Nach Harvester-Brand

„Keine akute Gefährdung fürs Trinkwasser“

Schlieren auf Pfützen: Regen- und Löschwasser haben sich neben der Brandstelle vermischt.

Schönhagen – Auch über eine Woche nachdem eine Holz-erntemaschine eines Unternehmens aus dem Allgäu mitten im Wald zwischen Schönhagen und Amelith ausgebrannt ist, steht das 60 Tonnen schwere Kettenfahrzeug immer noch an der Unglücksstelle. Das ist mitten in der „III B Weiteren Schutzzone“ des Wasserschutzgebietes der Schäferbornquelle.

VON JÜRGEN DUMNITZ

Eingeschaltet ist der Fachbereich Regionalplanung und Umweltschutz des Landkreises Northeim (Untere Wasserschutzbehörde). Laut Pressesprecher Dirk Niemeyer, treten „aktuell keine Gefahrstoffe (Öl etc.) aus dem Fahrzeugwrack aus“. Ferner stehet fest, dass, nachdem am Montag ein Ortstermin mit einem öffentlich bestellten Gutachter aus Göttingen stattgefunden hat, „keine akute Gefährdung des Grundwassers von dem Fahrzeug oder dem Ereignis ausgehen“, heißt es in der Pressemitteilung des Kreises.

Weil es „nicht ohne Weiteres möglich“ sei, dass 60 Tonnen schwere Fahrzeug zu bergen, werde „nun“ zunächst vor Ort das ausgebrachte Ölbindemittel gegen neues Bindemittel ausgetauscht.

Parallel dazu laufen die Planungen, den Harvester zu bergen. Wenn dies erfolgt sei, werden die oberen Bodenschichten ausgetauscht, um langfristig einen Eintrag in grundwassertragende Schichten zu vermeiden, heißt es weiter von Niemeyer. Ziel sei es, teilte Niemeyer am Montag auf Anfrage mit, den ausgebrannten Harvester „zeitnah“ aus dem Wald zu entfernen und im Bereich der Brandfläche die „oberen Bodenschichten austauschen zu lassen“.

Vermutlich geriet die Holzerntemaschine am Dienstag vor einer Woche gegen 17 Uhr durch einen technischen Defekt bei Baumfällarbeiten in Brand. Den Sachschaden schätzte die Polizei auf rund 500 000 Euro.

Laut Landkreis-Verordnung von September 2002 gilt der gesamte Höhenzug „Alte Schmacht“ (in dem der Harvester brannte) als „III B Weitere Schutzzone“ für die Schäferbornquelle.

Über die vom Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) Solling (Lauenberg) betriebenen Quelle bei Nienover werden rund 2500 Personen im Flecken Bodenfelde mit frischem Quellwasser aus dem Schäferborn versorgt. Außerdem ist das Wasser als Notversorgung für die Dörfer Wahmbeck und Lippoldsberg vorgesehen. WAZ-Geschäftsführer Joachim Hawranke sagte auf Anfrage, dass in jedem Fall eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung nach dem Brand verhindert werden muss. Ein Bodenaustausch müsse daher zeitnah erfolgen. Jeder Tag Verzögerung mache möglicherweise einen tieferen Austausch des Waldbodens nötig, damit mögliche Gefahrstoffe nicht ins Grundwasser gelangen.

In der Schutzzone im Wassereinzugsbereich der Schäferbornquelle sind unter anderem das Einleiten und Versickern von Abwasser oder auch Gülle und Klärschlamm sowie Wasser gefährdender Stoffe (wie Diesel) verboten, zudem eine Kahlschlagswirtschaft oder Rodungen. Verboten sind auch Löschübungen mit Schaumlöschmitteln sowie der Einsatz von Maschinen, die nicht mit biologisch schnell abbaubaren Schmierstoffen wie etwa Hydraulikölen betrieben werden.

Beschränkt zulässig ist in Schutzzone hingegen das Versenken von Kühlwasser, das Betanken durch mobile Anlagen unter Verwendung von geeigneten Behältern, die ein Versickern der Stoffe ins Erdreich verhindern und der Einsatz von Maschinen, deren Umrüstung nicht möglich ist und die nicht vorwiegend im Wasserschutzgebiet eingesetzt werden.

Wer gegen diese Schutz-Verordnung verstößt, handelt ordnungswidrig. Es drohen Geldstrafen bis zu 50 000 Euro.

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