Kampf um die Oberschule: vor 50 Jahren kam das Ja zum Gymnasium Uslar

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AugustSchönitz

Das Gymnasium Uslar wird 50 Jahre alt. Gefeiert wird im August. Vorab erinnern wir an die Vorgeschichte. Darum hat sich der ehemalige Schulleiter Dr. Hermann Weinreis gekümmert und berichtet als erstes von der Genehmigung vor genau 50 Jahren.

Große Freude und Erleichterung in Uslar: Am 14. Februar 1968 ging bei der Stadt ein Schreiben des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes – Abteilung Höhere Schulen – ein, in dem auf einen Erlass des Kultusministers Richard Langeheine Bezug genommen wurde. Dieser hatte am 5. Februar 1968, also heute vor genau 50 Jahren, entschieden, dass der Stadt Uslar die Errichtung eines Gymnasiums genehmigt wurde.

Nach langem Kampf, der bereits in den 1950er-Jahren begonnen hatte und nicht ohne Rückschläge blieb, waren die Bemühungen Uslarer Bürger, der Politik und der Verwaltung endlich von Erfolg gekrönt.

Gegen das Bildungsgefälle

In einer viel beachteten Resolution hatte der Rat der damals knapp 8000 Einwohner zählenden Stadt am 27. August 1965 zusammengefasst, welche Argumente für die Errichtung der „Oberschule“ in Uslar sprachen. „Mit Rücksicht auf das seit Jahren immer stärker werdende Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land“ und „zur Erweckung natürlicher Begabungsreserven im Sollingraum“ wurde das Land aufgefordert, „unverzüglich die erforderlichen Schritte für die Einrichtung einer solchen Schule einzuleiten“.

Gleichzeitig wurde vom Rat auf die langen Fahrwege nach Dassel oder Northeim und auf die eingeschränkte Aufnahmebereitschaft von Uslarer Schülern an anderen weiterführenden Schulen der Region hingewiesen. Nicht zuletzt auf die „verfassungsmäßig garantierten gleichen Bildungschancen unserer Kinder“.

Neuer Wind für Uslar

Trotz der schlagkräftigen Argumente der Resolution mussten zusätzlich hohe Hürden genommen werden. Erst mit der Bildung einer Großen Koalition in Hannover unter Ministerpräsident Georg Diederichs (1965) wuchs die Bereitschaft der Landesregie-rung, neue Gymnasien zu genehmigen, was zuvor schwierig war. Jetzt hieß es: Neuer Wind für die Uslarer Segel!

Dazu war der Nachweis des Bedarfs für eine Oberschule in Form ausreichender Schülerzahlen erforderlich. Dann musste die Trägerschaft (das heißt die Übernahme der Kosten für Bau und Unterhaltung der neuen Schule) geklärt werden, da Land und Landkreis sich (zunächst) nicht in die Pflicht nehmen lassen wollten.

Die Stadt hatte schließlich mutig erklärt, die Trägerschaft übernehmen zu wollen, obwohl, bei geplanten Baukosten von 3,6 Millionen DM, Zuschüsse und andere Mittelzuweisungen noch nicht abschließend kalkulierbar waren. Im Blick auf die Schülerzahlen und den Bedarf wurde die gesamte Region mobilisiert. Die Resolution unterschrieben alle Gemeindedirektoren der damals noch unabhängigen umliegenden Ortschaften, ebenso die aus Bodenfelde und Silberborn.

Mut zum Risiko

Fazit: Der Schulterschluss aller Ratsfraktionen, allen voran August Schönitz (SPD, damals ehrenamtlicher Bürgermeister) und Ratsherr Werner Stapp (Schulausschussvorsitzender in Uslar), der Einsatz des schulpolitisch aktiven Landtagsabgeordneten Erich Gerlach (SPD) sowie einflussreicher Uslarer Bürger wie untere anderem Fabrikant Karl Ilse und Geschäftsmann Friedrich Schefft, schufen örtliche Voraussetzungen. Die politischen Umstände waren günstig und der Mut des Rates zum Risiko war vorhanden. Nur so konnte die Genehmigung für das Gymnasium erreicht werden.

Kraftakt der Kleinstadt

Was in den 1950er-Jahren mit der Gründung eines „Vereins zur Förderung der Bestrebungen um die Errichtung einer Oberschule in der Stadt Uslar“ (Vorsitzender Pastor Wolfgang Theopold) begann, wurde vor 50 Jahren schulische Realität. Der Weg allerdings von der behördlichen Genehmigung bis zur Fertigstellung des ersten Bauabschnittes war nicht leicht.

Die Lücke im Schulsystem Uslars wurde geschlossen. Der Kraftakt der Kleinstadt und ihrer Bürger war der Beginn einer pädagogischen Erfolgsgeschichte und zugleich eine permanente finanzielle Herausforderung. Archivfoto: nh

Von Dr. Hermann Weinreis

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