Berufungsverfahren vor dem Landgericht Göttingen

Geld von Mandanten veruntreut: Bewährungsstrafe für Anwalt

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Göttingen / Uslar – Das Landgericht Göttingen hat  einen Rechtsanwalt aus Uslar wegen gewerbsmäßiger Untreue in neun Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Als Bewährungsauflage muss der 49-jährige Jurist 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Damit solle dem Angeklagten das Unrecht der Tat verdeutlicht werden, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Schindler. Die Berufungskammer sah es als erwiesen an, dass der Anwalt in neun Fällen Gelder von Mandanten veruntreut hatte.

Statt die eingegangenen Beträge auf einem gesonderten Anderkonto zu verwahren, beziehungsweise an seine Mandanten auszuzahlen, habe er das Geld auf dem Kanzleikonto vereinnahmt, um damit seinen Kanzleibetrieb aufrechtzuerhalten.

Mit seiner Berufungsentscheidung milderte das Gericht das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Northeim ab. Dieses hatte den Anwalt im Februar 2017 wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Außerdem hatte das Gericht ein Berufsverbot über drei Jahre verhängt. Gegen dieses Urteil hatte der Anwalt Berufung eingelegt.

„Dies war nicht das Ergebnis, das Sie sich gewünscht hatten“, sagte der Vorsitzende Richter. Anders als das Amtsgericht verhängte das Landgericht zwar kein Berufsverbot, da der 49-Jährige aufgrund des vorläufigen Verbots bereits seit rund drei Jahren nicht mehr als Anwalt tätig sein durfte. Allerdings dürfte er aufgrund des zweit-instanzlichen Urteils derzeit keine neue Zulassung bekommen.

Der Anwalt hatte die teilweise jahrelangen Verspätungen bei der Auszahlung von Mandantengeldern unter anderem damit begründet, dass er aufgrund von Schicksalsschlägen stark belastet und überfordert gewesen sei. Das Gericht ließ dies nicht gelten. Der wahre Grund seien Zahlungsschwierigkeiten gewesen, sagte der Richter. Dies lasse sich unter anderem daran ablesen, dass er in diversen Fällen die Beträge in Raten gezahlt habe.

In einem Fall habe er beispielsweise von einer eingegangenen Fremdgeldsumme in Höhe von 100 000 Euro nur 67 000 Euro „einigermaßen zeitnah“ an den betreffenden Mandanten weitergeleitet, den Rest habe er später in Raten überwiesen. Teilweise habe der Angeklagte nicht einmal geringe Raten bedient, sodass eine Mandantin sogar Teilbeträgen in Höhe von 50 Euro habe „hinterherlaufen“ müssen.

Dass der Angeklagte in Geldschwierigkeiten steckte, zeige sich auch daran, dass es mehrfach Pfändungen und Rückbuchungen von Lastschriften gegeben habe.

Als strafmildernd wertete es das Gericht, dass die Untreuehandlungen bereits lange zurückliegen, die letzte Tat war Ende 2012. Auch sei der Angeklagte nicht vorbestraft, habe den Schaden wieder gut gemacht und berufliche Folgen zu tragen.

Erschwerend sei dagegen zu werten, dass er als Rechtsanwalt besonderes Vertrauen in Anspruch genommen und einige seiner Mandanten bewusst über die Höhe der eingegangenen Beträge getäuscht habe.

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