Besondere Aktion zur Wiedereröffnung

Friseurin in Uslar öffnete schon kurz nach Mitternacht

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Haarewaschen ist Pflicht: Melanie Marzog mit einem Stammkunden um kurz nach Mitternacht.

Uslar – „Ich hab die Haare schön.“ Das konnten am Montag schon acht Menschen von sich behaupten, bevor die Friseure  am Morgen wieder ihre Geschäfte öffnen durften: Das waren die Kunden von Melanie Marzog, die das Angebot nutzten, sich gleich nach Mitternacht die Haare schneiden zu lassen.

Eine Minute nach Mitternacht öffnete die Chefin persönlich das Geschäft und demonstrierte mit der Aktion zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt vor allem eins: Wir legen sofort wieder los, wenn es möglich ist. Ein symbolischer Schnitt, wenn man so will.

Und das kam an. Eine junge Frau kam als erste in den Salon. Waschen und schneiden. Sie fand das Angebot einfach nur gut. Währenddessen saß eine Stammkundin aus Northeim schon beim Färben. Schließlich kam ein Stammkunde aus Vernawahlshausen, später sogar noch einer aus Göttingen zum nächtlichen Frisieren.

Die Kundschaft war angetan. Und Melanie Marzog war vor allem erleichtert, dass es für die Branche weitergeht. Auch wenn die Auflagen sehr aufwendig sind. Neben der Eingangstür stehen Desinfektionsmittel und eine Liste zum Eintragen auf einem kleinen Tisch. Desinfizieren und Dokumentieren sind die erste Pflicht im Friseursalon zu Corona-Zeiten.

Das ist aber noch lange nicht alles. Melanie Marzog, die aus Vernawahlshausen kommt und dort sowie in Bodenfelde und seit jüngstem auch in Uslar an der Wiesenstraße Salons betreibt und zehn Mitarbeiterinnen hat, hat für den Start nach der Zwangspause 500 Euro allein für Desinfektionsmittel und Handschuhe investieren müssen.

Überhaupt ist der ganze Ablauf anders und für jeden neu zu strukturieren, schildert die Friseurmeisterin. Maskenpflicht beim Friseur und die Vorgabe, vor dem Schneiden die Haare zu waschen ist zum Beispiel ein Problem: Die Bänder der Maske werden nass. Kein Problem bei Melanie Marzog: Sie zückt ein doppelseitiges Klebeband und reicht den Kunden zwei Streifen: Die Maske wird für das Haarewaschen praktisch auf den Rand der Wange geklebt.

Die Mitarbeiterinnen haben auf alles zu achten: Handschuh und Masken tragen, Scheren und andere Werkzeug sind nach jedem Kunden zu desinfizieren, ebenso die Arbeitsplätze. Abstand halten spielt ebenso eine Rolle. Aber das alles wird in den kommenden Tagen bestimmt schnell zur Routine. Hauptsache ist, dass die Branche wieder aktiv sein kann, lautet der Tenor. Bei Melanie Marzog herrscht nach der sechswöchigen Schließung großer Andrang. Dass das Haareschneiden in diesen Zeiten teurer wird, liegt an der Pflichtwäsche und den enormen Kosten für die Erfüllung der Auflagen.

Corona hat der Friseurmeisterin aus Vernawahlshausen übrigens auch einen Strich durch ein Jubiläum gemacht: Die Feier des 90-jährigen Bestehens des Vernawahlshäuser Friseurgeschäfts, sozusagen des Muterhauses, am 1. April musste ausfallen. „Dann feiern wir eben den 91. Geburtstag im nächsten Jahr“, sagt die Chefin, während Hund Mico einziger Nutznießer der ganzen Auflagen ist: Er hat das Sofa in der ansonsten wegen Corona gesperrten Wartezone ganz für sich allein. fsd

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