Die Hütte im Solling als Rüstungsbetrieb

Kanonen aus Uslar für die Kriegskanzlei

Sollinger Hütte: Das Foto ist während des Ersten Weltkriegs auf der Oberhütte entstanden und zeigt die Arbeiter und Arbeiterinnen der Hütte. Auf den Wagen sind die fertigen Granaten gestapelt. Fotos: nh

Uslar. Die Sollinger Hütte war schon im 18. Jahrhundert ein Rüstungsbetrieb, der Kanonen und Kanonenkugeln für die Kriegskanzlei in Hannover produzierte. Ein Blick zurück.

Auch wenn die militärischen Überlegungen bei der Gründung der Eisenhütte im Jahr 1715 nicht im Vordergrund standen, schwangen sie in den kriegerischen Zeiten der kommenden Jahrhunderte immer latent mit.

In Uslar produzierte man im 18. Jahrhundert vor allem Kanonenkugeln in den unterschiedlichsten Kalibern. 1746 lieferte die Sollinger Hütte beispielsweise 153 100 vierlötige Kugeln an die Kriegskanzlei nach Hannover und 1753 kaufte sie „alte brandenburgische Bomben und Stück-Kugeln aus Minden“ an, die man in Uslar umgoss. 1767 interessierte sich sogar der König von Portugal für „eiserne Traubenkugeln“ aus dem Solling.

Kanonen aus Gusseisen

Anzeige: Das Stellenangebot stand im Februar 1917 in den Sollinger Nachrichten.

Gusseiserne Kanonen sind dagegen wohl nur in relativ geringer Stückzahl in Uslar gefertigt worden. Eine von ihnen stand über viele Jahrzehnte vor dem Museum und ist nun in der Sonderausstellung zu sehen. Sie ist ein Fehlguss, der mit der Mündung nach unten auf der Oberhütte eingegraben war und dort als Radabweiser in einer Einfahrt diente. Der Heimatforscher und Kommunalpolitiker Willi Gropp sorgte nach ihrer Bergung dafür, dass sie ins Uslarer Museum kam.

Die scheinbar fehlerfreien Kanonen lieferte man dagegen in die Hauptstadt Hannover. Über eine dieser Kanonen existiert bis heute ein interessantes Dokument im Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld, das von einem peinlichen Vorfall im Jahr 1828 Auskunft gibt: „Im Laufe des vorigen Jahres ist eine von denjenigen eisernen Kanonen, welche der Sollingerhütte gehören und die bey dem damaligen Ankauf von altem Eisen hierher geliefert wurden, um bey stattfindenden Feierlichkeiten gebraucht zu werden, schadhaft und unbrauchbar geworden. Einige von diesen Kanonen waren nun nämlich bey Anwesenheit […] des Herzogs und der Herzogin von Cambridge nach dem Zellerfelder Hauptzuge geschafft und sollen dieselben bey nachheriger Anwesenheit einer Gesellschaft daselbst aufs Neue geladen und bei Abfeuerung des Schusses eine in viele Stücke gesprungen seyn.“

Kanone zerplatzte

Obwohl damals die Kanone zerplatzte, blieb die Sollinger Hütte bis ins 20. Jahrhundert ein Rüstungsbetrieb. In beiden Weltkriegen produzierte die Hütte Gussgranaten. Eindrucksvolle Fotos zeigen die Arbeiter der Sollinger Hütte während des Ersten Weltkriegs in der alten Gießereihalle bei der Produktion dieser Rüstungsgüter. Spezielle Gießformen sorgten dafür, dass die Granaten schnell und in sehr großen Stückzahlen hergestellt werden konnten.

Während des Ersten Weltkriegs waren auch Frauen zum Abdrehen der Granaten eingesetzt. Sowohl eine Anzeige in den Sollinger Nachrichten, wie auch eines dieser seltenen Fotodokumente belegen das. Im Zweiten Weltkrieg waren dann Zwangsarbeiter für diese Arbeit eingesetzt.

Museum Uslar: Die Sonderausstellung „300 Jahre Eisenverarbeitung in Uslar“ läuft bis zum 15. November und ist dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags jeweils von 15 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Von Daniel Althaus

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