Geschäftsaufgabe in Uslars Innenstadt: Firma Herwig gibt auf

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Allein an seinem bisherigen Arbeitsplatz: Der Uslarer Unternehmer Sven Herwig schließt spätestens Ende dieses Monats sein Fachgeschäft. Erhalten bleibt die Poststelle, die sogar noch um ein kleines Shop-Angebot erweitert werden soll.

Uslar. Die Schließung seines Fachgeschäfts an der Langen Straße in Uslar hat für den Unternehmer Sven Herwig (42) mehrere Gründe. Spätestens Ende März soll das Warensortiment mit Unterhaltungselektronik, PC und Elektrogeräten abverkauft sein, dann ist das Geschäft leer.

Weiterhin und ohne Einschränkungen betrieben wird hingenen die Poststelle in einem Teil des 300 Quadratmeter großen Geschäftsraumes.

Für den Postbetrieb zeichnet Herwig nach eigenen Angaben laut einer vertraglichen Vereinbarung mit der Post selbst verantwortlich. Seine vier Angestellten sollen den Betrieb für die Post-Kunden wie gewohnt sicherstellen.

Herwig will das Serviceangebot sogar noch um einen Shop-Bereich erweitern. Da soll es etwa Batterien, Druckerpatronen oder auch Druckerpapier und andere Kleinigkeiten geben.

Was mit der übrigen Geschäftsfläche werden soll, ist noch offen. In den vergangenen zwei Jahren sei sein Entschluss zur Schließung gereift. Jetzt, wo es scheint, dass seine drei Mitarbeiter im Euronics-Bereich andere Arbeitsstellen haben, „mache ich dicht“, so der Betriebswirt mit Berufsakademie-Abschluss.

Den Mitarbeitern, der älteste ist seit 39 Jahren in der Firma, habe er sich verpflichtet gefühlt. Seit 1974 betrieb zunächst Herwigs Vater Wilfried (72) das Radio- und Fernsehtechnik-Geschäft. Seit 1997 leitete der Junior den Betrieb. Er hatte 1993 Abitur in Uslar gemacht. Bis vor drei Jahren zeichnete Herwig sen. für ein zweites Geschäft in Northeim verantwortlich. Er ist jetzt Rentner, das Gebäude verkauft. Darin befindet sich aktuell ein Fitnessstudio.

Zu viel Konkurrenz

Während man mit Fernsehern bis vor etwa zehn Jahren noch Geld verdienen konnte, habe sich das Kundenverhalten drastisch geändert. Zu groß sei die Internet- und Großmarktkonkurrenz. „Unseren Service mit Beratung und Aufstellung der Geräte wollten viele Kunden nicht mehr zahlen“, so Sven Herwig. Auch bei der „Weißen Ware“ mit Waschmaschinen, Kühlschränken und Geschirrspühlern sei der Wettbewerbsdruck groß und der Verdienst gering. Gerade ältere und Stammkunden hätten den Service des Handwerkbetriebes gern genutzt. Das höre er in diesen Tagen immer wieder.

Aber: Die Größe Uslars mit rückläufiger Bevölkerungszahl reiche für ein Ladengeschäft wie seines nicht mehr aus. Deshalb sieht er keine Perspektive. Auch die Suche nach einem Geschäftsnachfolger sei ergebnislos geblieben.

Und weil er mit Anfang 40 für seine letzten 25 Berufsjahre noch einmal eine Herausforderung sucht, entschied er sich zur Schließung. Gern würde er als Betriebswirt in einem größeren Unternehmen arbeiten. Aber auf keinen Fall mehr im Handel oder im Verkauf.

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