Verkauf

Evangelische Jugendhilfe zieht in Ilse-Domizil am Mühlengraben in Uslar ein

Ein Bild in der Hand bleibt als visuelle Erinnerung: Thomas Bornemann (von links) mit Carmen Louis (beide Evangelische Jugendhilfe Friedenshort), Georg Ilse und Immobilienmakler Reinhard J. Freytag vor dem letzten Haus aus dem Besitz der einstigen Ilse-Dynastie in Uslar.
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Ein Bild in der Hand bleibt als visuelle Erinnerung: Thomas Bornemann (von links) mit Carmen Louis (beide Evangelische Jugendhilfe Friedenshort), Georg Ilse und Immobilienmakler Reinhard J. Freytag vor dem letzten Haus aus dem Besitz der einstigen Ilse-Dynastie in Uslar.

Das Wohnhaus der Fabrikanten-Familie Ilse am Mühlengraben ist verkauft und wird Jugendhilfestätte.

Uslar – Über Jahrzehnte war es das Familiendomizil der Industriellen-Familie Ilse am Mühlengraben 1 in Uslar. Jetzt wurde das Haus als letztes Überbleibsel der einstigen Ilse-Dynastie, das noch im Familienbesitz war, an die Evangelische Jugendhilfeeinrichtung Friedenshort GmbH (Region Nord/Einrichtung Northeim) verkauft. Das freut Georg Ilse (69), der seit 2017 wieder in dem Haus lebte, um seine Mutter bis zu deren Tod 2018 zu pflegen.

Der Verkauf, den der Göttinger Immobilienmakler Reinhard J. Freytag zum Abschluss brachte, ist ganz im Sinne der Ilse-Erbengemeinschaft, sagte Georg Ilse bei einem Ortstermin. Mitarbeiter von beauftragten Firmen haben das Innere der Gebäude bereits in Beschlag genommen. Fliesen, Teppiche und zahlreiche eingebaute Wandschränke wurden herausgerissen. Auch auf dem Grundstück wurden marode Bäume abgesägt und aufgeräumt.

Jetzt werden neue Ver- und Entsorgungs- sowie Stromleitungen verlegt. Das Haus ist laut Freytag 1875 gebaut worden und war lange im Besitz der Industriellen-Familie Schneider. 1952 habe es die Familie Ilse gekauft, ein Jahr später sei man nach Umbauarbeiten eingezogen, sagt Georg Ilse. Er wurde 1955 geboren, seine Brüder Karl-Hans (Charly) 1956, Christian 1959 und seine Schwester Mena-Bettina 1961. Bruder Robert sei als Nachzügler 1968 geboren worden – und für alle sei das Haus mit 13 Zimmern auf 285 Quadratmetern zumindest eine Zeit lang als Zuhause das Herzstück der Familie gewesen.

Ilse erinnert sich an die Mahlzeiten am großen Tisch, wenn nach dem Personal geläutet wurde, damit aufgetischt oder abgeräumt wurde, und an die patriarchische Art seines Vaters, für den das einstige Ilse-Möbelwerk mit teils über 3000 Mitarbeitern immer an erster Stelle gestanden habe. „Oft genug standen wir Kinder zurück“, erinnert sich Georg Ilse, der vor dem Verkauf auszog und jetzt auf dem Gut Reitliehausen wohnt.

Er freut sich, dass in seinem Elternhaus jetzt Kinder und Jugendliche sorgsam betreut werden. Freytag habe ein gutes Händchen bewiesen, lobt er den Makler, der sich seit 2019 um den Verkauf bemühte.

Das freue auch seine Geschwister aus der Erbengemeinschaft, betont Ilse. Ursprünglich sollte das Anwesen mit rund 3000 Quadratmeter großem Grundstück für 280 000 Euro verkauft werden. Über den tatsächlichen Preis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Laut Carmen Louis vom Friedenshort soll in dem Haus ab September die bisher in Wiensen angesiedelte „Soziale Gruppenarbeit“ im Auftrag der Jugendämter stattfinden. In Wiensen sei der Mietvertrag gekündigt.

Die Gesellschaft mit Hauptsitz in Freudenberg/Nordrhein-Westfalen steckt 250 000 Euro in die Umbauarbeit, damit das Haus gut für die Betreuung von 21 Kindern und Jugendlichen genutzt werden könne, sagt Louis. Vier Sozialpädagogen kümmern sich laut Fachbereichsleiter Thomas Bornemann um die Jungen und Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren. » ARTIKEL UNTEN

Heimat für Heimatlose

Die Evangelische Jugendhilfe Friedenshort GmbH – Heimat für Heimatlose – ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort (Freudenberg). Als diakonischer Träger kümmere man sich um das gesamte Spektrum zeitgemäßer Betreuung, Beratung und Unterstützung für Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen, sagt Carmen Louis als Leiterin der Einrichtung Northeim.

Uslar gehört zur Region Nord der Jugendhilfe Friedenshort, die sich vom Solling und Harz bis nach Hamburg erstreckt.

Im Haus Mühlengraben findet Soziale Gruppenarbeit (SGA) statt, die Familien, die sich in einer Belastungssituation befinden, unterstützen soll. Kinder mit Teilleistungsstörungen (Legasthenie/Dyskalkulie), sozialen, emotionalen oder Schulschwierigkeiten werden an mehreren Nachmittagen betreut. Das neue Grundstück und der Standort seien dafür ideal, lobt Louis. Durch die Betreuung können soziale Bezüge aufrechterhalten und gefördert werden. Man stehe den Eltern mit Rat und Tat zur Seite oder begleiten sie bei Schulgesprächen.

Man helfe bei Hausaufgaben, biete ein regelmäßiges Sport- und Schwimmangebot und stärke so die Fähigkeiten der Kinder. Auch Ferienfreizeiten und Besuche etwa von Tierparks oder Sehenswürdigkeiten werden organisiert sowie gemeinsames Basteln und Spielen. Jürgen Dumnitz

Ausgeräumt und fliesenlos: Handwerker bauen das bisherige Haus der Familie Ilse in Uslar am Mühlengraben für die neue Nutzung um.

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