Heinz Rickert verabschiedet

Gründer des Berufsförderzentrums in Uslar geht in den Ruhestand

Uslar. Die Füße hochlegen und im Schaukelstuhl sitzen, das ist Heinz Rickerts Sache nicht. Das machte der ehemalige Leiter des Berufsförderzentrums des Albert-Schweitzer-Familienwerks anlässlich seiner Verabschiedung gleich deutlich. Er hat vor, noch viele Projekte umzusetzen.

Als erstes fasste Rickert mit an und beförderte den großen Schaukelstuhl für den Garten aus massivem Holz aus dem Grashaus des Jugendcamps hinaus, den er gerade als Geschenk der Mitarbeiter zur Verabschiedung bekommen hatte. Die Zukunft des Stuhls, der in der Jugendwerkstatt entstanden ist, liegt wohl im Köln-Bonner-Raum. Da leben die Enkel von Heinz Rickert, die er jetzt öfter besuchen will. Auch an seinem Haus in Adelebsen sei noch jede Menge zu tun.

Geboren und aufgewachsen nahe der deutsch-französischen Grenze bei Straßburg, kam Heinz Rickert vor 38 Jahren nach Uslar. Mit seiner Lebensgefährtin, einer Lehrerin, gründete er eine Kinderdorffamilie. Rickert, der sich sehr für Pädagogik interessiert, kommt aus der Landwirtschaft, hat eine kaufmännische und eine Tischlerlehre.

Er habe viele Ideen gehabt, mit Arbeitslosen etwas aufzubauen, sagte Einrichtungsleiter Harald Kremser. Im damaligen Geschäftsführer des Familienwerks, Heiner Theiß, habe er dafür einen Partner gefunden, bei dem er auf offene Ohren stieß. Zunächst als ABM-Kraft eingestellt, gründete Rickert die Jugendwerkstatt auf dem Gut Steimke. 2014 zog die Jugendwerkstatt, die seit einigen Jahren auch als Berufsförderzentrum firmiert, in die ehemalige Lackierhalle der Firma Ilse um. 35 Jahre leitete Rickert die Einrichtung, bis im März dieses Jahres Natascha Surace den Job übernahm.

Heinz Rickert ist es immer wichtig gewesen, Menschen unter realen Bedingungen wieder in das Arbeitsleben und den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, sagte Harald Kremser. Sie sollten den Arbeitsalltag kennenlernen und die Gelegenheit haben, etwas Dauerhaftes zu schaffen. Die Projekte, die unter dieser Maßgabe entstanden, können sich sehen lassen: Unter anderem gehören das Jugendcamp, der Freizeitsee in Schönhagen, die Jugendwohneinrichtungen an der Mühlenstraße und der Kreuzstraße sowie viele Kinderspielplätze und Schulhöfe dazu und nicht zuletzt auch der Umbau der Halle, in der die Jugendwerkstatt jetzt untergebracht ist.

Die intensive Zusammenarbeit mit den Unternehmen, die mit dem Förderzentrum kooperieren, sei gewachsen. Damit habe man die Grundlage gelegt, dass die Teilnehmer der Jugendwerkstatt im Arbeitsmarkt ankommen können. Seit vielen Jahren werde die Arbeit außerdem durch Förderprogramme des Landes Niedersachsen unterstützt. In verschiedenen Arbeitskreisen und Verbänden setze sich Heinz Rickert für die Förderprogramme und deren Erhalt ein, hob Harald Kremser hervor. Ein spontaner Dank kam von Frank Bartel, Geschäftsführer der Rohbot Ltd.. „Ich möchte mich bei Heinz Rickert für die Unterstützung bedanken“, sagte Bartel. Die Mitarbeiter aus der Integrationsmaßnahme hätten geholfen, eine neue Infrastruktur aufzubauen, sodass Uslarer Bürger vor Ort IT-Zubehör und Computer kaufen könnten.

Dass der 66-jährige Rickert sich ganz von seinem Engagement zurückzieht, ist nicht zu befürchten. Seine Motivation und viel Energie sind nach wie vor zu spüren. Die Augen leuchten, wenn er von der Jugendwerkstatt spricht und der realitätsnahen Integration ins Arbeitsleben. Als Badenser, so charakterisiert er sich selbst, habe man Durchhaltevermögen, auch wenn das für andere nicht immer bequem sei.  zyp

Rubriklistenbild: © Foto: Gudrun Porath

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