Kirchenvorstand stoppt auf Drängen der Gemeinde den Pfarrhaus-Verkauf

Betretene Gesichter: Beim Infoabend der evangelischen Kirchengemeinde Volpriehausen wurde die Meinung des Kirchenvolks gegen den Pfarrhaus-Verkauf mehrfach deutlich. Zum Schluss wurde die Verkaufsabsicht auch ausgesetzt. Fotos: Schneider, Weiss, nh

Volpriehausen. Die Kirchenmitglieder Volpriehausen  haben entschieden: Die Verkaufsabsichten werden gestoppt, bis die Volpriehäuser Pfarrstelle neu besetzt ist.

So landete das Kirchenvolk Volpriehausen am Mittwochabend im Gemeindehaus einen Sieg. Die über 60 Gemeindeglieder blieben beim Informationsabend über den umstrittenen Pfarrhaus-Verkauf hartnäckig. Zum Schluss verkündete Anja Kohrs vom Kirchenvorstand nach einer Spontan-Sitzung des gescholtenen Gremiums vor der Tür: Die Verkaufsabsichten werden gestoppt, bis die Volpriehäuser Pfarrstelle neu besetzt ist.

Die Vorgeschichte 

Die Kirchengemeinde Volpriehausen hatte das Pfarrhaus zum Verkauf inseriert und damit zum Teil heftige Kritik ausgelöst. Hauptkritikpunkt war: Der Kirchenvorstand hat den Verkauf über die Köpfe der Gemeindeglieder hinweg beschlossen und niemanden informiert.

Darüber hinaus werfen die Kritiker der Volpriehäuser Pastorin Gisela Waßmuth-Kahle Vorteilsnahme vor, weil sie das Pfarrhaus kaufen will und nach ihrer Pensionierung Ende Januar in Volpriehausen bleiben möchte. Diese Absicht hat die Pastorin mehrfach bestätigt. Der Vorwurf aus der Gemeinde lautet, dass der Verkauf vom Kirchenvorstand möglichst schnell zugunsten der Pastorin über die Bühne gebracht werden soll.

Der Infoabend 

Stephanie von Lingen

Die neue Superintendentin Stephanie von Lingen hatte es als Moderatorin am Mittwoch im voll besetzen Gemeindehaus nicht einfach. Sie forderte eingangs die Gemeindeglieder auf, sich der Jahreslosung „Nehmet einander an“ anzunehmen, musste sich im Verlauf des Abends aber solche Vorwürfe wie Machenschaften, Vetternwirtschaft, Vorteilsnahme und Mauschelei anhören, ferner Zustandsbeschreibungen wie gespaltene Gemeinde und verbrannte Erde.

Das Ergebnis 

Superintendentin von Lingen forderte die Volpriehäuser zum Schluss auf, unbedingt im Gespräch zu bleiben. Sie empfahl zudem die Mitarbeit eines Arbeiskreises, um die Krise in der Gemeinde zu überwinden. Den Vorschlag hatte Dirk Schwarz gemacht.

Er forderte, der gespaltenen Dorfgemeinschaft entgegenzuwirken und mit der Bürgerschaft und der Kirche ein Konzept für die Perle im Ortskern zu erarbeiten, wie Schwarz das kirchliche Gebäudeensemble mit Gemeindehaus und Pfarrhaus nannte.

Für den Arbeitskreis meldeten sich spontan fünf Mitstreiter: Esther Graepler, Udo Olschewski, Horst Rennemann, Rose Rückert und Dirk Schwarz.

Darüber hinaus blieb das Kirchenvolk hartnäckig und forderte unter anderem durch Ortsbürgermeister Gerd Kimpel und Horst Rennemann, den Verkauf des Pfarrhauses zunächst auszusetzen. Ohne Entscheidung wolle man nicht auseinandergehen, hieß es.

Erika Zufall vom Kirchenvorstand ergriff schließlich die Initiative für eine kurzfristige Sitzung des Gremiums vor der Tür. Als Kirchenvorstandschefin Anja Kohrs den Verkaufsstopp bekanntgab, brandete Applaus im Gemeindehaus auf.   

Das sagt die Kirche 

Als die eigentlich gute Nachricht des Abends verkündete Superintendentin Stephanie von Lingen, dass die Pfarrstelle in Volpriehausen als volle Stelle erhalten bleibe. Und: Die Kirche hat sich überlegt, die Stelle einem Anfänger zu geben.

Fakt ist aus kirchlicher Sicht, dass bis Mittwoch zum umstrittenen Pfarrhaus-Verkauf überhaupt nichts entschieden war, versicherte die Superintendentin. Zudem habe in der Angelegenheit ohnehin die Landeskirche das letzte Wort. Von Lingen: „Das Haus wird nicht verkauft, bevor die Stelle besetzt ist.“

Gisela Waßmuth-Kahle

Vom Kirchenkreis erläuterte Dr. Joachim Hartung das Konzept des Gebäudemanagements, zu dem unter anderem die Überprüfung von Pfarrhäusern auf Entbehrlichkeit gehöre. Die Kirche setze lieber Geld für Pastoren als für Häuser ein, lautet der Tenor.

Volpriehausens Kirchenvorstandsvorsitzende Anja Kohrs rechtfertigte den Beschluss, das Pfarrhaus zu verkaufen und dafür das Gemeindehaus als wichtige Begegnungsstätte zu behalten. Auf diesem Wege würde man viele Investitionen für das Pfarrhaus sparen.

Zum Pfarrhaus-Inserat hieß es am Mittwoch, dass bisher kein Angebot für das Pfarrhaus vorlag. Vor wenigen Tagen hatte Pastorin Gisela Waßmuth-Kahle noch von einem Angebot gesprochen, das ihr Mann abgegeben habe. Am Mittwoch sagte sie, es sei ein mündliches Angebot gewesen. Grundsätzlich sagte sie auch für ihren Mann: „Wir lieben dieses Haus und möchten hier bleiben.“

Fakt ist, dass Pastoren mittlerweile nicht mehr zwangsweise in vorhandene Pfarrhäuser ziehen müssen. Allerdings bestehe Residenzpflicht. Außerdem berichtete die Superintendentin, das es bisher nicht erlaubt sei, dass Pastoren ihre Pfarrhäuser kaufen können.   

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.