Bis Mitte der 1970er-Jahre

Die Frauen des Waldes pflanzten nach dem Zweiten Weltkrieg Bäume

Kulturfrauen forsteten Kahlschläge auf: Heute bezeichnen die Niedersächsischen Landesforsten die fleißigen Helferinnen von Einst als „Trümmerfrauen des Waldes“. Foto: Privat/nh über Landesforsten

Sievershausen. Frauen haben in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg den Wald maßgeblich wieder mit aufgeforstet.

Die Niedersächsischen Landesforsten mit Sitz in Braunschweig nehmen das 70. Jahr nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges zum Anlass, um auf die Leistung der Kulturfrauen und Förster bei der Wiederaufforstung des niedersächsischen Waldes hinzuweisen.

Zwischen 1930 und 1950 gab es in Niedersachsen 140.000 Hektar Kahlflächen im Wald, in den Landesforsten allein 60.000 Hektar. Zur Vorbereitung und während des Zweiten Weltkriegs kam es zu einem wahren Raubbau im Wald. In Niedersachsen waren besonders die Fichten- und Kiefernwälder in Solling, Harz, Heide und Weser-Ems betroffen.

Nach Kriegsende verschärfte sich die Lage noch. „Um den Wiederaufbau zu stemmen, wurde in kurzer Zeit viel Holz benötigt, während gleichzeitig ein Teil der Reparationszahlungen mit Holz beglichen wurde“, beschreibt Landesforsten-Präsident Klaus Merker die damalige Situation.

So verschlangen unter anderem die Wiederaufnahme der industriellen Produktion und der Wiederaufbau von zerstörten Gebäuden sowie das Heizen mit Brennholz in den harten Nachkriegswintern Unmengen an Holz.

Um die so geschaffenen Kahlflächen wieder aufzuforsten, bedurfte es großer Anstrengungen. Weil es an Arbeitskräften mangelte, wurden für die Pflanzarbeiten Kulturfrauen eingesetzt. „Ohne diese Kulturfrauen, den Trümmerfrauen des Waldes, gäbe es wahrscheinlich den Wald, wie wir ihn heute kennen, nicht“, meint Merker.

Gedenkstein 

An der Kaiserstraße zwischen Sievershausen und der Landstraße Richtung Silberborn wurde 1999 ein Gedenkstein für die Kulturfrauen und Waldarbeiter enthüllt. Der Rastplatz mit Parkflächen wurde am 28. September 2000 eingeweiht. Initiator war der Revierförster Armin Ristau.

Früher haben viele Menschen Arbeit im Wald gefunden. In jeder der Revierförstereien, von denen es deutlich mehr als heute gab, waren Kolonnen von sechs bis acht Männern ständig beschäftigt, dazu kamen die Kulturfrauen, die unter anderem in den Pflanzgärten (auch Kamp genannt) tätig waren. Fast jede Försterei betrieb eine kleine forstliche Baumschule.

Der letzte Kamp im Solling wurde im Frühjahr 2007 in Delliehausen geschlossen, nachdem dort seit 1967 der Baumnachwuchs vorwiegend für die Region gezogen wurde. Kulturfrauen wurden ab Mitte der 1970er Jahre im Wald nicht mehr benötigt.

Heute wird die Holzernte meist mithilfe gigantischer Harvester erledigt. Und der nötige Baumnachwuchs wird kostengünstig importiert und durch externe Unternehmen angepflanzt. Kahlschläge gibt es in der Forstwirtschaft so gut wie gar nicht mehr.

Pflanzaktion im Frühjahr

Im kommenden Frühjahr soll es in Erinnerung an die kulturhistorische Leistung eine große Pflanzaktion geben. Auf ihrer Internetseite haben die Landesforsten zudem eine Sonderseite zu den Kulturfrauen gestaltet.

Weitere Informationen gibt es hier.

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