Stadtbrandmeister-Bilanz

Feuerwehren im Uslarer Land blicken auf besonderes Jahr zurück

Großbrand am 21. Juni 2020 in Allershausen: Dieses Fachwerkhaus bannte ab. Der Feuerwehr verhinderte, dass unmittelbar danebenstehende Häuser in Brand gerieten. Archivfoto: Jürgen Dumnitz
+
Großbrand am 21. Juni 2020 in Allershausen: Dieses Fachwerkhaus bannte ab. Der Feuerwehr verhinderte, dass unmittelbar danebenstehende Häuser in Brand gerieten.

Die Bilanz von Uslars Stadtbrandmeister Jörg Jacob nach 2020 ist von Corona geprägt.

Uslar - Bis Anfang März 2020 war es für die Feuerwehren im Uslarer Lands ein normaler Jahresbeginn. Einige Jahreshauptversammlungen hatten schon stattgefunden, erinnert Stadtbrandmeister Jörg Jacob in seinem Rückblick auf 2020, als plötzlich alles zum Stillstand kam: „Es mussten aufgrund von Corona alle Veranstaltungen und Ausbildungen eingestellt werden.“

Der Stadtbrandmeister spricht von einem starken Einschnitt für alle Abteilungen der Feuerwehren, „gerade weil eigentlich jetzt der praktische Dienst draußen ja wieder losgehen sollte“. Bis auf die regelmäßigen und vorgeschriebenen Prüfungen und Wartungen durfte nichts mehr stattfinden. Die Uslarer Feuerwehren bildeten Alarmgruppen, um im Falle einer Infektion nicht eine ganze Feuerwehr stilllegen zu müssen.

Erst ab dem 15. Juni war es wieder möglich, in festen Kleingruppen (zehn Personen) den Ausbildungsbetrieb unter entsprechenden Hygienemaßnahmen aufzunehmen. Das galt aber nur für die Einsatzabteilung.

Die Jugendfeuerwehren durften ab dem 1. Juli und die Kinderfeuerwehren ab dem 31. August den Dienstbetrieb in festen Kleingruppen wieder aufnehmen. Dafür wurden Hygienekonzepte erstellt, um in den Feuerwehrhäusern einen sicheren Ablauf zu gewährleisten.

Ab Oktober wurde auch den Altersabteilungen gestattet, sich wieder zu treffen, worauf sie schon lange gewartet hatten, so Jörg Jacob. In der Zwischenzeit hätten auch wieder mehr Personen in einer Gruppe ihren Ausbildungsdienst absolvieren dürfen. Das fand im Stadtgebiet Uslar aber nur vereinzelt statt. Denn bereits ab dem 15. Oktober wurde alles wieder runtergefahren,

Altersabteilungen durften sich nicht mehr im Feuerwehrhaus treffen, es waren nur feste Kleingruppen zulässig. Ab dem 1. November stellten alle anderen Abteilungen den Dienstbetrieb erneut ein.

Der Stadtbrandmeister richtet den Rückblick auf diese Zeit vor allem auf die Fachwarte, die trotzdem sehr viel Arbeit – gerade im Bereich Atemschutz – hatten. Grund: Da die Atemschutzübungsstrecke in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Northeim gesperrt war, mussten Ausweichstrecken vor Ort gefunden werden, die die Belastungsvorgaben zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft unserer Atemschutzgeräteträger (AGT) erfüllten.

Denn diese Nachweise sind zwingend vorgegeben, um als AGT eingesetzt zu werden, berichtet der Stadtbrandmeister von großem Engagement auf diesem Gebiet: „Hier gilt es, mal ein Lob auszusprechen.“ Denn trotz erschwerter Umstände, dem regelmäßigen Desinfizieren und Prüfen der Gerätschaften und der Betreuung der Ersatzstrecke, „ist es uns gemeinsam gelungen, circa 80 Prozent aller Träger auf dem aktuellen Stand zu halten.“ Hierzu hat laut Jacob auch die Motivation und Verantwortung jedes einzelnen Atemschutzgeräteträgers beigetragen.

Auch die Gerätewarte mussten in Corona-Zeiten alle Gerätschaften, die sonst bei Übungsdiensten regelmäßig genutzt werden, prüfen und Motoren und Pumpen laufen lassen. Jacob erinnert an den enormen Zeitaufwand: Das mache sich auch in der Gesamtstundenzahl von 16 262 Stunden bemerkbar.

