Viele sind einfach nur müde

160 Flüchtlinge werden derzeit im ehemaligen Uslarer Krankenhaus betreut

Zehn Schlafplätze in einem Zimmer: Die Betten stammen aus Kanada, sagt Lutz Weseloh als stellvertretender Leiter der Flüchtlingsunterkunft im Ex-Krankenhaus. Laut ASB-Pressesprecherin Maren Schimkowiak (rechts) ist Platz für bis zu 480 Personen. Foto: Dumnitz

Uslar. Ein kleiner Junge dreht im Flur des ehemaligen Uslarer Krankenhauses Runden mit dem Dreirad. Von den 160 Flüchtlingen, die in der Erstunterkunft eine Bleibe gefunden haben, sind über 90 Prozent Familien.

„Es gibt viele kleine Kinder, aber nur wenige, einzeln reisende Männer“, sagt Lutz Weseloh von der Einrichtungsleitung beim Rundgang durch das Haus, das als Außenstelle des Grenzdurchgangslagers Friedland vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betrieben wird.

Mehrsprachig: Der Fluchtplan für das Gebäude und Verhaltensregeln bei Feuer. Foto: Dumnitz

Die allermeisten der aktuellen Bewohner sind aus Syrien, dem Irak und Iran geflohen. Für Neuankömmlinge ist der Ablauf fest geregelt. „Alle Gäste bekommen zuerst etwas zu essen“, erklärt Weseloh. Bevor jeder eine Karte mit Identifikationsnummer erhält, folgt ein erster medizinischer Check. Dann werden die Schlafplätze zugewiesen. Neben Familienzimmern gibt es spezielle Räume für Männer.

Viele Flüchtlinge sind erschöpft und wollen nach den erlebten Strapazen schnell schlafen. Oft werde jedoch zuerst Wäsche gewaschen, berichtet Weseloh. Dafür stehen in einem Raum acht Waschmaschinen und Trockner bereit. Wie die funktionieren erklären gern auch die Männer der Security.

Keine Probleme

Je 15 sind in Schichten rund um die Uhr im Haus. Einschreiten mussten sie bisher nicht. „Die Bewohner sind sehr friedlich. Es gab bisher keine Probleme, keine Schlägerei“, sagt Security-Chef Ibrahim Sabih. Er und seine Kollegen sind auch als Dolmetscher gefragt. Einige beherrschen gleich mehrere Sprachen. An Kärtchen mit Flaggen erkennen die Hausbewohner, wer sie versteht.

Leitungsbüro: Koordiniert wird die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Krankenhaus von Marcel Arndt (rechts). Foto: Dumnitz

Geringer als von anderen Flüchtlingsunterkünften bekannt ist die Zahl der Neuankömmlinge, die schnell wieder verschwinden. Von 25 Prozent Abgängen spricht Lutz Weseloh. „Wohin die Leute ziehen, wissen wir nicht“, meint Weseloh, vermutet jedoch, dass sie zu Verwandten weiterreisen.

Die die bleiben, können aktuell in Uslar mit einer schnellen Bearbeitung ihrer Anliegen rechnen. Am vergangenen Samstag wurden die ersten Bewohner bereits zur offiziellen Registrierung nach Friedland gebracht.

Darauf müssen Flüchtlinge anderorts oft Monate warten. In dieser Woche sollen die amtsärztlichen Untersuchungen folgen. Mit etwas Glück könnten die ersten Anträge für das Asylverfahren bis Jahresende fertig sein, heißt es.

Weil täglich Dinge anstehen, haben die Flüchtlinge mit Langeweile bislang nicht zu kämpfen. Besonders für die Frauen sei es ein Highlight, in der noch im Aufbau befindlichen Kleiderkammer Sachen suchen zu dürfen, berichten die Helferinnen dort. Bald soll auch Deutschunterricht angeboten werden, für die Kinder wird ein Spielzimmer eingerichtet.

Essen im OP

Essenausgabe und Teil des Speisesaals: Vom Tresen aus (links hinten) werden die angelieferten Speisen verteilt. Foto: Dumnitz

Als Speisesaal fungieren zwei ehemalige Operationssäle. Ab 8 Uhr gibt es hier Frühstück, den ganzen Tag über heißes Wasser für Babykost und Tee. Das Mittagessen wird aus Hannover angeliefert. Tagsüber gehen viele Bewohner spazieren. „Und die Kinder sorgen für Halligalli“, freut sich Weseloh. Weil die meisten Flüchlinge sehr erschöpft seien, kehre abends früh Ruhe ein. Um 21, 22 Uhr seien die Gänge leer.

Was der nächste Tag bringt, wissen Weseloh und seine Kollegen nicht. Abends gebe es jeweils eine Info, ob mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen ist, berichtet er. Vielleicht kommt dann am nächsten Tag ein Bus und vielleicht auch nicht.

Lesen Sie auch:

- Ex-Krankenhaus füllt sich - Arbeiter-Samariter-Bund ruft zu Spenden auf

- Erste Flüchtlinge im ehemaligen Krankenhaus in Uslar untergebracht

- Polizeichefin rechnet wegen Flüchtlingsunterkunft nicht mit Konflikten

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.