetzt um das Thema Provenienzforschung in der Provinz.

In Uslar wurde gut ein Dutzend der über 40 vorhandenen Objekte aus ehemaligen deutschen Kolonien in Augenschein genommen und teils auch schon bewertet. Vor allem die Herkunft von Objekten aus dem ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) interessierte die Experten, sagte Dr. Sabine Lang vom Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, die mit dabei war.

Zu dem Treffen im Museum unter anderem mit Gastwissenschaftlern aus Namibia hatte Dr. Christian Riemenschneider (Göttingen) eingeladen, der sich 2017 bereits einmal drei Wochen lang im Auftrag des Landschaftsverbandes Südniedersachsen im Museum aufgehalten hat.

Damals ging es um die Bestandsaufnahme und um Fragen einer möglichen Enteignung oder einer unrechtmäßigen Inbesitznahme. Endgültig geklärt werden könne dies vermutlich nicht bei allen Stücken. Speere, Jagdtrophäen, Schildkrötenpanzer, Pfeile und Bögen und ander Dinge waren oft Mitbringsel, die zunächst im Familienbesitz waren und von nachfolgenden Generationen ans Museum abgegeben wurden.

Christian Riemenschneider arbeitet über einen Werkvertrag beim Landschaftsverband. Er soll für mittlere und kleine Museen Recherchen zur Herkunft (Provenienz) ihrer Sammlungsbestände anstellen und forschen.

Das macht er in Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden und Alfeld und anschließend auch in Uslar, Seesen, Osterode und Northeim.

Unter anderem soll bei der jetzigen Tiefenforschung bis 2021 nach Möglichkeit geklärt werden, ob ein Verdacht auf NS-Raubgut vorliegt. Auch Objekte, die nach 1945 durch Kauf, Schenkung oder Übernahme in die Museen gelangten, hat er bei seiner vertieften Forschung im Visier.

Seine Arbeit wird mit 72 000 Euro vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert, 5000 Euro steuert zudem der Landschaftsverband bei und 2000 Euro das Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen.

Laut Uslars Museumsleiter Dr. Daniel Althaus gab es von einigen Exponaten zunächst nur Karteikarten. Interne Nachforschungen haben dann ergeben, dass etliche Stücke aus Afrika in einer Ecke des Bauhofs lagerten und dort schon fast vergessen waren. Mittlerweile seien sie aber wieder im Museum.

Es habe sogar eine Zeit lang ein Kolonialzimmer im Museum gegeben, sagte Althaus. Das werde sicher aber nicht mehr eingerichtet. Denkbar sei aber, dass es eine durch die Forschungsergebnisse von Dr. Riemenschneider gestärkte Sonderausstellung etwa unter dem Motto „Von Uslar in die Welt und wieder zurück“ im Uslarer Museum geben könnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.