Nachbarn wurden durch hellen Feuerschein geweckt

Großfeuer in Zimmerei in Uslar: "Es war ein Flammenmeer"

Uslar. „Es war ein Flammenmeer“, beschreibt Andreas Noll seinen ersten Eindruck beim Blick aus dem Fenster. Der 47-Jährige wohnt mit seiner 84-jährigen Mutter in einem Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zum abgebrannten Zimmerei-, Tischlerei- und Trockenbaubetrieb an der Uslarer Siemensstaße.

Von dem mittelständischen Unternehmen, das 21 Mitarbeiter beschäftigt, sind am Montagmorgen nur noch verkohlte Balken und ausgebrannte Firmenwagen zu sehen. Die Feuerwehr, die in der Nacht mehrere Stunden gegen die Flammen ankämpfte, ist noch den ganzen Tag über mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Von über einer Million Euro Schaden spricht die Polizei.

Mitarbeiter deprimiert

Fest steht, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit nicht arbeiten kann. „Wir haben keine Fahrzeuge, kein Werkzeug, kein Material mehr“, sagt Seniorchefin Giesela Ilse gegenüber der HNA. Die Mitarbeiter, die zum Teil von weiter weg aus Einbeck oder Lippoldsberg kommen, seien am Morgen sehr deprimiert gewesen, heißt es. „Ich bin nur froh, das niemand verletzt wurde“, sagt Giesela Ilse und denkt an das ältere Ehepaar, das im Haus nebenan wohnt und dem wie allen anderen Nachbarn nichts geschehen ist.

Nachbar Andreas Noll ist in der Nacht gegen 1.15 Uhr von seinem Sohn, der ein Haus weiter wohnt, geweckt worden. Nachdem er die Feuerwehr gerufen habe, seien alle raus auf die Straße, berichtet der 47-Jährige. Gegen 4.30 Uhr durften sie wieder ins Haus „Aber mit Schlaf war nichts mehr.“ Im Hellen wurden dann die Schäden offenbar. An mehreren Nachbarhäusern sind Fensterscheiben zerplatzt. Der Wohnwagen von Andreas Noll, der an der Grundstücksgrenze stand, ist komplett zerstört, das Auto daneben stark beschädigt.

Aus dem Schlag geschreckt

Nur wenige Meter vom Brandherd entfernt, steht das Haus von Henning Wienecke, dessen Schwiegervater die vierköpfige Familie in der Nacht geweckt hatte. An Wieneckes Haus sind Scheiben geborsten, Fensterrahmen verzogen. Die Fassade sieht unversehrt aus. „Aber innen ist die Isolierung geschmolzen“, sagt Schwiegervater Herbert Job.

Henning Wienecke ist froh, dass die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen verhindert hat. „Man darf nicht vergessen, dass alle Freiwillige sind.“ Auf der Straße unterhalten sich weitere Anlieger und loben die Arbeit der Feuerwehr, „So ein Inferno. Wir haben Glück gehabt“, sagt eine ältere Frau.

Unbeantwortet blieb gestern die Frage nach der Ursache des Feuers. Der Brandort wurde polizeilich beschlagnahmt. Die Uslarer Polizei hat mit Unterstützung eines Brandermittlers der Polizeiinspektion Northeim/Osterode die Untersuchung aufgenommen. In den nächsten Tagen soll ein Brandsachverständiger des Landeskriminalamtes Niedersachsen die Brandstelle untersuchen.

Fotos des abgebrannten Zimmereibetriebs

Großfeuer in Uslar

Rubriklistenbild: © Schmidt-Hagemeyer, Kornelia

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