Tümpel und Baumbestand

Forst will Naturdenkmal kippen: Kein Schutz mehr für Bergsee?

+
Mit Strand: Seit 2012 gibt es in einem Teilbereich am Ufer des früheren Zechenteichs weißen Sand für Besucher. Archivfoto: Dumnitz

Delliehausen. Der Bergsee bei Delliehausen mit seinen Tümpeln und dem Baumbestand ist seit Jahrzehnten ein Naturdenkmal und gilt als besonders schützenswert. Revierförster Peter Martensen will diesen Schutz-Zustand aber am liebsten loswerden.

Über sein Vorhaben informierte er in der jüngsten öffentlichen Sitzung den Ortsrat und rund 40 Einwohner im Saal des Gasthauses Köhlerhof.

Die hohen Bäume machen dem Förster zu schaffen, sagte er. Und weil der Bereich ein Naturdenkmal sei, dürfe man da eigentlich gar nichts drin machen. Er berichtete von aufwendigen Abstimmungsverfahren, wenn etwa ein maroder Baum entnommen oder an anderen Pflegemaßnahmen vorzunehmen seien.

Pflege verursache Kosten

Vor einigen Jahren hatte es bereits eine Prüfung zum Fortbestand des Areals als Naturdenkmal gegeben, sagte Martensen. Die Stadt Uslar habe sich aber gegen eine Aufhebung ausgesprochen und auch der Kreistag. Er habe als Förster einen klaren Auftrag der Niedersächsischen Landesforsten, nämlich Geld etwa durch den Verkauf von Holz abzuliefern. So verursache der Bergsee-Bereich aber nur viele Kosten. Und auch eine touristische Entwicklung könne die Forst nicht leisten. Martensen würde es gut finden, wenn der Ortsrat und auch der Stadtrat einer Aufhebung des Schutzzustandes zustimmen würden, warb er in der Sitzung für seinen Plan.

Es könne sein, dass sich durch die anstehende Landtagswahl politisch etwas verändere. Dann könne es leicht passieren, dass man in Hannover andere Interessen als den Schutz vertrete und einem Verkauf des Bergsees zustimme, argumentierte der Revierförster.

Für den Bereich Bergsee ist das Forstamt Dassel zuständig. Forstamtsleiter Thomas Reulecke (Eschershausen) sagte im Ortsrat: „Der Denkmal-Zustand hemmt uns ganz massiv.“ Deshalb habe man ein Interesse an einer Änderung.

Mitleid in Grenzen

Uslars Bürgermeister Torsten Bauer, der an der Sitzung des Ortsrates teilnahm, brachte die Meinung des Delliehäuser Ortsrates und seine auf den Punkt: „Mein Mitleid angesichts der Millionen-Gewinne der Landesforsten hält sich in Grenzen“, sagte er in Richtung der Forstleute. Und unabhängig von der jeweiligen Landesregierung gebe es Gesetze, die einzuhalten sind, sagte er auf die Äußerung von Martensen zur Landespolitik.

Ortsratsmitglied Guido Böckelmann sagte, dass der Ortsrat den Status als Naturdenkmal auf jeden Fall erhalten will, weil der Bergsee ein besonders schöner Platz sei und das auch bleiben solle.

Bei einer Aufhebung des Schutzes seien Tür und Tor geöffnet für Vorhaben, die der Ortsrat jetzt noch gar nicht kenne. Dazu zähle auch ein möglicher Verkauf an Privatleute, was in jedem Fall zu verhindern wäre. Bauer ergänzte, dass der ehemalige Zechenteich ein Kleinod mit Alleinstellungsmerkmal in der Region sei.

Einer touristischen Entwicklung habe eine besondere Bedeutung. Da müsse man sich zusammentun, um nach einer Lösung zu suchen.

Winfried Müller vom Heimatverein sagte, dass der Bergsee in keinem Fall unsicher für Besucher sei und viel und gern von Menschen aufgesucht werde. Auch er sprach sich als ehemaliger Förster gegen eine Schutz -Aufhebung aus. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.