Forum Kinderarmut berichtet in Berlin von der Armut auf dem Lande

Sie berichteten in Berlin vom Forum Kinderarmut in Uslar: Melanie Schmidt (links) vom Diakonischen Werk und ihr Team. Foto: nh

Uslar/Berlin. Seit sieben Jahren setzt sich in Uslar das Forum Kinderarmut zugunsten von Mädchen und Jungen aus Familien am Existenzminimum ein.

Um über die Arbeit und die Erfahrungen mit betroffenen Familien zu berichten, reisten jüngst sieben Vertreterinnern des Forums, das auf Initiative des Diakonischen Werkes gegründet wurde, zu einer Fachtagung nach Berlin.

Melanie Schmidt, Melanie Kickartz und Heike Küchemann hatten 45 Minuten Zeit, um den Zuhörern der Tagung des Bündnisses für ein menschenwürdiges Existenzminimums zu berichten, was Armut auf dem Lande bedeutet.

Ein Problem im Leben von Familien, die vom Existenzminimum leben, sei die Mobilität, zum Beispiel wenn bei chronisch kranken Kindern hohe Fahrtkosten zu Ärzten entstehen, hieß es. Betroffene leiden unter Scham und Angst vor Diskriminierung sowie der unzureichenden Förderung ihrer Kinder, weil etwa die Mittel für Schulmaterial nicht ausreichen.

„Diese Missstände führen im Alltag dazu, dass Betroffene sich immer wieder outen, rechtfertigen und erklären müssen, warum das Existenzminimum nicht ausreicht“, so Melanie Schmidt vom Leitungsteam des Forums Kinderarmut. Dies führe zur Ausgrenzung von Betroffenen. „Die Ausgegrenzten von heute sind die Armen von Morgen“, sagte Antje Siebrecht.

Für Kinder müssten die Sozialleistungen, wie das Bildungs- und Teilhabepaket so gestaltet werden, dass sie tatsächlich ankommen, forderten die Frauen aus Uslar, die in Berlin das Modellprojekt „Jeder isst mit“ vorstellten. Bei diesem Projekt wird der erforderliche Eigenanteil von einem Euro für ein Mittagessen in Kita oder Schule vom Forum Kinderarbeit übernommen. Durch zusätzlichen Bürokratieabbau ist die Zahl der Kinder, die im Raum Uslar-Bodenfelde am Mittagessen teilnehmen, deutlich gestiegen.

Melanie Schmidt: „Es ist wichtig, dass die Erfahrungen aus dem Projekt auch auf Bundesebene ankommen und sich etwas ändert, denn das Projekt ist nur auf drei Jahre angelegt.“ Während der Tagung habe es viele Rückfragen und Interesse an der Arbeit des Forums Kinderarmut gegeben, berichten die Teilnehmerinnen. Der Ansatz, nicht über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden, sondern mit den Menschen mit Armutserfahrung nach Verbesserung der Lebensqualität zu suchen, habe viele beeindruckt.

Suche nach Verbündeten

„Man habe die Tagung genutzt, um bundesweit Verbündete für die Ziele des Projekts ,Jeder isst mit‘ zu finden, so Melanie Schmidt. „Es war wichtig zu zeigen, dass wir nicht nur mildtätig handeln, sondern gleichzeitig politische Missstände benennen, aber auch Lösungsvorschläge vorbringen und diese auch ausprobieren.“ (zsh)

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