Über 3000 Einsatzstunden im Corona-Jahr

Von der Gesamtstundenzahl 16 262 waren im vorigen Jahr allein über 3000 Stunden Einsatzzeit, berichtet Uslars Stadtbrandmeister in seiner Bilanz über das Corona-Jahr 2020: Es waren 160 Einsätze.

2019 waren es noch 291 Einsätze und ähnlich viele wie im Rekordjahr 2016 mit 296. Auch voriges Jahr gab es für die Feuerwehr einige dicke Brocken zu absolvieren, so Jacob und erinnerte unter anderem an die Wohnhausbrände in Allershausen und Delliehausen.

Gegenwärtig verrichten einige Ortsfeuerwehren im Uslarer Land ihren Dienst digital. So sind eigene Videos zur Bedienung von Geräten, Funkgeräten und Brandmeldeanlagen entstanden. Auch die Kinder- und die Jugendfeuerwehren nutzen die neuen Medien zur Kommunikation. Der Stadtbrandmeister bringt aber auch auf den Punkt, was fehlt: „Das Gemeinsame, was wir als Team gewohnt sind. Auch wenn es schwer ist, die Mitglieder zu motivieren, sind alle der Meinung, dass es wichtig ist, unsere Feuerwehren in erster Linie einsatzbereit zu halten, und wir deshalb lieber noch etwas abwarten, bis es wieder losgehen kann.“

Jacob freut sich, dass alle dabei sind und teilweise sogar neue Mitglieder aufgenommen wurden. Bei den Mitgliederzahlen mache sich das positiv bemerkbar: Denn es sind laut Jacob „keine Verluste zu beklagen“. So gehörten der Einsatzabteilung zum Jahresende 545 (2019: 544) Aktive an, darunter 66 (63) Frauen, zur Jugendfeuerwehr 74 (76) und zur Kinderfeuerwehr 64 (64). Aufgeführt sind ferner 29 (30) Mitglieder im Spielmannszug und 1235 (1256) fördernde Mitglieder sowie 267 (276) in der Alters- und Ehrenabteilung.

In einigen Ortsfeuerwehren müssen im ersten Halbjahr 2021 Ortsbandmeister oder Stellvertreter gewählt werden. Dafür werden unter Corona-Vorgaben gesonderte und verkürzte Versammlungen der Einsatzabteilungen stattfinden, so Jacob, der auf einen Erlass des zuständigen Ministerium verweist.

Insgesamt mussten aus Sicht der Feuerwehr eine Menge Corona-Vorgaben erfüllt werden, viele Neuerungen, mit denen sich auch die Führungskräfte auseinandersetzen mussten. Darüber hinaus beschäftigte sich die Feuerwehr mit den Planungen für das neue HLF 20 (Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug) für Uslar, das gerade gebaut wird. Ein Teil der Absprachen und Planungen fanden wie gewohnt statt, aber auch die Form der Videokonferenz dafür habe gut funktioniert.

Der Stadtbrandmeister berichtet zur eingeschränkten und teilweise komplett gestrichenen Ausbildung auf Kreis- und Landesebene, dass die Feuerwehren „sicherlich ein bis Jahre benötigen“, bis diese ausgefallenen Ausbildungen nachgeholt werden können. Der Kreisfeuerwehrverband arbeite aber sehr eifrig am Nachhol-Plan.

Auf Kreisebene hat man sich geeinigt, dass die Feuerwehr-Wettbewerbe dieses Jahr ausfallen. Grund: Die Feuerwehren sollten erst einmal in den möglichen Regelbetrieb starten und sich dann im nächsten Jahr wieder auf die Wettbewerbe vorbereiten.

Uslars Stadtbrandmeister stellt heraus, dass das Auf und Ab, das Corona für 2020 mit sich brachte, für die Uslarer Feuerwehren nicht einfach war. Jacob: „Aber ich kann sagen, dass alle mit an einem Strang gezogen haben beziehungsweise noch ziehen, um unsere Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten, dafür mein Dank an alle Mitglieder und Unterstützer sowie an den Rat und die Verwaltung der Stadt Uslar.“

Feuerwehr in Corona-Zeiten: Auch bei Aktionen wie hier auf dem Landmarkt zum Thema „Schütze dich vor Kohlenmonoxid!“ mit (von links) Marius Kunze und Frank Kunze, Konstantin Mennecke (Kreisfeuerwehr) und den Atemschutzgeräteträgern Sascha Böttcher und Felix Heepe-Horstmann galt Maskenpflicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.